Zwei Brüder über Familie und Erfolg

"Wir sind mit dem Fliegen aufgewachsen" - Wie zwei Rhöner die Welt erobern

Für Familie Schubert aus Poppenhausen bedeutet das Fliegen weit mehr als nur ein Sport.
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch

25.01.2026 / POPPENHAUSEN (WAKU) - Fliegen ist grenzenlose Freiheit, pure Leidenschaft und ein Gefühl von Leichtigkeit. Man schwebt zwischen Himmel und Erde und blickt mit einer ganz anderen Perspektive auf die Welt. Alles scheint so unwichtig in diesen Momenten - als würde die Zeit für einen Augenblick lang stillstehen. Genau dieses Gefühl kennen auch die Brüder Linus und Lennard Schubert. Die beiden fliegen von klein auf für ihr Leben gerne, sind mittlerweile richtige Ausnahmetalente geworden und können sich ein Leben ohne eigentlch gar nicht mehr vorstellen.



Für Menschen, die das Fliegen lieben, bedeutet es oft weit mehr als nur von A nach B zu kommen. Es hat etwas zutiefst Emotionales, Tiefgründiges und wahrlich Philosophisches. Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch plaudern die beiden gebürtigen Rhöner aus dem Nähkästchen und verraten, wie es sich eigentlich so anfühlt, hoch oben über der Welt zu schweben. Aber lesen Sie selbst!

"Wir sind viel in der Heimat und ständig in der Luft"

Wenn Linus und Lennard über das Paragliding sprechen, dann klingt das nicht nach einem Hobby - es klingt vielmehr nach einer Berufung. Aufgewachsen in Poppenhausen (Landkreis Fulda) sind die Brüder in eine echte Fliegerfamilie hineingeboren - der Sport liegt ihnen förmlich im Blut. "Unser Papa ist Fluglehrer", erzählt Lennard "Er hat das Fliegen auf der Wasserkuppe richtig mitentwickelt. Ohne ihn wären wir heute nie so weit gekommen." Mittlerweile arbeitet der 20-Jährige auf der Wasserkuppe in der Mediengestaltung und als Paragliding-Flugbegleiter. Nebenbei klettert er und ist draußen sportlich unterwegs.

Linus ist 18, macht sein Fachabitur in Fulda und steht ebenfalls beruflich auf der Wasserkuppe - als Fluglehrer, der sogar Fortbildungen gibt. Wenn er nicht fliegt, spielt er Tennis oder ist in Gersfeld unterwegs. "Wir sind viel in der Heimat, aber eigentlich ständig in der Luft", so die beiden mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Die ersten richtigen Flugmomente - für immer unvergessen

Das Fliegen begleitet die Brüder seit frühester Kindheit. Lennard erinnert sich: "Ich bin mit acht das erste Mal richtig geflogen. Legal geht’s ja erst ab 14, aber die Basics habe ich vorher gelernt." Linus war sogar noch jünger: "Ich war ein Jahr alt, als ich das erste Mal im Tandem mit Papa in der Luft war. Ich durfte sogar schon ein bisschen steuern." Besonders eindrücklich ist für ihn eine Szene aus Dänemark: "Da standen wir an einer fünf Meter hohen Düne und Papa hat uns mit einem Seil wie einen Drachen durch die Luft gezogen. Das waren meine ersten richtigen Flugmomente."

Was die beiden antreibt, bringt Lennard auf den Punkt: "Es gab noch keinen Tag, an dem ich keinen Bock aufs Fliegen hatte. Man freut sich einfach drauf. Die Motivation steigt von Tag zu Tag." Linus ergänzt passend dazu: "Fliegen ist grenzenlos. Du hast unbegrenzte Möglichkeiten, eine neue Perspektive auf die Welt. Du entscheidest, wie du deine Zeit verbringst."

Man kommt richtig rum: Ostasien, Thailand, Südkorea und Co.

Die Paragliding-Ausrüstung wiegt fünf Kilo. Starten kann man fast überall - solange der Wind stimmt. "Du brauchst einen Berg, der Wind muss unter 30 Stundenkilometer sein. Dann geht’s los - im Sommer wie im Winter", erklärt Lennard. Die Brüder waren schon an Orten, die kaum jemand je betreten hat. "Wir sind 2.000 Kilometer quer durch die Mongolei geflogen", lässt der 20-Jährige Revue passieren. "Da waren wir an Stellen, wo noch nie ein Mensch zu Fuß war."

Sportlich sind die beiden längst international unterwegs. Linus ist in Thailand und Südkorea geflogen, außerdem in Spanien, Bulgarien, Kosovo, Albanien, Tschechien, Österreich, Italien und Holland. "In allen Nachbarländern war ich schon, nur in Polen noch nicht", sagt er. Lennard war neben der Mongolei auch in Kasachstan und Georgien unterwegs, teilweise sogar mit Skiern unter dem Schirm.

Spitzenreiter und regionale Ausnahmetalente

Ihre Wettkampfkarrieren starteten früh: Lennard belegte bereits mit 15 Jahren bei der slowenischen Meisterschaft Platz elf von 50 Teilnehmern, während Linus im selben Alter in Tschechien auf Rang vier landete. "Danach war ich voll angefixt", erinnert sich Linus im Gespräch mit O|N. "Beim Worldcup in der Türkei wurde ich dann Dritter." Seitdem reiht sich Erfolg an Erfolg. Linus wurde 2023 Vizeweltmeister, 2024 Vizeeuropameister, führt die Junioren‑Weltrangliste an und hält mit 120 Flügen in Serie sogar einen Weltrekord.

Auch Lennard mischt an der Spitze mit: Er holte den zweiten Platz beim Worldcup in der Türkei, stand zeitweise auf Rang zwei der Weltrangliste und gehört mit Team Deutschland zur Nummer eins im internationalen Ranking. "International ist der Sport viel größer", erklärt Linus. "Es gibt rund 2.100 Piloten, die gerankt werden und wir gehören zu den Top 5." Chapeau!

Trotz aller Erfolge vergessen die Brüder nie, wem sie vieles zu verdanken haben. "Ohne die Unterstützung unserer Familie wäre das alles nicht möglich", sagt Lennard. "Papa war immer ausschlaggebend. Er hat uns den Spaß vermittelt. Wir hatten immer eine super Zeit." Andreas Schubert ist auch heute noch mit dem Schirm unterwegs, wenn auch nicht mehr so häufig wie früher. Dafür tragen nun seine Söhne die Leidenschaft weiter. "Er ist stolz auf uns", so Linus. "Und wir können stolz auf ihn sein." (Julia Schuchardt)+++

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