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OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch Teil 1

Der Preis des Aufstiegs: Fulda Saints vor Bundesliga-Abenteuer

Der Sprung in die GFL2 stellt die Fulda Saints vor erhebliche finanzielle und organisatorische Herausforderungen. Neue Lizenzauflagen, eine andere Spielstätte und deutlich höhere Kosten verlangen dem Verein einiges ab.
Archivfotos: O|N/ Timon Ulm

21.10.2026 / FULDA - Der Jubel über den Aufstieg in die zweite Football-Bundesliga ist bei den Fulda Saints noch frisch. Kaum verwunderlich, so ist dies der größte sportliche Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte. Doch hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen auf die kommende Saison bereits auf Hochtouren. Der Sprung in die GFL2 stellt den Verein vor erhebliche finanzielle und organisatorische Herausforderungen. Neue Lizenzauflagen, eine andere Spielstätte und deutlich höhere Kosten verlangen dem Verein einiges ab.


Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS (Teil 1) erklären Abteilungsleiter Nils Möller und Head Coach Jonas Heck, wie die Saints den Sprung in die GFL2 vor allem finanziell meistern wollen.

13 Siege, keine einzige Niederlage und am Ende der verdiente Aufstieg in die German Football League 2 (GFL2): Für die Fulda Saints hätte die vergangene Saison sportlich kaum besser laufen können. Doch mit dem Erfolg beginnt für die Verantwortlichen eine neue Phase. Der Schritt in die zweithöchste deutsche Football-Spielklasse bringt nicht nur stärkere Gegner, sondern auch erhebliche organisatorische und finanzielle Herausforderungen mit sich. Der Aufstieg bringt dem Verein zunächst keine weiteren Einnahmen. Im Gegenteil: Allein die Lizenzgebühr fällt künftig viermal so hoch aus wie bisher.

Das Ziel ist ein Jahresbudget zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Geld, das nicht nur für den Spielbetrieb benötigt wird. Längere Auswärtsfahrten, zusätzliche Busse, die technische Ausstattung und die Organisation der Heimspiele treiben die Kosten in die Höhe. Hinzu kommt ein professioneller Livestream, den die Liga für jede Partie vorschreibt. "Der muss zwei Kamerawinkel haben, der muss eine gewisse Geschwindigkeit haben, der muss moderiert werden", zählt Heck auf. "Das kostet einen Haufen Geld."

Johannesberg reicht für die GFL2 nicht mehr aus

Besonders deutlich werden die neuen Anforderungen bei der Spielstätte. Die bisherige Heimat der Saints in Johannesberg erfüllt die Vorgaben der GFL2 nicht. Die Liga bewertet die Spielstätten anhand eines umfangreichen Kriterienkatalogs. "Da spielen dann so Sachen rein wie Anzahl der Sitzplätze, überdachte Sitzplätze, Anzahl der Duschköpfe, Größe der Umkleiden, Internetgeschwindigkeit, Leinwand oder Anzeigetafeln, die vorhanden sein müssen", erläutert Möller.

Dabei handelt es sich nicht bloß um Empfehlungen. Wer die Vorgaben nicht erfüllt, riskiert neben Problemen bei der Lizenzvergabe auch empfindliche Geldstrafen. So müssen die Saints in Zukunft echte Field Goals verwenden (oder auch Goalposts genannt). Bislang behalf sich der Verein mit zusätzlichen Stangen an den vorhandenen Fußballtoren. "Wir brauchen jetzt echte Fieldgoals, ansonsten kostet das pro Spiel 2.500 Euro", sagt Heck. Nach Einschätzung der Verantwortlichen kommt deshalb nur ein Stadion als neue Heimspielstätte infrage: der Sportpark Johannisau. Die dortige Infrastruktur bietet die Voraussetzungen, die in Johannesberg nicht geschaffen werden können. Zugleich wächst mit einem Umzug die Möglichkeit, deutlich mehr Zuschauer zu erreichen.

Neue Sponsoren und größere Heimspiele

Die Finanzierung soll auf mehreren Säulen stehen. Neben bestehenden Partnern wollen die Saints weitere Firmen aus der Region gewinnen. Erste Gespräche laufen bereits, das Interesse sei da. "Man merkt ja auch, dass American Football in Deutschland immer mehr Popularität gewinnt", berichtet Heck. Entscheidend sei dabei weniger die reine Anzahl neuer Sponsoren als vielmehr deren finanzielles Engagement. Der Verein kann sich unterschiedliche Modelle vorstellen. In den vergangenen beiden Jahren wurde beispielsweise ein Stadionspieltag exklusiv an einen regionalen Partner vergeben. Künftig könnten mehrere Unternehmen diese Möglichkeit nutzen. Die Verantwortlichen zeigen sich zuversichtlich, dass sich die notwendigen Mittel aufbringen lassen. Leicht wird das allerdings nicht.

Das gesamte Budget soll nicht nur durch Sponsoring gedeckt werden. Einen Teil wollen die Saints selbst erwirtschaften. Gerade die geplanten Heimspiele im Stadion bieten dafür Chancen. "Mehr Zuschauer bedeuten höhere Ticketeinnahmen, zusätzliche Möglichkeiten beim Verkauf von Fanartikeln und eine größere Werbefläche für Partner." Die Saints möchten die Spieltage deshalb stärker als Veranstaltung für die ganze Familie etablieren. "Im Stadion haben wir natürlich auch ganz andere Möglichkeiten." Dass sich damit langfristig neue Anhänger gewinnen lassen, davon sind beide überzeugt: "Bei uns im Football ist es so: Leute, die einmal zum Spiel kommen, die lässt das nicht mehr los. Die kommen wieder."

Mehr Verantwortung auf mehreren Schultern

Mit dem Aufstieg verändert sich auch die Arbeit abseits des Spielfelds. Bislang wurde vieles von einem vergleichsweise kleinen Kreis an Verantwortlichen organisiert. In der GFL2 wird das kaum noch ausreichen. Rund 125 Menschen gehören nach Angaben der Saints zur Football-Abteilung, darunter etwa 50 Spieler der Herrenmannschaft sowie Jugendspieler, Trainer und Helfer. "Wir brauchen deutlich mehr ehrenamtliche Helfer, mehr Expertise und müssen uns überall professioneller aufstellen", betont Heck gegenüber O|N.

Auch an der Spitze der Abteilung hat sich etwas verändert. Nach dem Rückzug des bisherigen Abteilungsleiters Frank Schreiner liegt die Verantwortung nun bei einem Trio aus Nils Möller, Jonas Heck und Max Rausch. Schreiner hatte sich angesichts des gestiegenen Organisationsaufwands entschieden, die Leitung abzugeben. Unterstützung erhält das neue Führungsteam weiterhin von der SG Johannesberg als Stammverein. Für Möller steht fest, dass es nicht darum gehen kann, lediglich eine Saison in der zweiten Bundesliga zu absolvieren. Vielmehr soll der Aufstieg genutzt werden, um den Verein dauerhaft besser aufzustellen. "Das Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, um nachhaltigen und nicht nur kurzfristigen Erfolg zu haben".

Die Region als Rückhalt

Ob dieses Vorhaben gelingt, hängt auch davon ab, wie die Menschen in Fulda und Umgebung die Saints annehmen. Diese wollen den Football stärker in der Stadt verankern und eine Identifikation schaffen, die über den sportlichen Erfolg hinausgeht. "Unsere Mission ist, dass sich die Leute aus Fulda mit uns identifizieren und dass wir für die Region stehen", sagt Heck. Die Voraussetzungen dafür sehen die Verantwortlichen durchaus gegeben. Der Aufstieg hat Aufmerksamkeit geschaffen, die Heimspiele sollen künftig ein größeres Publikum ansprechen und das Interesse potenzieller Sponsoren ist vorhanden. Dennoch bleibt die Finanzierung die entscheidende Hürde. Denn ohne ausreichende Mittel wird es schwierig, nicht nur die organisatorischen Vorgaben zu erfüllen, sondern auch sportlich in der neuen Liga zu bestehen.

Übrigens: Am Samstag, den 24. Oktober 2026, feiern sie ihre erfolgreiche Saison mit einer großen Meisterschaftsfeier auf dem Universitätsplatz in Fulda. Von 17 bis 21 Uhr erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie - vorbeikommen und gemeinsam mit der Mannschaft feiern. Auch Landrat Bernd Woide - Schirmherr der Veranstaltung - wird erwartet.

Heck bringt die Situation auf den Punkt: "Wenn wir das Geld finden, garantiere ich, dass wir spielerisch mithalten können. Wenn wir das Geld nicht finden, wird es sehr schwer." Für die Saints werden die kommenden Monate damit zur Bewährungsprobe. Auf dem Spielfeld haben sie sich den Aufstieg verdient. Jetzt müssen sie auch abseits davon die Voraussetzungen schaffen, um in der neuen Liga bestehen zu können. Im zweiten Teil unseres OSTHESSEN|NEWS-Sportgesprächs geht es dann um den sportlichen Weg in der GFL2. (Mathias Schmidt) +++

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