"Draußen zu sein ist mein Zuhause"

Ultrarunnerin, Mutter, Unternehmerin: Jennifer über ihre große Leidenschaft

Jennifer Romaowski (36) ist begnadete Läuferin und kann sich ein Leben ohne den Sport gar nicht mehr vorstellen.
Fotos: E. Reinhardt

09.02.2026 / FULDA - Sie ist eine begnadete Läuferin, setzt sich für andere in Not ein und ist voll in ihrer Mitte angekommen: Jennifer Romanowski! Die 36-Jährige ist Mutter von zwei Kindern, Unternehmerin und Ultrarunnerin - Bewegung ist für sie weit mehr als nur ein Sport. "Ich glaube, Laufen ist die längste Liebesbeziehung meines Lebens. Und eine richtig ehrliche Beziehung, denn sie wird stärker, wenn du daran arbeitest und tut dir weh, wenn du sie vernachlässigst. Mit ihr wird jeder schöne Tag noch schöner und an schlechten Tagen hält sie dich", bringt sie voll auf den Punkt.



Wenn die gebürtige Nüsttalerin (Landkreis Fulda) über das Laufen spricht, dann leuchten ihre Augen. Ein Leben ohne kann sie sich mittlerweile gar nicht mehr vorstellen - denn Sport ist ihr Anker, der ihr sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten Halt gibt. Im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch plaudert Jenny aus dem Nähkästchen, gibt Einblicke in ihr Leben und verrät, warum das Laufen ihre ganz große Leidenschaft ist. Aber lesen Sie selbst!

"Draußen zu sein ist mein Zuhause"

Jennifer Romanowski ist sportlich durch und durch. Früher spielte sie Handball, ritt und war ständig draußen. Heute verbringt sie ihre Freizeit am liebsten in der freien Natur, in den Bergen und auf Trails. "Wir fahren immer in den Süden, in die Alpen. Ich liebe es, dort zu laufen, zu klettern und seit Neuestem Ski zu fahren - draußen zu sein ist einfach mein Zuhause", erzählt sie. Ihr Alltag ist ziemlich intensiv: Die 36-Jährige ist selbstständig, arbeitet im Charity‑Bereich und hat ein mehrfach schwerbehindertes, palliativ versorgtes Kind. "Das macht das Leben natürlich krass anstrengend. Ich habe viele Sorgen", gesteht sie ganz offen. "Das Laufen und die Zeit in der Natur fahren mich runter. Es ist mein Anker und mein Ausgleich."

Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie den Heartbeat Ultra - ein Projekt, das Menschen verbindet und ihnen Mut macht. Die Einnahmen werden der Organisation Fontanherzen gespendet. "Meine Leidenschaft ist es, anderen diesen Spaß zu vermitteln - die Freude an Bewegung und die Verbindung zur Natur", erklärt sie. Besonders am Herzen liegen ihr Eltern, Mütter und Frauen, die neu einsteigen. "Es geht nicht um Leistung, sondern um Liebe zu dem, was man gerade tut."

Vom Joggen zur Ultradistanz: "Das ist mein Sport"

Zum Laufen selbst kam sie durch ihre Mutter, die früher Marathon lief. "Früher habe ich das nicht verstanden", sagt Jenny. "Ich wollte Handball spielen." Erst viel später begann sie zu joggen - zunächst auf Wald- und Radwegen. Doch falsches Training führte zu einer Achillessehnenverletzung. Der Wendepunkt kam dann bei einer Physiotherapeutin.

"Sie hat mir eine andere Art des Laufens empfohlen - nämlich Berge, Wald, Trails. Plötzlich war ich langsam, aber ich bin total aufgegangen darin. Mein Hund war immer mit dabei und irgendwann habe ich gemerkt: Das ist es." Damals kannte kaum jemand den Begriff Trailrunning. "Ich war gefühlt die Erste hier, die das gemacht hat", erinnert sie sich zurück. "Es gab keinen Namen dafür. Aber ich wusste: Das ist mein Sport."

Ultratrails, Podestplätze und ein Gamechanger

Seitdem war Jenny fast überall in Europa unterwegs: Österreich, Italien, Schweiz, Dolomiten. Ihren ersten 100‑Kilometer‑Lauf absolvierte sie in Schotten. 2022 stand sie zum ersten Mal bei einem Trailrennen am Start und konnte kaum glauben, dass sie tatsächlich einen Ultramarathon in den Bergen lief. Ein Highlight war beispielsweise der Kaiserkronen‑Trail, bei dem sie im Juni dieses Jahres auf dem Podest landete - Platz zwei, direkt hinter einer der besten Trailläuferinnen Deutschlands. "Das war irre. Und ich habe dadurch sogar einen richtig geilen Job bekommen", berichtet sie im O|N-Gespräch.

Doch nicht jedes Rennen endet mit einer Medaille. Beim Mayrhofen ULTRAKS, einem der härtesten 100er im deutschsprachigen Alpinen Raum, wurde das Rennen nach acht Stunden abgebrochen. "Wir wurden alle aus dem Berg gerufen. Es war schlimm. Ein Jahr Vorbereitung und dann das."

Aber genau dort passierte auch etwas Entscheidendes. "Wir waren mit Freunden dort, sind jeden Tag durch die Berge gelaufen. Das war viel geiler als das Rennen. Da habe ich gemerkt, wie egal mir Platzierungen eigentlich sind. Der Pokal steht rum und staubt. Die Zeit mit Freunden vergesse ich nie." 2025 lief sie über zehn Rennen und stellte fest, dass sie den Leistungsdruck gar nicht mehr braucht. "Mir ist es nicht mehr wichtig, die Beste zu sein. Ich laufe, weil es mir gut tut."

Community, Familie und neue Ziele

Jenny gründete die Trailrunning Crew Rhön, eine Gemeinschaft, die inzwischen "richtig krass" geworden ist. "Es ist so schön, Zeit mit Menschen zu verbringen, die dieselbe Leidenschaft haben." Ihre Kinder sind heute sechs und zehn Jahre alt. "Sie hassen Sport", erzählt sie schmunzelnd. "Der Kleine hasst alles, was ich mache. Er bastelt lieber." Beim Skifahren allerdings klappt es zumindest - beide teilen die Leidenschaft. Die Vereinbarkeit von Sport und Familie bleibt eine Herausforderung. "Ohne Laufen ist es schwer. Aber ich habe gelernt, entspannter zu werden."

Für die Zukunft hat sie keine großen Leistungsziele mehr. "Mein größtes Ziel ist, weniger zu arbeiten und mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen." Gleichzeitig wächst ihr Projekt Heartbeat Ultra, das 2026 in mehreren deutschen Städten geplant ist. "Mit dem, was ich arbeite, kann ich Leben retten. Das ist ein Geschenk." (Julia Schuchardt)+++

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