Daniyel Cimen im Sportgespräch

"Lust auf mehr.": SG Barockstadt Fulda geht gefestigt in die letzten Wochen

Daniyel Cimen, SGB-Trainer, zu Gast in der O|N-Zentrale mit Nicolas Kraus (rechts) und Chefreporter Hans-Hubertus Braune (links)
Fotos: Maurice Schumacher

13.04.2026 / FULDA - Die Saison der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz biegt auf die Zielgerade ein - und Trainer Daniyel Cimen geht mit einem klar positiven Gefühl in die entscheidenden Wochen. Die Mannschaft sei "gut drauf", sagt er, und vor allem eines zeichne sie aktuell aus: ihre Geschlossenheit. Ausfälle - egal ob durch Verletzungen, Krankheiten oder Sperren - würden derzeit gut kompensiert. "Das spricht dafür, dass alle ihre eigene Situation hinten anstellen und den Erfolg der Mannschaft in den Vordergrund stellen." Genau darin sieht Cimen einen entscheidenden Faktor, um in einer engen Liga bestehen zu können. Trotz aller Bedeutung der anstehenden Spiele bleibt der Ansatz bewusst schlicht: Fokus auf das Nächste. "Es hört sich manchmal platt an, aber wir konzentrieren uns wirklich nur auf das nächste Spiel."



Dabei war der Saisonverlauf keineswegs geradlinig. Gerade in der Hinrunde ließ die Mannschaft zu oft Punkte liegen, obwohl die Leistungen stimmten. "Wir hatten einfach zu viele Unentschieden", ordnet Cimen ein. Spiele, die man hätte gewinnen können, blieben ohne den entscheidenden Punch. Inzwischen habe sich das verändert - "jetzt stimmen Leistung und Ergebnisse". Dennoch verliert der Trainer nicht die Bodenhaftung. Die SG Barockstadt bewege sich wirtschaftlich im Mittelfeld der Liga - mit entsprechenden sportlichen Realitäten. "Wir sind weder ganz vorne noch ganz hinten einzuordnen." Durch die Konstellation mit mehreren Abstiegsplätzen gerät jedoch schnell die halbe Liga in den Abstiegskampf.

Individuelle Entwicklung als wichtigen Bestandteil

Umso wichtiger ist für Cimen die Entwicklung. Sein Ansatz ist klar formuliert: "Wo können wir uns als Mannschaft verbessern? Und wo können wir einzelne Spieler besser machen?" Dahinter steckt eine Überzeugung: Wenn sich die Spieler individuell weiterentwickeln, wächst automatisch auch die Mannschaft - und damit die Erfolgschancen. Dabei arbeitet Fulda an einer Balance, die sich über Jahre entwickelt hat. Die Defensive war lange das Fundament, nun soll Schritt für Schritt mehr Qualität im Spiel mit Ball hinzukommen, ohne die Stabilität zu verlieren.

Ein zentrales Thema bleibt dabei der Kopf. Gerade in Phasen mit vielen Unentschieden hat vielleicht "dieser eine dreckige Sieg" gefehlt, um Blockaden zu lösen. "Der Kopf spielt im Fußball eine unglaublich wesentliche Rolle", sagt Cimen. Gleichzeitig hebt er die Mentalität seines Teams hervor. Rückstände hätten die Mannschaft selten aus der Bahn geworfen - im Gegenteil: Oft sei man zurückgekommen und habe sich noch einen oder mehrere Punkte geholt. "Das zeigt, wie die Mannschaft mit Rückständen umgeht." Trotzdem gilt intern ein klarer Anspruch: Auch Siege werden kritisch aufgearbeitet. "Wir sagen nicht: Alles war gut, nur weil wir gewonnen haben." Fehler werden klar angesprochen - unabhängig vom Ergebnis.

Veränderungen im Kader und Aufblühen der Neuzugänge

Veränderungen im Kader mussten ebenfalls aufgefangen werden, etwa der Abgang von Identifikationsfigur Patrick Schaaf. "So einen Spieler kannst du nicht ersetzen", stellt Cimen klar. Stattdessen habe man Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Das hat Zeit gebraucht, funktioniert inzwischen aber gut und hat der Mannschaft sogar eine neue Struktur gegeben.

Auch auf individueller Ebene haben sich einige Spieler sichtbar weiterentwickelt. Angesprochen auf Mittelfeldmotor Hans Nunoo Sarpei und seinen Werdegang betonte der Coach, dass vor allem seine Einstellung ausschlaggebend gewesen sei. Entscheidend sei gewesen, wie er die Situation angenommen habe - dass er aktuell ein paar Ligen unter dem Niveau spielt, auf dem er bereits aktiv war oder weiterhin spielen könnte. "Das ist oft wichtiger als alles andere." Gleichzeitig blickt der Trainer bewusst auf den eigenen Nachwuchs. Junge Spieler würden Schritt für Schritt herangeführt - ohne Druck. "Der erste Vertrag ist nur ein Türöffner", sagt er und betont die Verantwortung, Talente nicht zu früh zu verheizen.

Hessenpokalsieg greifbar!

Neben dem Ligaalltag liegt in diesem Jahr auch ein großer Blick auf dem Hessenpokal, bei welchem man in diesem Jahr zum ersten Mal das Finale erreichen konnte. Nach einem Krimi im Halbfinale auswärts bei den Offenbacher Kickers, den man im Elfmeterschießen für sich entscheiden konnte, steht man im Endspiel. Dort wartet Drittligist Wehen Wiesbaden. Damit könnte man dieser Saison einen unvergesslichen Titel bescheren und ein DFB-Pokalspiel in Fulda im nächsten Jahr.

In einem zweiten Teil des Gesprächs geht es noch etwas persönlicher um den Menschen Daniyel Cimen. Dieser erscheint im Laufe der nächsten Woche auf O|N. Am Ende bringt Cimen den bisherigen Saisonverlauf noch selbst kurz und knapp auf den Punkt - in drei Worten: "Lust auf mehr!" (Nicolas Kraus) +++

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