Saints-Head-Coach mit Herz und Biss

"Football war lange meine Lebensaufgabe" - Jonas Heck im O|N-Sportgespräch

Jonas Heck ist Saints-Head-Coach und kann sich ein Leben ohne Football nicht vorstellen.
Archivfoto: O|N/ Jonas Wenzel

19.03.2026 / FULDA - Wenn Jonas Heck über American Football spricht, dann leuchten seine Augen. Der 28-Jährige aus Schlüchtern-Wallroth (Main-Kinzig-Kreis) lebt den Sport und das seit mehr als einem Jahrzehnt. "Ich war schon früh ein ziemlich großer und kräftiger Kerl. Mit 1,95 Metern und 115 Kilogramm fiel ich körperlich schnell auf", erzählt er und lacht. Fußball spielte er damals, dazu betrieb er regelmäßig Kraftsport. Doch erst mit 17 fand er den Sport, der ihn wirklich packte: American Football. "Ich bin bei den Saints gelandet und quasi nie wieder weggekommen." Wir haben Jonas im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch getroffen!



Seine Karriere begann alles andere als einfach. Mit 18 verletzte er sich schwer am Knie. Doch statt aufzugeben, kämpfte er sich zurück und ging sogar noch einen Schritt weiter. Er zog nach Braunschweig, damals Heimat des besten Footballteams Europas. Dort fand er nicht nur sportlich seinen Platz, sondern auch beruflich: Er rutschte in die Trainerlaufbahn hinein, blieb vier Jahre und gewann deutsche wie europäische Meisterschaften. Hut ab!

"Als Trainer musst du bereit sein, viel Zeit zu investieren"

"Football funktioniert nur miteinander. Alle müssen sich aufeinander verlassen können, sonst kann es schmerzhaft werden", erklärt der 28-Jährige. "Der Teamzusammenhalt ist extrem ausgeprägt. Das macht den Sport so besonders." Drei Worte reichen ihm, um Football zu beschreiben: hart, Teamzusammenhalt, Spaß. Nach seiner Zeit in Braunschweig, wo er unter anderem mit Troy Tomlin zusammenarbeitete, führte ihn sein Weg weiter nach Potsdam. Dort traf Jonas auf weitere prägende Persönlichkeiten wie Randy Jackson und David Saul. Jeder dieser Trainer setzte auf seine Weise wichtige Impulse und formte ihn nachhaltig. "Als Trainer musst du bereit sein, viel Zeit zu investieren. Das ist eine Herzensangelegenheit", fasst Jonas gegenüber O|N zusammen.

Parallel machte er sich selbstständig, gründete eine eigene Marketingagentur, studierte Sport-BWL. Irgendwann kam die Erkenntnis: Vollzeit-Football ist ein Traum, aber kein Lebensmodell. Angebote aus Mailand, Breslau oder erneut Braunschweig lehnte der Coach schlussendlich ab. "Ich wollte bei meiner Familie und meinen Freunden bleiben. Heute bin ich froh, dass ich so entschieden habe."

Fulda Saints: "Mehr als nur ein Team"

Seit 2015 ist er Teil der Fulda Saints, die seit 2014 bei der SG Johannesberg inkludiert sind. Der Verein ist für ihn weit mehr als nur ein Team - es ist wie eine zweite Familie. "Viele sind seit Jahren dabei. Wir haben die Entwicklung gemeinsam erlebt. Da sind Freundschaften entstanden, die weit über den Sport hinausgehen." Die Saints seien etwas Besonderes, findet er. "Wir sind das einzige Team im Umkreis von 80 Kilometern. Uns ist wichtig, dass wir uns in die Stadt einfügen und Fulda repräsentieren." Rund 90 Prozent der Spieler stammen aus der Region. Die Wurzeln des Vereins reichen zurück bis 2007, als sich mehrere Teams zusammenschlossen - damals noch stark geprägt von US-Soldaten der Kaserne.

Heute ist Jonas einer der Köpfe hinter der sportlichen Entwicklung. "Wir sind auf einem guten Weg und schauen positiv auf die Saison." In weniger als zwei Monaten steht das erste Spiel an, Importspieler reisen an, neue Talente werden integriert. Das Ziel ist glasklar: "So hoch greifen wie es geht - Meisterschaft und Aufstieg in die zweite Bundesliga." Als Trainer beschreibt er sich selbst als eine Mischung aus streng und locker: "Ich bin ein Playerscoach. Ich mache Witze, bin aber auch diszipliniert. Die Mischung macht’s." Der 28-Jährige hofft, dass seine Spieler etwas fürs Leben mitnehmen - nämlich Stärke, Durchhaltevermögen und Charakter.

Jonas alias "JJ"

Seine Football-Idole? Früher ganz klar J.J. Watt - sogar so sehr, dass Jonas selbst den Spitznamen "JJ" verpasst bekam. Kein Wunder: Watt strahlte damals sogar als Hintergrundbild auf seinem Handy. Heute schaut er vor allem zu Quarterback Joe Burrow auf. In der NFL schlägt sein Herz für die Denver Broncos, auch wenn er die Kansas City Chiefs als das stärkste Team der letzten Jahre sieht.

Was ihm persönlich am meisten bedeutet? Nicht die großen Titel - vielmehr sind es die kleinen Momente. "Trainings, die Stadionspiele, wenn gefühlt die ganze Stadt kommt. Die alltäglichen Dinge, die man als Kollektiv erlebt." Football war lange seine Lebensaufgabe. Heute ist es seine Leidenschaft und ein Teil seiner Identität. "Ich bin froh, dass alles so gelaufen ist", sagt er. "Und ich freue mich auf das, was noch kommt." (Julia Schuchardt)+++

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