Bayerns bester Stürmer kommt aus der Rhön

Tim Gensichen (18) zerschießt mit Schweinfurt die U19-Bayernliga

Tim Gensichen zu Gast beim Sportgespräch in der O|N-Zentrale.
Fotos: Felix Weigl

01.06.2026 / REGION - Die Bayernliga-Saison ist vorbei, und Tim Gensichen (18), aus der Rhön, hat sie mit einem Titel beendet, der ihm lange als Ziel vorschwebte: Torschützenkönig. Nicht knapp, sondern am Ende sogar deutlich - mit einem Endspurt, der sich gewaschen hat. Die letzten drei Spieltage, elf Tore. "Torschützenkönig, das war auf jeden Fall auch mein Ziel vor der Saison", sagt er. Seinem Trainer Steffen Rögele hatte er zu Beginn des Jahres schriftlich mitgeteilt, wie viele Tore er schießen wolle - so viele, wie es Spiele in dieser Saison gibt. Er traf zwei Mal mehr als versprochen.



Dabei sah es zwischendurch nicht danach aus. Die Hinrunde lief nicht nach Wunsch, Verletzungen im Zentrum zwangen das Team zu personellen Kompromissen. Aber in der Winterpause arbeitete Gensichen, und in der Rückrunde merkte man, dass sich etwas verändert hatte - beim Spieler und bei der Mannschaft. Ein Spiel verloren, eines unentschieden. Alles andere gewonnen. "Wir haben uns als Team einfach besser eingespielt", sagt Tim, "das hat man klar gemerkt."

Klassischer Neuner

Gensichen beschreibt sich selbst als klassischen Neuner: Tempo, Physis, Schuss. Keiner, der das Spiel über Kombinationen lenkt, sondern einer, der in der Box ist, wenn der Ball ankommt - und dann trifft. "Ich komme durch meine Schnelligkeit und durch meinen Körper in Zweikämpfen durch." Sein Vorbild? Haaland. Nicht wegen der Trikotfarbe oder des Ruhms, sondern weil der Spielertyp einfach passt.

Was ihn als Stürmer auszeichnet, hat er in dieser Saison auch im Umgang mit Druck gezeigt. Wenn ein Neuner nicht trifft, spürt er es - und alle anderen auch. Tim kennt das Gefühl. "Dieser Gedanke, ich muss jetzt treffen - der ist schlimm." Seine Antwort darauf: ruhig bleiben, nicht auf Krampf spielen, dem Team vertrauen. "Wenn der Knoten platzt, geht es von ganz allein." Und wenn der Trainer Vertrauen zeigt, auch dann, wenn es nicht läuft - dann ist das für ihn das Entscheidende.

Karriereweg bis ins Nachwuchsleistungszentrum

Den Weg dorthin hat er sich hart erarbeitet. Von den kleinen Verhältnissen in Oberleichtersbach über Obererthal und Großbardorf, wo der 1. FC Schweinfurt auf ihn aufmerksam wurde, über eine starke Saison in der Landesliga mit 25 Toren in 27 Spielen bis hin zu Greuther Fürth - und dann zurück zu Schweinfurt. Bei Fürth lief es sportlich gut, er fühlte sich wohl, hatte die meisten Tore seiner Mannschaft. Und trotzdem ging es am Ende des Jahres nicht weiter. Warum, weiß er bis heute nicht. Er hat es akzeptiert, sich neu ausgerichtet und sich für die U19 bei Schweinfurt entschieden - weil er dort den direkteren Weg in höhere Ligen gesehen hat.

Das erste Jahr dort lief anders als erhofft. Weniger Spielzeit als gedacht, weniger als versprochen. "Ich habe nicht verstanden, warum ich so wenig spiele." Diese Enttäuschung hat er nicht verdrängt, er hat sie umgewandelt. Das letzte U19-Jahr sollte eines werden, in dem er sich alles selbst beweist. Das ist ihm gelungen.

Die Zukunft ist noch unklar

Wie es weitergeht, will er noch nicht verraten. Es gibt mehrere Angebote - sportlich attraktive. Er prüft sie in Ruhe. Eines steht fest: Mit Schweinfurt wird es nichts mehr. Kein Gespräch, keine Perspektive, kein Vertrag - von den Verantwortlichen der ersten Mannschaft hat er nichts gehört. Bei solchen Leistungsdaten ist das keine schöne Erfahrung. Erst recht nicht für einen Verein, der so gerne mit seiner Nachwuchsarbeit wirbt.

Tim Gensichen ist 18, steht am Anfang seiner Karriere als Herrenprofi und hat gerade die beste Saison seines Lebens gespielt. Er weiß, was er kann. Er weiß, wie er arbeiten muss. Und er weiß, dass Vertrauen - in den Trainer, ins Team, in sich selbst - mehr wert ist als jeder Titel. Den Torschützenkönigstitel hat er trotzdem mitgenommen. (Nicolas Kraus)+++

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