SGB-Coach im Sportgespräch

Zwischen Verantwortung und Leidenschaft: Cimen über das Trainerdasein

Daniyel Cimen spricht bei seinem Besuch in der O|N-Zentrale über das Trainerdasein und seinen persönlichen Werdegang.
Fotos: Maurice Schumacher

24.04.2026 / FULDA - Der Weg von Daniyel Cimen an die Seitenlinie begann früher als bei vielen seiner Kollegen - und vor allem nicht ohne Umwege. Heute, mit 41 Jahren und rund 15 Jahren Trainererfahrung, blickt er auf eine Entwicklung zurück, die stark von Selbstreflexion geprägt ist. "Ich glaube, als Trainer lernst du nie aus", sagt Cimen. Genau dieser Anspruch, sich ständig weiterzuentwickeln, zieht sich durch seine gesamte Laufbahn. Für ihn geht es nicht darum, andere Trainer zu kopieren, sondern eine eigene Identität zu entwickeln. "Das Wichtigste ist, dass du authentisch bleibst. Die Spieler merken, wenn du etwas vorspielst."



Sein Führungsstil basiert dabei vor allem auf dem Umgang mit Menschen. "Am Ende arbeite ich mit Fußballern, aber es sind Menschen", betont er. Jeder Spieler brauche eine andere Ansprache - der eine müsse gepusht werden, der andere eher aufgebaut. "Der eine braucht vielleicht einen Arschtritt, der andere eher Streicheleinheiten." Entscheidend sei, die Persönlichkeit jedes Einzelnen zu verstehen und entsprechend zu handeln. Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. "Lieber einmal mehr reden als einmal zu wenig." Gleichzeitig verliert Cimen nie den sportlichen Anspruch aus den Augen - klare Ansagen und ehrliches Feedback gehören für ihn genauso dazu wie Vertrauen.

Geprägt durch eigene Zeit als Spieler

Geprägt wurde dieser Ansatz auch durch seine eigene Karriere als Spieler. Cimen spricht offen darüber, dass er nicht das Maximum aus seinem Talent herausgeholt hat. "Ich habe nicht alles dafür getan", sagt er selbstkritisch. Der frühe Sprung in den Profibereich habe bei ihm damals ein falsches Gefühl ausgelöst. "Ich habe gedacht: Ich habe es geschafft." Rückblickend sieht er genau darin einen Fehler - denn der erste Vertrag sei nicht das Ziel, sondern erst der Anfang. Diese Erfahrung gibt er heute bewusst an seine Spieler weiter. "Ihr habt nur diese eine Karriere und diese begrenzte Zeit. Nutzt sie."

Der Übergang zum Trainer kam schließlich in einer schwierigen Phase seiner Laufbahn. Verletzungen, insbesondere immer wiederkehrende Muskelprobleme, warfen ihn zurück. Gleichzeitig lief sein Vertrag aus, eine langfristige Perspektive im Profibereich war nicht in Sicht. "Ich wusste, dass ich erstmal raus bin", erinnert er sich. In dieser Situation eröffnete sich ihm bei Eintracht Frankfurt in der zweiten Mannschaft die Möglichkeit, sich fit zu halten - und daraus entwickelte sich Schritt für Schritt der Einstieg ins Trainergeschäft. Zunächst als Spieler, dann als spielender Co-Trainer, immer mit wachsender Verantwortung.

Der entscheidende Moment folgte wenig später: die Chance, als Cheftrainer in der U19-Bundesliga bei der Eintracht zu arbeiten. Eine Möglichkeit, die nicht viele Trainer in diesem Alter bekommen. "Einen besseren Einstieg bekommst du nicht", sagt Cimen rückblickend. Nach kurzer Bedenkzeit entschied er sich bewusst gegen eine Fortsetzung seiner aktiven Karriere und für den Weg als Trainer. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut.

Trotz seiner klaren Ambitionen bleibt Cimen bodenständig. Natürlich sei es sein Ziel, irgendwann ganz oben
zu trainieren, doch er ist aktuell bei der SG Barockstadt am richtigen Ort. Verein und Trainer hätten ähnliche Vorstellungen davon, wie Entwicklung funktionieren soll - Schritt für Schritt und auf einem gesunden Fundament. Parallel hat er vor, den höchsten Trainerschein zu erwerben.

Eine Mannschaft im Vordergrund

Seine Philosophie bleibt dabei klar: Eine funktionierende Mannschaft steht über allem. "Ich bin überzeugt, dass ein Team langfristig mehr erreichen kann als viele Individualisten", sagt er. Deshalb legt er großen Wert auf Hierarchie, Kommunikation und ein funktionierendes Innenleben der Mannschaft - auch abseits des Platzes. Der Austausch mit Führungsspielern und dem Mannschaftsrat ist für ihn dabei ein wichtiger Bestandteil.

Wenn Cimen über seine Ziele spricht, wird deutlich, was ihn antreibt. Es geht nicht nur um Ergebnisse, sondern auch um Spuren, die man hinterlässt. "Am Ende willst du etwas erreichen, etwas in den Händen halten", sagt er. Titel seien dabei mehr als nur Erfolge - sie seien Teil der Vereinsgeschichte. "So wirst du ein Stück weit unsterblich in einem Verein." Im Hessenpokalfinale am 23. Mai in Offenbach hat man genau dazu die Chance. (Nicolas Kraus)+++

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