Mit Herzblut auf der Matte

Zwei Geschwister, eine Leidenschaft und ein Leben für den Judo-Sport

Ein Leben ohne Judo ist für Konstantin und Franziska Lomb einfach unvorstellbar.
Foto: Erich Gutberlet

04.01.2026 / FULDA - Leidenschaftlich, ambitioniert, ehrgeizig und mit Herz und Seele dabei: all diese Eigenschaften verkörpern Konstantin (20) und Franziska Lomb (17) vom 1. Fuldaer Judo Club. Seit über einem Jahrzehnt ist der Kampfsport weit mehr als nur ein Hobby für die beiden Geschwister: Es ist ein fester Bestandteil ihres Lebens, ein emotionaler Anker und quasi Teil ihrer eigenen Identität.


Auf der Judo-Matte haben die Zwei einen Ort gefunden, an dem sie sich wie zu Hause fühlen können. Zwischen Teamkameraden und Freunden ist im Laufe der Jahre eine zweite Familie entstanden - ein Leben ohne diesen ganz besonderen Zusammenhalt ist einfach unvorstellbar. Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch haben wir die gebürtigen Bronnzeller (Landkreis Fulda) getroffen. Was macht Judo für sie so einzigartig und unverzichtbar? Lesen Sie selbst!

"Harte Arbeit zahlt sich aus"

Seit mittlerweile elf Jahren stehen Konstantin und Franziska Lomb schon auf der Judo-Matte und haben in dieser Zeit so einiges erlebt. Sie sind nicht nur technisch besser geworden, sondern haben dazugelernt und sind als Menschen enorm gewachsen. Aus zwei talentierten Kindern wurden daher Persönlichkeiten, die mit Leidenschaft, Disziplin und ganz viel Herzblut zu echten Ausnahmetalenten der Region herangereift sind. "Harte Arbeit zahlt sich eben aus. Je mehr man investiert, desto mehr bekommt man auch zurück", betont der 20-Jährige.

Konstantin studiert an der Hochschule für Öffentliches Management und Sicherheit, trainiert zusätzlich zweimal täglich und ist mit seinem Team regelmäßig auf Turnieren und Wettkämpfen unterwegs. Auch bei seiner Schwester sieht der Alltag kaum anders aus: Franziska besucht aktuell das Fuldaer Domgymnasium und absolviert 2027 das Abitur. Trotz des schulischen Drucks trainiert sie fast genauso viel wie ihr Bruder und zeigt ihr Können sowohl auf nationaler als auf internationaler Ebene. Was sie am Judo am meisten schätzt: "Die Freundschaften reizen mich besonders. Man sieht sich ständig im Training sowie auf Turnieren."

"Judo ist eine Lebenseinstellung"

Judo ist ein Sport, bei dem man nicht schlägt oder tritt, sondern den Gegner mit Geschick, Technik und Köpfchen auf den Rücken bringt. Man lernt, wie man fällt, ohne sich weh zu tun und versucht, den Partner umzuwerfen oder festzuhalten. Dabei nutzt man die Kraft des anderen, nicht nur die eigene. Es geht immer fair zu - Respekt, Wertschätzung, Vertrauen und ein starkes Miteinander ist das Allerwichtigste. "Judo ist viel mehr als nur ein Sport, es ist eine Lebenseinstellung", verdeutlicht Trainer Mike Thiel vom 1. Fuldaer Judo Club im Interview. Dabei ist es aber auch technisch ganz schön anspruchsvoll: Kämpfe dauern vier Minuten, beginnen im Stand und können durch Würfe, Haltegriffe oder Würgetechniken vorzeitig entschieden werden. "Judo ist die einzige Kampfsportart, in der es nicht um K.O.-Siege geht", erklärt Thiel. "Kontrolle und Sicherheit stehen über allem."

Training bedeutet für Konstantin und Franziska facettenreiche Arbeit: etwa Technik, Ausdauer, technisches Denken, Reaktionsfähigkeit oder auch Krafttraining. Dazu kommen ein hohes Zeitpensum, weite Wege quer durch die Region und weit darüber hinaus. "Ohne die Unterstützung von Eltern, Trainern, Sponsoren und der Schule wäre das natürlich überhaupt nicht möglich", betonen die beiden dankbar.

Mit Herz, Disziplin und Leidenschaft an die Spitze

Beim Judo lernt man nicht nur richtig zu fallen - man lernt auch, Verantwortung zu übernehmen, sich auf unterschiedliche Körpergrößen und Kräfte einzulassen und immer respektvoll mit seinem Gegenüber umzugehen. Werte, die die Bronnzeller Geschwister schon längst verinnerlicht haben. Mit ihrer Grundhaltung und ihrem Engagement sind die beiden für viele junge Judoka echte Vorbilder. Und ihre sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: die 17-Jährige wurde etwa zur Hessenmeisterin (U21), Südwestdeutsche Meisterin und Goldmedaillengewinnerin beim internationalen Adler-Cup 2023 gekürt. Außerdem startete sie 2024 bei zwei Europa-Cups - in Poreč und in Berlin. Ihr Bruder Konstantin kämpft bereits in der 2. Bundesliga für Bad Homburg und erreichte mehrfach hessische sowie südwestdeutsche Podestplätze. 2023 startete er beim Europacup in Graz. Beide sind seit ihrem 14. Lebensjahr Teil des Hessischen Landeskanders. Ein Leben ohne Judo? Unvorstellbar. Und diese Einstellung merkt man den beiden immer wieder an.

Herausforderungen und Zukunftspläne

Natürlich haben wir auch nach dem aktuellen Stand der Dinge gefragt: Franziska arbeitet nach einem Kreuzbandriss an ihrem Comeback - schon bald will sie wieder ins regelmäßige Training einsteigen. Langfristig möchte sie nach dem Abitur Grundschullehramt studieren - und dem Judo natürlich weiterhin treu bleiben. Konstantin steht vor dem Wechsel aus der U21 in den Männerbereich und plant den Schritt in die 81-Kilo-Klasse. Er will international richtig durchstarten, sich unter den Top Ten etablieren und eine Medaille bei den Deutschen Meisterschaften holen.

Positiv gestimmt sind die beiden definitiv auf die Zukunft und wir werden sicherlich nicht das letzte Mal von ihnen hören. O|N behält sie im Blick und das sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, ganz sicher auch! (Julia Schuchardt)+++

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