"Wir sind im Flow"

Fynn Reinhard (26): Ein Hersfelder Junge und ein Leben für den Handball

Handball begleitet Fynn Reinhard schon sein ganzes Leben.
Foto: Niklas Mönke

18.01.2026 / FULDA - Er steht auf dem Feld, den Ball fest in der Hand. Schweiß rinnt ihm über die Stirn, doch sein Blick bleibt fokussiert – direkt auf das Tor vor ihm. Zwei Gegenspieler versuchen, ihn zu blockieren, doch mit einer blitzschnellen Drehung reißt er sich frei, holt aus und wirft mitten ins Netz. Das Publikum ist am Toben – ein Augenblick, den er wohl nie vergessen wird.



Handball begleitet Fynn Reinhard schon sein ganzes Leben. Mit gerade einmal vier Jahren stand der heute 26-Jährige zum ersten Mal in der Halle – inzwischen ist der gebürtige Bad Hersfelder aus dem Spielbetrieb kaum noch wegzudenken. Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch plaudert das Ausnahmetalent aus dem Nähkästchen, verrät, was diese Sportart für ihn so besonders macht, und ob er sich ein Leben ohne überhaupt noch vorstellen kann.

Handball bedeutet: "Kopf ausschalten und im Moment sein"

Diszipliniert, zielorientiert und leidenschaftlich: So kann man Fynn eigentlich ganz gut beschreiben. Er ist 26 Jahre alt, in Bad Hersfeld (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur zog es ihn zum Studium nach Kassel. Heute arbeitet er als Prokurist im Finanzbereich – ein verantwortungsvoller Job, der dennoch Raum für seine ganz große Leidenschaft lässt. Seit er vier Jahre alt ist, spielt Fynn Handball.

Der Weg in die Sporthalle war fast vorgezeichnet: Klassenkameraden nahmen ihn mit zum Training und auch in der Familie hat der Sport Tradition – sowohl sein Opa als auch seine Eltern standen damals selbst auf dem Handballfeld. "Für mich bedeutet der Sport vor allem eins: den Kopf ausschalten. Sobald ich den Ball in der Hand habe, bin ich voll im Moment und habe einfach Spaß. Dazu kommt das Gefühl, gemeinsam mit dem Team etwas bewegen zu können", bringt der 26-Jährige auf den Punkt.

Der Schritt in die dritte Liga: "Ich lernte taktisch enorm viel dazu"

Sein sportliches Zuhause ist der TV Hersfeld. Insgesamt 16 Jahre hat er dort schon verbracht – inklusive fünfjähriger Unterbrechung, in der er für den GSV Eintracht Baunatal spielte. Der Schritt in die dritte Liga war natürlich ein Traum, unabhängig vom Verein selbst, wie Fynn betont. 2017 kam der Kontakt zustande, nachdem der Trainer ihn anrief. Die Zeit dort prägte ihn stark: "Ich habe meine Komfortzone verlassen, lernte taktisch enorm viel dazu und bekam einen ersten Eindruck vom Profigeschäft. Und da habe ich gemerkt, dass Handball eben kein Hobby mehr ist, sondern ein Job", sagt er im Gespräch mit O|N. Körperlich wie taktisch musste er deutlich mehr investieren.

Zurück in Hersfeld fand Fynn wieder in seine sportliche Heimat. Der TV ist familiär geprägt, getragen von vielen Ehrenamtlichen. "Ich bin praktisch seit meiner Geburt dort – es ist wie eine zweite Familie", beschreibt er die Atmosphäre. Die Stimmung in der Halle ist stark, die Zuschauerzahlen mit 300 bis 400 Fans einfach beeindruckend. "Die Unterstützung gibt uns zusätzlichen Fokus und pusht jeden einzelnen Spieler", so der 26-Jährige.

"Handball ist körperlich, taktisch und einfach cool"

Auf dem Feld ist Fynn flexibel einsetzbar: halblinks oder in der Mitte, "je nachdem, was das Team braucht". Zu seinen schönsten Erinnerungen zählen unter anderem ein Pokalspiel gegen den THW Kiel mit Baunatal, ein Topspiel in Eisenach (Erster gegen Zweiter), seine Verabschiedung beim TV Hersfeld und zahlreiche Erfolge aus der Jugendzeit. "Handball ist körperlich, taktisch und einfach nur cool", fasst er seine Lieblingssportart in drei Wörtern zusammen. Wir wollten noch wissen, welche Eigenschaften man eigentlich braucht, um erfolgreich zu sein: "Teamgeist, Zielstrebigkeit, die Fähigkeit zu beißen, wenn es weh tut und den Willen, immer weiterzumachen."

Erster in der Oberliga Nord: "Wir sind im Flow"

Was die Mannschaft beim TV Hersfeld ausmacht, ist für ihn sternenklar: "Es ist der Kern aus Spielern, die sich seit der Jugend kennen. Wir sind fast alle Hersfelder Jungs und Freunde. Diese Verbundenheit spürt man auf und neben dem Feld." Vor zwei Jahren stieg das Team auf, danach gab es einen kleinen Knick, doch mit starken Neuzugängen ist der Anspruch wieder hoch. Das Ziel ist klar: den ersten Platz in der Oberliga Nord halten. "Wir sind im Flow", schmunzelt Fynn. Auch sonst sieht es beim TV Hersfeld ziemlich gut aus - "Die Jugendarbeit des Vereins trägt Früchte."

Für die Zukunft hat der 26-Jährige klare Vorstellungen: Er möchte noch lange spielen, idealerweise bis 35. Und er möchte mit dem TV Hersfeld in die Regionalliga aufsteigen. "Bis zum bitteren Ende dort bleiben – daran bin ich einfach zu sehr gewöhnt." (Julia Schuchardt)+++

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