OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch (26)

Fanbo Meng: Ich fühle mich nicht als Vizeweltmeister

Fanbo Meng war zu Gast in der O|N-Redaktion
Fotos: Carina Jirsch

02.11.2022 / FULDA - Wirkliche Weltklassesportler hat Fulda nur wenige. Einer davon ist Fanbo Meng. Der junge Tischtennisspieler vom TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hat es sogar bis in die deutsche Nationalmannschaft geschafft und wurde mit ihr vor einigen Wochen in China Vizeweltmeister. Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch spricht er über seine Erfahrungen, die strengen Corona-Regeln in China und warum er sich gar nicht wie ein Vizeweltmeister fühlt. 

Im O|N-Sportgespräch lassen wir immer Sportler aus verschiedenen Sportarten der Region zu Wort kommen. Wir erzählen die Geschichte hinter der Geschichte, losgelöst vom aktuellen Tagesgeschehen. Heute folgt Teil 26 der Serie. 

Fan Bo, du bist vor einigen Tagen Vizeweltmeister mit der deutschen Tischtennisnationalmannschaft geworden. Hast du denn inzwischen realisiert, was da passiert ist? 


Fanbo Meng: Ja, inzwischen schon, es ist ja schon einige Zeit vergangenen. Ich habe enorm viel gelernt und sehr viel mitgenommen, obwohl ich nicht gespielt habe. Es war eine ganz andere Welt als in der TTBL. Es war alles viel, viel größer. Man kann das Event von der Größe her schon fast mit dem Tischtennisturnier bei Olympia vergleichen. Und dann auch noch in China. Das war etwas ganz besonderes. 

In China herrschen sehr strenge Corona-Regelungen. Wie war die Lage vor Ort? 

Meng: Es war wirklich extrem. Vor Ort mussten wir täglich PCR-Tests machen, die Chinesen haben regelmäßig alles desinfiziert. Selbst von den Fahrstuhlknöpfen wurden regelmäßig Abstriche genommen. Zusätzlich gab es eine App, in die wir täglich unsere Körpertemperatur eintragen mussten und ob wir beispielsweise Husten haben. Frei bewegen konnten wir uns auch nicht. Wir waren in einer Bubble. Selbst der Hotelpark war abgeriegelt und videoüberwacht. Es kam nichts ins Hotel rein, was nicht sollte und auch nichts hinaus. 

Kann denn bei solchen Gegebenheiten überhaupt so etwas wie WM-Stimmung aufkommen? 

Meng: Ein wenig, aber bei einer WM in Deutschland oder sonst wo in Europa, wäre das natürlich ganz anders gewesen, weil die Regelungen hier viel lockerer sind. Zuschauer waren beispielsweise nur im Finale erlaubt. Und die mussten fünf Tage davor und sieben Tage danach in Quarantäne - für ein Spiel. Die Halle war aber trotzdem voll. Feiern konnten wir auch nicht richtig. Wir haben ein Bier im Park bekommen und das war's (lacht). 

Du selbst kamst in den Spielen nicht zum Einsatz, warst in allen Begegnungen der Ersatzmann. Trübt das ein wenig die Freude über den Erfolg? 

Meng: Ganz ehrlich: Ich fühle mich nicht als Vizeweltmeister und für mich persönlich ist es auch nicht der größte Erfolg meiner Karriere. Es fühlt sich einfach nicht richtig an. Aber natürlich fragt in zehn Jahren kein Mensch mehr danach. Diesen Titel nimmt mir keiner mehr. Und ich habe Erfahrungen gesammelt, die unbezahlbar sind. 

Was nimmst du denn persönlich für dich aus dem Turnier mit? 

Meng: Es war natürlich sehr enttäuschend, nicht zu spielen. Aber dieses Turnier hat mich noch hungriger auf Erfolg gemacht. Ich will es mir selbst beweisen und zeigen, dass ich es verdient habe, auch auf so einer Bühne zu spielen. Diese Chance will ich nutzen und mein Spiel jeden Tag ein bisschen verbessern. Der Ehrgeiz ist auf jeden Fall geweckt. Ich war noch nie so diszipliniert wie seit der WM. So einen Fanbo, wie heute, gab es noch nie. 

Der Konkurrenzkampf innerhalb der Nationalmannschaft ist groß. Die arrivierten Spieler, die in China gefehlt haben, kehren wieder zurück. Wird es noch schwerer, sich in der Nationalmannschaft zu behaupten? 

Meng: Ich stehe auf Position 89 der Weltrangliste und bin nur die Nummer neun in Deutschland. In anderen europäischen Ländern wäre ich unter den Top-3. Das zeigt schon, wie hoch das Niveau bei uns ist. Auf der anderen Seite werde ich durch Spieler wie Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov oder Patrick Franziska immer besser. Sie treiben mich an. Mein Ziel ist Olympia 2028. 2024 dürfte schwer werden, weil dann die drei noch spielen.

Wie haben denn deine Mannschaftskollegen vom TTC auf deinen Erfolg reagiert? 

Meng: Wir haben uns ja persönlich seitdem noch nicht gesehen, aber sie haben mir natürlich alle geschrieben. Quadri Aruna hat schon ein paar Witze gemacht, dass ich jetzt der Boss wäre (lacht). Selbst das Land NRW, wo ich aufs Tischtennisinternat gehe, hat mir gratuliert. Nur von der Stadt Fulda kam nichts. Das fand ich ein bisschen traurig, da fehlt vielleicht ein bisschen die Wertschätzung. 

Am Wochenende geht es dann aber erstmal in der Bundesliga mit dem TTC weiter. Dort läuft es aktuell ja nicht wirklich rund. 

Meng: Es dampft ein bisschen bei uns, sagen wir es so. Letztes Jahr waren wir eine Top-4 Mannschaft und sind nun Letzter. Das ist nicht schön. Die Liga ist einfach extrem stark und ausgeglichen. Bisher hatten wir das eine oder andere Mal auch Pech, noch ist aber alles drin. Die nächsten zwei Spiele werden extrem wichtig.

Fanbo Meng, vielen Dank für das Gespräch. (fh)+++

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