"Alles ist möglich"

Mit gerade einmal 14 Jahren nach Paris: Karl Kasper (18) im Sportgespräch

Karl Kasper spielt Rugby für die Jugendmannschaft von Stade Francais Paris und für die deutsche Jugendnationalmannschaft.
Fotos: Privat

09.01.2026 / FULDA/PARIS - Rugby ist für Karl Kasper mehr als ein Sport. Es ist Antrieb, Lebensinhalt und ein Ziel, dem er fast alles unterordnet. Der 18-Jährige aus Steinbach (Landkreis Fulda) hat früh gespürt, dass sein Weg kein gewöhnlicher sein wird. Während Gleichaltrige noch in der Jugend spielen, den Ernst des Lebens noch lange nicht begriffen haben, lebt Kasper längst in Paris, besucht dort eine französische Sportschule, macht sein Abitur auf Französisch - und steht für Stade Francais Paris auf dem Platz. Einer der besten Vereine Frankreichs. Sein Traum: der Sprung in den Profibereich.



Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch spricht Karl Kasper offen über seinen mutigen Schritt ins Ausland, die Herausforderungen fernab der Heimat und den Alltag im französischen Rugby. Er erzählt von Erfolgen, Rückschlägen und davon, warum Familie und Glaube für ihn eine zentrale Rolle spielen. Aber lesen Sie selbst!

Rugby liegt in der Familie

Zum Rugby kam Karl Kasper schon früh. Mit gerade einmal neun Jahren begann er in Frankfurt - inspiriert durch seine Familie. Seine Mutter stammt ursprünglich aus Südafrika, wo Rugby Nationalsport ist. Auch sein Großvater und sein Onkel standen auf dem Feld. "Rugby war bei uns immer präsent. In Südafrika ist das wie hier Fußball - man wächst damit einfach auf", erzählt der in Steinbach aufgewachsene Kasper.

Der Funke sprang sofort über. "Mir hat dieser Sport direkt alles gegeben, ich war sofort fasziniert. Ich habe relativ schnell gemerkt, dass das genau mein Ding ist." Früh setzte er sich ein klares Ziel: Profi werden. In Deutschland feierte er erste Erfolge, wurde mit seinem Team Deutscher Meister in der U12. Doch ebenso schnell wurde ihm bewusst, dass der sportliche Weg hier begrenzt ist. "Wer im Rugby den Sprung an die Spitze schaffen will, kommt an einem Schritt ins Ausland kaum vorbei - in Ländern wie Frankreich ist das sportliche Niveau deutlich höher", erklärt der 18-Jährige.

Der große Schritt mit 14 Jahren

Der Weg nach Frankreich begann überraschend früh. Bei einem Turnier wurde Karl Kasper bereits im Alter von zwölf Jahren von Verantwortlichen des Stade Français Paris beobachtet. Damals war er noch zu jung. Zwei Jahre später meldete er sich erneut - und wagte den Schritt. Gemeinsam mit seiner Mutter zog er mit 14 Jahren nach Paris.

"Das war natürlich eine riesige Umstellung. Neues Land, neue Sprache, neue Schule - und auf einmal ist man ganz allein, ohne Freunde", gesteht Kasper offen. Besonders das erste Jahr sei schwierig gewesen. "Man hat am Anfang keine Freunde, versteht nicht alles und fragt sich schon manchmal, ob das die richtige Entscheidung war." Doch Aufgeben kam für ihn nie infrage. "Ich wusste, warum ich hier bin."

Hohes Niveau, enorme Konkurrenz

Heute spielt Karl Kasper im U21-Bereich von Stade Français, einem Klub aus der französischen Top-14-Liga - einer der stärksten Rugby-Ligen weltweit. Das Nachwuchsteam gilt als letzte Stufe vor dem Profibereich. Rund 55 bis 60 Spieler kämpfen um Einsatzzeiten, viele davon älter, erfahrener und körperlich weiter.

"Die Konkurrenz ist brutal, da muss man ehrlich sein", weiß Kasper. "Auf meiner Position spielen Jungs, die vier Jahre älter sind als ich. Jeder Trainingstag ist ein Kampf." Trainiert wird hochprofessionell: Krafttraining am Morgen, Videoanalysen, Einheiten auf dem Platz, individuelles Skilltraining und gezielte Regeneration. "Hier wird an allem gearbeitet - Physis, Technik, Spielintelligenz. Man wird komplett gefordert."

Erste internationale Ausrufezeichen

Sportlich konnte Karl Kasper bereits wichtige Erfahrungen sammeln. In Frankreich erreichte er mit seinem Team das Top vier der nationalen Meisterschaft. Besonders prägend waren jedoch die Einsätze für die deutsche U18-Nationalmannschaft. Bei der Europameisterschaft in Prag sorgte vor allem der Sieg gegen Portugal für Gänsehaut.

"Portugal ist eine richtig starke Rugby-Nation. Die spielen auf höchstem Niveau - und wir haben sie geschlagen. Dieses Gefühl vergisst man nicht", erinnert sich der 18-jährige Rugby-Spieler. Auch wenn Deutschland früh ausschied, sei dieses Spiel ein persönliches Highlight gewesen. Zudem sammelte er erste Erfahrungen im Herrenbereich bei dem sogenannten "Supersevens" Turnier. "Da spielst du plötzlich gegen erwachsene Männer, ehemalige Profis, vor vielen Zuschauern. Das ist körperlich und mental nochmal eine ganz andere Welt."

Ein Alltag voller Struktur

Trotz des intensiven sportlichen Programms steht für Karl Kasper auch die Schule im Fokus. Er absolviert sein Abitur auf einer französischen Schule. Sein Alltag ist genau geplant: Frühtraining, Unterricht, Nachmittagseinheiten, Regeneration im Eisbad oder Whirlpool, Nachhilfe und Erholung.

"Ohne Struktur funktioniert das hier nicht", erklärt Kasper gegenüber O|N. "Man muss lernen, seinen Körper zu verstehen und auf sich zu achten." Er lebt etwas außerhalb des Campus in Paris, um näher an der Schule zu sein. Dank Metro sei alles gut erreichbar - typisch Großstadt.

Glaube, Rituale und innere Ruhe

Vor Spielen folgt Kasper festen Ritualen. Die Tasche wird bereits am Vortag gepackt, es gibt Haferflocken zum Frühstück, eine kalte Dusche und ein Gebet. Auf seine Handgelenke schreibt er Bibelverse sowie Begriffe wie "Family" und "100 % Jesus".

"Das gibt mir Ruhe und Fokus", erklärt der gläubige Spieler. "Gerade in Drucksituationen hilft mir der Glaube enorm - nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag." Diese innere Stabilität sei ein wichtiger Baustein seiner Entwicklung.

Heimat bleibt Heimat

Mehrmals im Jahr kehrt Karl Kasper nach Osthessen zurück - zu seinem Vater nach Steinbach, zur Familie, zur Oma. Heimweh habe er selten, sagt er. Doch in intensiven Phasen spüre er, wie wichtig diese Rückzugsorte sind. "Paris ist laut, hektisch und riesig. Hier auf dem Dorf ist alles ruhiger - das tut gut."

Trotz fließendem Französisch und vieler Jahre im Ausland fühlt er sich klar als Deutscher. "Ich bin stolz, für Deutschland zu spielen." Der Kontakt zur A-Nationalmannschaft besteht bereits, schon bald könnte der 18-Jährige bei den großen Jungs mittrainieren.

"Alles ist möglich"

Was er jungen Sportlern mitgeben möchte? Karl Kasper antwortet ohne Zögern: "Man darf nie aufhören, an sich zu glauben. Egal, wo man herkommt oder wie groß die Hürden sind. Wenn man hart arbeitet und dranbleibt, ist alles möglich". Ob der 18-Jährige den Sprung in den Profibereich schafft, wird die Zukunft zeigen. Klar ist jedoch: Sein Weg ist mutig, konsequent - und längst noch nicht zu Ende. (Nicolas Kraus)+++

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