Barockstadt U19-Coach im Sportgespräch

"Jeder bringt seine eigene Geschichte mit und genau das muss man verstehen"

"Jeder bringt seine eigene Geschichte mit und genau das muss man verstehen". Das ist für Romeo Schäfer wichtig.
Fotos: Charlie Rolff

29.01.2026 / FULDA - Wenn Romeo Schäfer (39) über seine Arbeit mit der Barockstadt-U19 spricht, geht es selten um Ergebnisse und fast immer um Entwicklung. Der Trainer betont immer wieder, wie wichtig ihm Struktur, Zusammenhalt und ein klarer Plan für jeden einzelnen Spieler sind. "Am Ende bringt es nichts, wenn einer heraussticht, die Mannschaft aber nicht funktioniert", sagt Schäfer - und macht damit deutlich, wofür seine Arbeit im Nachwuchsbereich steht.



Seit dem vergangenen Sommer steht Schäfer an der Seitenlinie der A-Jugend. Eine Aufgabe, die alles andere als einfach war, da die U19 in der vorherigen Saison nach vier Trainerwechseln in einer Saison aus der Hessenliga abgestiegen war. Die Entäuschung saß tief. Doch Schäfer wusste, worauf er sich einließ. "Ich brauche Aufgaben, bei denen ich etwas aufbauen und verändern kann", erklärt er im O|N-Sportgespräch. "Ein gemachtes Nest reizt mich nicht."

Der gebürtige Osthesse ist längst kein Unbekannter im Jugendfußball. Als Sporttherapeut in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bringt er nicht nur sportliches Fachwissen mit, sondern auch ein feines Gespür für Menschen. "Ich sehe meine Spieler nicht nur als Fußballer", erklärt Schäfer. "Jeder bringt seine eigene Geschichte mit - und genau das muss man verstehen."

Früh klarer Weg an der Seitenlinie

Schon während seiner aktiven Zeit war für Schäfer klar, dass seine Zukunft an der Seitenlinie liegen würde. "Ich habe schon als Spieler vieles hinterfragt und mich oft in die Rolle des Trainers hineinversetzt", erzählt der Trainer. Erste Schritte machte er als Spielertrainer in der Heimat, später folgten Stationen mit wertvollen Einblicken - unter anderem in Nachwuchsleistungszentren sowie im Frauenbereich bei Borussia Mönchengladbach.

Neustart nach dem Abstieg

Als Schäfer bei der Barockstadt übernahm, stand die Jugendmannschaft mit dem Rücken zur Wand. Vier Trainer in einer Saison, der Abstieg aus der Hessenliga - für viele ein Warnsignal. Für Romeo Schäfer aber ein Reiz: "Die Jungs konnten am wenigsten dafür. Das Potenzial war da - es musste nur wieder freigelegt werden."

Gemeinsam mit seinem Trainerteam stellte er die Mannschaft neu auf, schuf klare Strukturen und setzte auf Inhalte, statt blinden Aktionismus.

Eine junge Mannschaft, ein klares Ziel

Sportlich zahlt sich die Arbeit aus. Die U19 spielt eine starke Saison, mischt oben mit und kämpft um den Wiederaufstieg. "Natürlich stört es uns, das wir Zweiter sind", sagt Schäfer ehrlich. "Unser Anspruch ist es, Erster zu werden." Gleichzeitig bleibt er realistisch: Zehn Siege aus zwölf Spielen mit einer extrem jungen Mannschaft - viele davon aus dem Jahrgang 2008 - sind keine Selbstverständlichkeit.

Entscheidend ist für ihn jedoch etwas anderes. "Mir ist wichtig, dass die Jungs wissen, woran sie gearbeitet haben", erklärt Schäfer. "Ich will nicht, dass ein Spieler nach dem Training nach Hause geht und nicht sagen kann, was er heute gelernt hat."

Ausbildung statt Ergebnisfixierung

Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Arbeit. Schäfer spricht viel mit seinen Spielern, erklärt Inhalte, fordert, lässt aber auch Fehler zu. "Fehler gehören dazu - entscheidend ist, wie man damit umgeht", sagt der 39-Jährige gegenüber O|N. Gerade bei sensiblen Spielern sei Vertrauen der Schlüssel.

Der Austausch innerhalb des Vereins ist eng. U17, U19 und U23 trainieren am gleichen Standort, Spielergespräche werden gemeinsam geführt. "So wissen alle, wer kommt, wer bereit ist und welchen Weg ein Spieler gehen kann", erklärt Schäfer. Erste Talente klopfen bereits an die Tür der ersten Mannschaft.

Vorbereitung mit Anspruch

In der Wintervorbereitung setzt Schäfer bewusst auf starke Gegner, auch aus dem Seniorenbereich. "Die Jungs sollen merken, wie wenig Zeit sie haben, um mit dem Ball etwas zu machen", sagt Schäfer. "Das hilft in der Entwicklung." Siege um jeden Preis sind dabei zweitrangig - Lerneffekte stehen im Fokus.

Was Schäfer auszeichnet, ist seine Haltung. Er will Teamplayer, Charaktere, Spieler mit Widerstandsfähigkeit. "Die Mannschaft steht immer über allem", betont der 39-jährige Trainer. Gleichzeitig weiß er, wie schnell sich Dinge im Fußball ändern können. "Vor einem Dreivierteljahr sah es noch ganz anders aus als jetzt. Das darf man nicht vergessen." (Nicolas Kraus)+++


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