"Ich mache das, weil es mir Spaß macht"

Ehrgeiz und Technik: Marlon Fraatz (19) verrät sein Erfolgsrezept im Ninja-Sport

Mit gerade einmal 19 Jahren hat Marlon Fraatz schon erreicht, wovon viele nur träumen.
Fotos: RTL/ Markus Hertrich und Jovan Evermann

22.01.2026 / HAUNECK - Schweiß tropft ihm über die Stirn, während er über die letzten Hindernisse sprintet. Jeder Griff ein Kampf - jeder Sprung ein Risiko. Die Menge schreit, als er die Wand hochklettert. "Auf geht's, auf geht's", hallt es durch die randvolle Halle. Oben angekommen, sieht er den roten Buzzer, streckt die Hand aus und drückt zu. Das Publikum explodiert vor Jubel - und für einen Moment kann er selbst kaum fassen, dass er es wirklich geschafft hat.


Mit gerade einmal 19 Jahren hat Marlon Fraatz schon erreicht, wovon viele nur träumen: Er steht regelmäßig auf der großen Ninja‑Warrior‑Bühne und misst sich mit den besten Athleten des Landes. Was als Fernsehinspiration begann, ist heute ein fester Bestandteil seines Lebens. Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch plaudert er aus dem Nähkästchen.

Vom Fernsehzuschauer zum Athleten: "Hat mich nicht mehr losgelassen"

Seine Begeisterung für Ninja Warrior begann für Marlon Fraatz, der gebürtig aus Hauneck-Rotensee (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) stamm, schon relativ früh. "Ich habe Staffel zwei oder drei zum ersten Mal im Fernsehen gesehen und wollte es unbedingt selbst ausprobieren", erinnert er sich zurück. "Ich habe es dann einfach selbst ausprobiert und seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen." Etwa 2019 startete er mit den ersten Versuchen - ernsthaft trainiert er seit 2021/22. Für Staffel sieben bereitete sich der 19-Jährige dann gezielt vor. "Ninja ist vielseitig - Parcours, Klettern, Schwingen, Hangeln. Du brauchst den ganzen Körper: Arme, Beine, Koordination und mentale Stärke", bringt er auf den Punkt.

Ein Parcours im eigenen Garten

Seine ersten Trainingsgeräte baute er sich selbst. "Ich habe mit einer Schaukel angefangen, dann wurde es immer mehr", erzählt er schmunzelnd. Gemeinsam mit seinem Vater entstand im Garten sein eigener Ninja‑Parcours. "Ohne meinen Vater hätte ich das alles nicht. Ich bin echt dankbar, dass ich zu Hause die Möglichkeit habe zu trainieren." Was ihn am meisten reizt am Sport? "Definitiv die Vielseitigkeit. Ich liebe Sprünge und alles, was mit Hangeln zu tun hat. Und es gibt immer neue Hindernisse und das macht das Ganze nie langweilig."

Schon früh wusste Marlon, der übrigens eine Ausbildung zum Physiotherpeuten absolviert, dass er irgendwann selbst auf der großen Bühne stehen will. "Ich habe immer gesagt: Es wäre geil, da mal mitzumachen." Als er hörte, dass man bereits mit 16 teilnehmen darf, war die Entscheidung schlussendlich gefallen. Die Konkurrenz ist aber ziemlich groß: "Letztes Jahr gab es 13.000 Bewerber. Es ist ein krasses Gefühl, überhaupt dabei zu sein."

Sein erstes Mal vor der Kamera beschreibt er als überraschend gelassen: "Ich dachte vorher, ich wäre viel nervöser. Aber eher im Gegenteil: ich habe mich richtig gefreut. Das Schlimmste ist nur der Moment, wenn man auf die Plattform muss. Im Parcours selbst ist man wie im Tunnel."

Über Erfolge, Rückschläge und ganz besondere Momente

Seine Ninja‑Karriere ist geprägt von Höhen und Tiefen. In Staffel sieben schaffte er es in der zweiten Vorrunde unter die besten 13, im Halbfinale war jedoch beim zweiten Hindernis Schluss. "Ich habe Schwing the Kling unterschätzt." In Staffel neun rückte er nach und erlebte sein bisher bestes Jahr. "Ich war richtig stolz, wie weit ich gekommen bin. Das war ein großer Erfolg." Staffel zehn begann vielversprechend: In der Vorrunde belegte er Platz fünf, im Halbfinale lief alles nach Plan, bis er beim Hochklettern abrutschte. "Bis zum Kamin war ich auf dem ersten Platz. Am Ende bin ich als 18. rausgeflogen."

Ein Highlight des Jahres war für ihn ein Moment nach dem Halbfinale: "Ich durfte Stage 1 nochmal testen. Das hat mir gezeigt, dass ich es schaffen kann. Eine richtig coole Erfahrung und ganz ohne Druck."

Ziele für die Zukunft: "Mir geht es um Erfahrung und Spaß"

Für die nächste Staffel, die im Mai aufgezeichnet wird, hat er sich erneut beworben. Seine Ziele sind klar, aber realistisch: "Ich will Stage 1 schaffen und darauf aufbauen. Gewinnen ist nicht mein Ziel. Mir geht es um Erfahrung und Spaß." Er weiß, wie stark die Konkurrenz ist: "Ich kann mit den meisten mithalten. Aber was manche investieren, wie René Casselly, das bekomme ich nicht hin. Und es gibt so viele Gute, die das Ding nie gewonnen haben."

Sein Erfolgsrezept beschreibt er abschließend so: "Ehrgeiz, Wille, Technik, Ausdauer und niemals aufgeben. Man muss konstant dranbleiben." Trainieren tut er meist mit einem Kumpel aus dem Ort. Und egal, wie weit er kommt - eines bleibt für ihn das Wichtigste: "Ich mache das, weil es mir Spaß macht. Alles andere ist Bonus." (Julia Schuchardt)+++

OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch - weitere Artikel

↓↓ alle 167 Artikel anzeigen ↓↓

X