Er stürzt sich meterhohe Berge herunter

Mountain-Bike-Downhill Talent Max Becker (19) im Sportgespräch

"Man muss schon ein bisschen verrückt sein", sagt Max Becker über seinen Sport.
Fotos: Hannes Mayer

29.06.2026 / FULDA - Mit 19 Jahren gehört Max Becker aus der Region bereits zu den besten deutschen Downhill-Mountainbikern. Erst vor wenigen Wochen gewann er den internationalen IXS Downhill Cup in Willingen - seinen bislang größten Erfolg bei den Erwachsenen. Im Gespräch berichtet er über Adrenalin, harte Trainingswochen, schwere Rückschläge und seinen Traum vom Profisport.



Wer Max Becker begegnet, merkt schnell: Der Leistungssport bestimmt sein Leben. Seit sieben Jahren sitzt der 19-Jährige auf dem Mountainbike, seit fünf Jahren fährt er Rennen - und das mit wachsendem Erfolg. Aktuell zählt er sich zu den Top fünf in Deutschland und hat ein klares Ziel vor Augen: den Sprung zum Profi.

"Das Ziel im Downhill ist ganz einfach: so schnell wie möglich den Berg runterzufahren", erklärt Becker. Über Sprünge, Wurzeln, Steinfelder und enge Kurven entscheidet am Ende die Zeit. Ein Rennlauf dauert meist nur drei bis vier Minuten - doch dahinter steckt monatelange Vorbereitung.

Die Saison beginnt für Downhill-Fahrer erst im Mai. Davor stehen lange Wintermonate mit Krafttraining, Technikschulung und Trainingslagern, oft in Italien. "Von November bis April gibt es eigentlich nur Training", sagt Becker. Rund zehn Rennwochenenden im Sommer umfasst eine Saison.

Größter Erfolg in Willingen

Besonders stolz ist der junge Sportler auf seinen jüngsten Triumph beim IXS Downhill Cup in Willingen. Gegen rund 500 Fahrer aus 25 Nationen setzte er sich durch und feierte seinen ersten Sieg in der internationalen Rennserie.

"Mein Ziel war eigentlich ein Platz unter den ersten Drei. Dass ich gewinne, hab ich gar nicht erwartet", erzählt er. Dennoch ordnet Becker den Erfolg realistisch ein. Zu seinen größten Karrierehöhepunkten zählt er weiterhin einen sechsten Platz bei den Rookies World Championships.

Vom Tennis zum Mountainbike

Dabei begann seine sportliche Laufbahn gar nicht auf dem Fahrrad. Früher spielte Becker erfolgreich Tennis und wurde sogar Hessenmeister. Erst als sein Bruder mit dem Mountainbike-Sport begann, kam er über den Verein MTB Biberstein in Hofbieber erstmals mit dem Downhill-Sport in Kontakt.

"Eigentlich habe ich Fahrradfahren als Kind sogar gehasst", sagt er lachend. Doch das Adrenalin und die Herausforderung gegen die Uhr begeisterten ihn schnell. "Im Tennis hat mir irgendwann etwas gefehlt. Beim Downhill fahre ich ständig am Limit."

Kopf entscheidet mit

Für Außenstehende wirkt Downhill oft wie ein reiner Risikosport. Becker sieht das differenzierter. Neben Technik und Fitness sei vor allem die mentale Stärke entscheidend.

"Wenn dein Kopf nicht zulässt, schnell zu fahren, dann geht es nicht. Du musst schon ein bisschen verrückt sein", sagt er. Gerade im Wettkampf spielt der Kopf eine enorme Rolle. Vor dem Start visualisiert er die komplette Strecke, geht jede Kurve und die Ideallinie gedanklich durch.

Nicht immer verlief die Karriere problemlos. Vor zwei Jahren erlitt Becker eine schwere Kopfverletzung nach einem Sturz. Wochenlang litt er unter Schwindel und neurologischen Problemen. "Ich konnte mich an den Sturz selbst gar nicht mehr erinnern", berichtet er. Erst zahlreiche Arztbesuche und intensive Behandlungen halfen ihm, zurück auf die Strecke zu kommen . "Das war die schlimmste Zeit meiner Karriere."

Studium, Training und Reisen

Neben dem Sport studiert Becker Wirtschaftspsychologie in Frankfurt. Dreimal pro Woche fährt er zusätzlich zum Training nach Weinheim, wo er von einem französischen Erfolgstrainer betreut wird.

"Wenn du Profi werden willst, musst du solche Konsequenzen eingehen", sagt er. Unterstützung erhält er dabei vor allem von seiner Familie. Sein Bruder arbeitet als Fahrradmechatroniker und kümmert sich um die Technik, seine Eltern finanzieren große Teile des Sports.

Deutsche Meisterschaft als nächstes Ziel

Für die kommenden Monate hat Becker bereits das nächste große Ziel formuliert: die Deutschen Meisterschaften im September. "Eine Medaille wäre natürlich überragend", sagt er. Die beiden Topfavoriten seien zwar kaum zu schlagen, doch im Kampf um Bronze sehe er sich durchaus mit Chancen.

Langfristig träumt Becker weiterhin vom Profisport. Obwohl Downhill in Deutschland kaum gefördert wird, hält er an seinem Weg fest. Seine Botschaft an junge Sportler ist dabei klar: "Man muss immer ein Prozent mehr machen als die anderen. Harte Arbeit zahlt sich aus. Und Sport bringt dir fürs ganze Leben etwas - nicht nur auf dem Podium." (Nicolas Kraus)+++

OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch - weitere Artikel

↓↓ alle 187 Artikel anzeigen ↓↓

X