OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch (56)

Dennis Müller: "Es ist schwierig, von jetzt auf gleich gar nicht mehr zu spielen"

Dennis Müller war zu Gast in der O|N-Redaktion
Fotos: Yannick Overberg

25.05.2023 / FULDA - Mit ihm verlässt im Sommer ein echtes Urgestein die SG Barockstadt. Dennis Müller spielte seit 2014 erst für Borussia Fulda und nach der Fusion mit dem TSV Lehnerz für die SGB. Nun endet nach neun Jahren seine Zeit in der Johannisau. Er wechselt im Sommer zum Hünfelder SV. Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch blickt der 32-Jährige zurück, erzählt, wie er mit seiner Rolle als Reservist in dieser Saison umgegangen ist und welches Spiel er nie vergessen wird. 


Im Osthessen|News-Sportgespräch lassen wir immer Menschen aus verschiedenen Sportarten der Region zu Wort kommen. Wir erzählen die Geschichte hinter der Geschichte. Heute folgt Teil 56 der Serie. 

O|N: Dennis, am vergangenen Wochenende kamst du bei der Niederlage in Ulm vor mehr als 10.000 Zuschauern zu deinem ersten Regionalligaeinsatz. Ein versöhnlicher Abschluss nach einer schwierigen Saison für dich? 

Dennis Müller: Vor so einer Kulisse spielt man nicht alle Tage, von daher nimmt man das natürlich gerne mit. Es war schon noch mal ein Highlightspiel und hat trotz der Niederlage viel Spaß gemacht. Aber klar ist auch, dass, wenn man viermal die Woche trainiert, auch häufiger spielen will.  

O|N: In der Meistersaison vergangenes Jahr warst du noch Leistungsträger, in dieser Saison dann völlig außen vor. Wie bist du mit dieser Situation umgegangen? 

Müller: Es ist schon schwierig, von jetzt auf gleich gar nicht mehr zu spielen, daraus muss man keinen Hehl machen. Dementsprechend war es zunächst auch schwierig für mich, damit umzugehen. Ich war trotzdem immer im Training, habe mich nicht hängen lassen. Natürlich will man immer spielen, aber ich habe mich damit abgefunden. 

O|N: Frühere Verdienste scheinen auf diesem Niveau nicht mehr zu zählen? 

Müller: Je höher man spielt, umso härter wird das Geschäft, das ist ganz klar. Wir haben einen guten und großen Kader. Ich bin auch niemand, der deswegen Unruhe reinbringt. Am Ende entscheidet immer der Trainer. 

O|N:  Für dich endet in wenigen Tagen nach neun Jahren deine Zeit bei der SGB. Wie schwer fällt dir der Abschied? 

Müller: Das wird schon weh tun. Ich habe ja schon in der Jugend für Borussia gespielt. Wenn man fast jeden Tag ins Training fährt, die Jungs sieht, mit denen es immer sehr viel Spaß gemacht hat, hinterlässt das schon ein weinendes Auge. Ich hatte eine tolle emotionale Zeit, das wird mir schon fehlen.

O|N. Wie blickst du denn auf diese neun Jahre zurück? 

Müller: Es gab viele Höhen und Tiefen. Klar war auch immer ein gewisser Druck dabei, aber daran gewöhnt man sich. Grundsätzlich hat es aber immer Spaß gemacht, erst bei Borussia und dann später auch bei der Barockstadt. Das war mir immer am wichtigsten. Das Ganze wurde dann natürlich mit dem Aufstieg in die Regionalliga gekrönt. 

O|N: War der Aufstieg der schönste Moment in deinen neun Jahren? 

Müller: Natürlich war der Aufstieg, wo uns die meisten schon abgeschrieben hatten und wo auch wir gar nicht mehr richtig dran geglaubt haben, ein sehr, sehr schönes Erlebnis. Wir haben uns in diesem Moment für die ganze Arbeit, die wir die letzten Jahre investiert hatten, belohnt. Aber auch mein erstes Derby gegen Lehnerz (1:0) war ein absolutes Highlight. Das Spiel hat damals die ganze Region elektrisiert. Und vor 5.000 Menschen spielt man auch nicht jedes Wochenende. 

O|N: Welche Bilder kommen dir in den Sinn, wenn du an diese Partie zurückdenkst? 

Müller: Natürlich als erstes das Freistoßtor von Marius Müller (lacht). Und dann die Kulisse, das war einfach sensationell. Auf dem Platz gab es gegen Lehnerz immer Feuer, aber danach hat man sich dann gefühlt alle in der Stadt getroffen. Man hat sich gekannt und geschätzt. Das waren schon immer schöne Spiele. 

O|N: Du als Ur-Borusse hast dann auch den Zusammenschluss mit Lehnerz mitgemacht. Wie hast du diese Entscheidung damals aufgenommen? 

Müller: Man hat es ja immer schon ein bisschen munkeln hören, dass das passieren könnte. Als jemand, der schon in der Jugend für Borussia gespielt hat, hätte man natürlich am liebsten versucht, mit diesem Verein in die Regionalliga zu kommen. Nichtsdestotrotz war der Schritt, die Kräfte zu bündeln, die absolut richtige Entscheidung. Der Aufstieg hat das auch noch mal bestätigt. 

O|N: Wie wirst du die Barockstadt in Zukunft weiterverfolgen? 

Müller: Das wird ein bisschen schwieriger. Aber ich habe schon den Jungs gesagt, dass, wenn es die Zeit zulässt, ich von oben im VIP-Bereich ein bisschen pöbeln werde (lacht). Spaß beiseite: Wenn es zeitlich passt, werde ich mir auf jeden Fall die Spiele anschauen.

O|N: Für dich geht es im Sommer zum Hünfelder SV, wo du ja bereits vor deiner Zeit bei Borussia Fulda gespielt hast. War eine Rückkehr für dich der logische Schritt oder hast du dich auch mit Alternativen beschäftigt? 

Müller: Ich habe auch Gespräche mit anderen Vereinen geführt. Letztlich kamen für mich im Endeffekt nur Eichenzell - mein Heimatverein - und Hünfeld infrage. Ich habe mich dann für das Gesamtpaket Hünfeld entschieden, auch im Hinblick, noch einmal Hessenliga spielen zu können. 

O|N: Haben auch die alten Bekanntschaften in Hünfeld eine Rolle bei deinem Wechsel gespielt? 

Müller: Ganz klar. Mit Trainer Johannes Helmke habe ich noch zusammengespielt. Steffen Witzel, Benedikt Kaiser, Benni Fuß - mit allen habe ich ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis. Insbesondere Benni Fuß hat immer wieder bei mir angerufen, um mir einen Wechsel schmackhaft zu machen.

O|N: Was glaubst du, ist mit dem HSV in der Hessenliga drin? 

Müller: Wir haben eine junge, gute Truppe. Der Sprung von der Verbandsliga in die Hessenliga ist aus meiner Sicht noch mal ein größerer als beispielsweise von der Gruppenliga in die Verbandsliga. Von daher müssen wir gucken, dass wir schnell in der Liga ankommen und gut starten. Viele Jungs haben noch keine Hessenliga gespielt, sie sind hungrig und wollen sich beweisen. Ich glaube, das kann ein positiver Faktor sein. Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Rolle spielen können.

O|N: Am Samstag steht aber erst einmal dein letztes Spiel im SGB-Trikot an. Hast du schon Signale erhalten, ob du vor heimischem Publikum noch einmal spielen darfst? 

Müller: So wie ich es verstanden habe, sind die Chancen ganz gut, aber da warten wir mal ab. Ich will mich auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. 

O|N: Und im Anschluss gehts mit der Mannschaft nach Mallorca? 

Müller: Da bin ich dieses Jahr nicht dabei. Ich war letztes Jahr nach der Meisterschaft dabei und musste mich danach erstmal eine Woche erholen. In meinem Alter steckt man das nicht mehr so einfach weg (lacht).

Dennis Müller, vielen Dank für das Gespräch. (fh)+++

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