Sebastian Müller (43) im Sportgespräch

Spaß für Kinder aus Ghana: "Sobald man sieht wie sie sich freuen, lohnt es sich"

Sebastian Müller unterstützt zusammen mit der Stiftung "Football in your Life" blinde Kinder in Ghana.
Fotos: "Football in your Life"/ Miriam Ott Miomedien

15.02.2026 / FULDA - Sebastian Müller, Sportfanatiker und ehemaliger Handballspieler, hat eine ungewöhnliche Leidenschaft für sich entdeckt: Goalball, der Sport für Menschen mit Sehbehinderung - das Äquivalent zu Handball, nur für Blinde. Was zunächst als persönliche Faszination am Spielfeldrand begann, entwickelt sich für Müller zunehmend zu einem Herzensprojekt - und das weit über die deutschen Grenzen hinaus, bis nach Ghana.

Als Mitglied des Trainerteams der deutschen Goalball-Nationalmannschaft hat er schon so einiges gesehen. Als Teil der Stiftung "Football in your Life" engagiert sich Müller regelmäßig im Ausland. Im Mittelpunkt seines Lebens steht der Sport. In persönlichen Einblicken erzählt er von seiner Reise nach Ghana, seinem Trainerposten bei der Nationalmannschaft und seinem Alltag als Sportfan und Mentor. Aber lesen Sie selbst!

Sport als Anker im Leben & der Weg zum Goalball

Sport war für Sebastian Müller nie nur ein Ausgleich zum Leben, ere war das Leben. Aufgewachsen mit dem Ball in der Hand geprägt durch Handball, aber unter anderem auch Tennis, lernte er früh, was Teamgeist, Disziplin und Verantwortung bedeuten. Auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere blieb der Sport der Fixpunkt in seinem Leben. "Ohne Sport würde mir etwas fehlen. Er hat mich geformt", erklärt Müller. Dass ihn dieser Weg jemals nach Afrika führen würde, hätte er selbst vermutlich nie gedacht.

Der erste Kontakt mit Goalball kam eher zufällig, doch die Wirkung war sofort zu spüren. Sebastian wurde schnell klar, dass ihn diese Sportart nicht mehr loslassen würde. "Goalball ist brutal ehrlich. Du kannst dich nicht auf das verlassen, was du siehst - du musst hören, fühlen und vertaruen." Genau diese Mischung faszinierte den 43-Jährigen. Für den Ex-Handballer fühllte sich Goalball vertraut an und war doch vollkommen neu.

Sein Engagement für diese Nischensportart wuchs - ebenso wie die Verantwortung. Sein damaliger Cheftrainer Stefan Weil legte sein Amt in Marburg nieder. Alleine gewann Sebastian mit Marburg dort die deutsche Meisterschaft. Stefan Weil der in dieser Zeit dann die Nationalmannschaft übernahm, brachte Sebastian Müller ins Spiel, konnte sich für diesen Job gegen andere Kandidaten durchsetzen.

Die Arbeit auf diesem Niveau beschreibt er als fordernd, aber erfüllend. "Die Athleten geben alles. Das ist Hochleistungssport, nur eben unter anderen Voraussetzungen. "Du arbeitest mit Menschen, die sich zu einhundert Prozent aufeinander verlassen müssen. Das schweißt zusammen." Für die Goalball-Nationalmannschaft steht immerhin in diesem Jahr noch eine WM an. Und in 2028 die Paralympischen Spiele in Los Angeles. Dort als Teil des Trainerteams hinzufliegen - so würde für Sebastian Müller ein Traum in Erfüllung gehen.

Hilfe in Ghana: "Das ist für die Kinder riesig."

Parallel zur Arbeit mit der Nationalmannschaft reifte bei Müller der Wunsch, Goalball auch dort zu fördern, wo Sport, erst recht Blindensport nicht selbstverständlich ist. Über seinen guten Bekannten Birger Naß, den Gründer der Stiftung "Football in your Life" kam er dann nach Ghana. Die Stiftung rund um Birger Naß war die ersten zwei Jahre bereits in Ghana.

Und aufgrund seines Berufes als Lehrer und Goalballtrainer passte es, dass er im dritten Jahr ebenfalls mitfliegt und das Projekt unterstützt. Sie besuchten Blindenschulen, lernten Kinder kennen, für die Bewegung und Sport bislang nur eine kleine Rolle gespielt haben. "Viele von ihnen hatten noch nie einen Ball in der Hand", erzählt der Goalball-Trainer. "Und dann siehst du, wie schnell sie lernen, wie sie darin aufgehen. Das vergisst man so schnell nicht."

In Ghana geht es für Müller nicht um Leistung im klassischen Sinn, sondern um Chancen. Gemeinsam mit seinem Team bringt er Ausrüstung mit, erklärt Lehrkräften die Grundlagen des Spiels und steht mit den Kindern auf dem Feld. Oft beginnt alles bei den Basics: Orientierung im Raum, erste Würfe, das Gefühl für den Ball. "Wenn ein Kind zum ersten Mal ein Tor wirft und jubelt, dann weißt du, warum du hier bist", sagt er.

Die Eindrücke aus Afrika haben Müllers Blick auf den Sport verändert. Er spricht von Armut, von schwierigen Lebensbedingungen, aber auch von Lebensfreude, Motivation und enormem Potenzial. "Du merkst schnell, dass es nicht viel braucht, um etwas zu bewegen", erinnert der 43-Jährige sich. Sein langfristiges Ziel ist klar formuliert: nachhaltige Strukturen aufbauen, Lehrer ausbilden, Kindern Perspektiven eröffnen - und vielleicht eines Tages eine ghanaische Goalball-Mannschaft auf internationalem Niveau sehen.

Für Sebastian Müller ist Goalball längst mehr als ein Sport. Es ist eine Aufgabe geworden, die Sinn stiftet. "Ich habe viel durch den Sport bekommen", sagt Sebastian Müller. "Jetzt versuche ich, etwas zurückzugeben." Und genau darin liegt die Kraft seiner Geschichte - in der Überzeugung, dass Sport Grenzen überwinden kann, selbst dort, wo sie auf den ersten Blick unüberwindbar scheinen. In 2026 ist auch eine Reise nach Ghana geplant. Spenden für die Stiftung kann man online unter: https://www.football-in-your-life.com/(Nicolas Kraus)+++

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