Linksaußen mit Leidenschaft

"Handball ist mein Leben" - Jannis Deppe (27) im Sportgespräch

Jannis Deppe, Handballer bei Großenlüder, zu Gast im O|N Sportgespräch.
Fotos: Laura Struppe

27.12.2025 / FULDA - Handball begleitet Jannis Deppe schon sein ganzes Leben. Mit fünf Jahren stand der heute 27-Jährige erstmals in der Halle, inzwischen ist der Linksaußen aus Alsfeld (Vogelsbergkreis) aus dem Spielbetrieb kaum noch wegzudenken. Aufgewachsen in einer echten Handballerfamilie, führte sein Weg über verschiedene Jugendstationen schließlich nach Großenlüder (Landkreis Fulda), wo er seit mehreren Jahren zu den festen Größen im Team zählt. Zwischen intensiven Trainingseinheiten, Spieltagen und dem Studium in Gießen bleibt für den Sport dennoch immer genügend Raum - denn Handball ist für Deppe weit mehr als nur ein Ausgleich zum Alltag.



Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch spricht der Sportwissenschaftsstudent über seine sportliche Laufbahn, besondere Momente auf dem Feld und die Herausforderungen zwischen Hörsaal und Handballhalle. Er erzählt von Niederlagen, die schmerzten, von Zielen, die ihn antreiben, und davon, warum für ihn stets der Mannschaftserfolg im Mittelpunkt steht. Außerdem erklärt Deppe, was den Reiz des Handballs ausmacht - und weshalb ihn dieser schnelle, faire Sport bis heute nicht loslässt.

Ein Leben für den Handball

Für Jannis Deppe war Handball nie nur eine Phase. Schon als Kind wuchs er in den Sport hinein - seine Eltern spielten selbst, auch sein älterer Bruder stand auf dem Feld. "Man ist da einfach hineingerutscht", sagt der 27-Jährige rückblickend. Nebenbei kickte er noch Fußball, doch irgendwann war klar: Beides auf leistungsorientiertem Niveau funktioniert nicht dauerhaft. Die Entscheidung fiel zugunsten des Handballs aus - und die bereut Deppe bis heute nicht.

Seine ersten Schritte machte er in Alsfeld, später wechselte er in die Jugend nach Hersfeld. Über Umwege und ein weiteres Engagement führte ihn sein Weg schließlich nach Großenlüder, wo er seit mittlerweile fünf Jahren spielt. Eine besondere Rolle spielte dabei immer wieder sein Vater, der zeitweise auch als Trainer tätig war. "Natürlich prägt das - sportlich wie menschlich", sagt Deppe. Heute blickt er auf einen Weg zurück, der nicht immer gradlinig war, ihn aber genau dorthin geführt hat, wo er sich wohlfühlt.

Geradlinig, schnell, mannschaftsdienlich

Auf dem Feld ist Jannis Deppe Linksaußen - und genau so beschreibt er auch seinen Spielstil: schnörkellos, zielstrebig und im Dienst des Teams. "Ich bin keiner, der viele Trickwürfe macht oder sich in den Vordergrund spielt", erklärt er. Stattdessen setzt der 27-Jährige auf Tempo, Übersicht und Effizienz. Besonders im Gegenstoß kann er seine Schnelligkeit ausspielen - immer mit Blick auf das große Ganze.

Individuelle Auszeichnungen stehen für ihn nicht im Vordergrund. "Der Mannschaftserfolg ist das Wichtigste", betont der 27-Jährige. Auch deshalb versteht er sich nicht als Lautsprecher, sondern als jemand, der Impulse gibt, wenn es nötig ist. In Großenlüder ist er Teil einer gewachsenen Struktur - mit klaren Führungsspielern, aber auch mit Raum für eigene Verantwortung.

Ziele, Rückschläge und der Blick nach oben

Sportlich läuft es für Großenlüder derzeit ordentlich: Das Team mischt im oberen Tabellendrittel mit, die Top 3 sind das klare Ziel. Dennoch gibt es Spiele, die schmerzen. Niederlagen, die unerwartet kommen oder besonders wehtun. "Das gehört dazu", sagt der Handballer nüchtern. Gerade diese Erfahrungen seien es, die eine Mannschaft weiterbringen.

Der Blick geht nach oben - Richtung Regionalliga. Dort war Jannis Deppe bereits aktiv, kennt die höheren Anforderungen und auch die Umstellung, etwa durch das Spielen mit Harz. "Das Niveau ist körperlicher, schneller, alles läuft ein Stück präziser ab", erklärt er. Dennoch ist er überzeugt: Mit der richtigen Entwicklung kann man dort bestehen. Der Traum vom Aufstieg lebt - auch wenn klar ist, dass es in der Liga nur einen Platz ganz oben gibt.

Zwischen Studium und Spieltag

Neben dem Sport studiert Jannis Deppe klinische Sporttherapie und Sportphysiologie in Gießen. Die Thesis ist abgegeben, der Abschluss in greifbarer Nähe. "Die letzten Monate waren schon kräftezehrend", gibt er zu. Training, Spiele und Studium unter einen Hut zu bringen, sei nicht immer leicht - aber machbar. Gerade deshalb ist für ihn klar, wie wichtig ein zweites Standbein ist.

Seine Spielvorbereitung folgt festen Routinen. Zwei Stunden vor Anpfiff gibt es Rote-Bete-Saft, kurz vor dem Spiel Datteln statt Banane. Dazu ein strukturiertes Warm-up mit Theraband. "Es geht darum, den Körper und den Kopf auf das Spiel einzustellen", sagt der Alsfelder. Ob Topspiel oder vermeintlicher Außenseiter: Die Herangehensweise bleibt gleich.

Emotionen, volle Hallen und besondere Momente

Unvergessen bleibt für Jannis Deppe ein Derby gegen Hünfeld, bei dem Großenlüder den Aufstieg perfekt machte. "Da kam alles zusammen", erinnert er sich. Sportlicher Erfolg, volle Halle, besondere private Umstände - Momente, die bleiben. Auch wenn er während des Spiels vieles ausblenden kann, spürt er die Energie der Zuschauer. "Eine volle Halle gibt dir noch einmal extra Push", sagt er. Gerade in engen Partien könne das Publikum das Zünglein an der Waage sein.

Was ihn bis heute am Handball fasziniert? Die Schnelligkeit, die Fairness, das Körperliche - und die Tatsache, dass man sich 60 Minuten lang alles abverlangen kann und danach wieder gemeinsam am Tisch sitzt. "Man bekriegt sich auf dem Feld und danach ist alles gut", sagt Deppe schmunzelnd. Für ihn ist Handball genau das: intensiv, ehrlich und gemeinschaftlich.

Ob Jannis Deppe mit Großenlüder den nächsten Schritt nach oben schafft, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Mit Bodenständigkeit, Teamgeist und seiner Leidenschaft für den Sport wird der Linksaußen weiter seinen Weg gehen. Und genau dort fühlt er sich am wohlsten - zwischen Hörsaal und Halle. (Nicolas Kraus)+++

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