"Es hat mein Leben verändert"

Mut, Bewegung und Aikido: Monika Genslers (61) Weg zu sich selbst

Schon früh entdeckte Monika Gensler ihre Leidenschaft zum Aikido.
Archivfoto: Privat

15.01.2026 / KÜNZELL - Manchmal kommt es genau so, wie es kommen soll: Monika Gensler hat sich 2007 ihren Traum einer eigenen Aikido-Schule erfüllt. Die Welt der Kampfkünste hat sie schon als Kind in den Bann gezogen, Bewegung war für sie weit mehr als nur Sport. Nach einem Schicksalsschlag stellte die Poppenhäuserin vieles infrage, entdeckte Aikido für sich und fand darin genau das, wonach sie unbewusst immer gesucht hatte. Diese Kampfkunst half ihr, zu sich selbst zu finden, und dieses Gefühl gibt sie nun seit 30 Jahren an ihre Schülerinnen und Schüler weiter.


Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch plaudert die heute 61-Jährige aus dem Nähkästchen und verrät, was Aikido für sie so besonders macht. Welches Erlebnis hat sie am meisten geprägt? Und was wird sie wohl nie vergessen? Lesen Sie selbst!

Leidenschaft zum Beruf: Aikido als Wendepunkt

Monika Gensler ist heute 61 Jahre alt und kommt gebürtig aus Poppenhausen (Wasserkuppe) im Landkreis Fulda. Sie startete beruflich als Gymnastiklehrerin, arbeitete in Ortenberg-Selters (Wetteraukreis), bis es sie irgendwann gesundheitlich aus der Bahn warf. Haarausfall, Gedächtnisverlust, ständige Müdigkeit – ihr Körper signalisierte deutlich, dass etwas nicht stimmte. "Es war ganz merkwürdig, weil niemand genau wusste, welche Ursache dahinter steckt", erinnert sie sich zurück. Irgendwann brachte ein Arzt endlich die entscheidende Erkenntnis und riet ihr eindringlich, aktiv zu werden.

Sport sollte ihr Weckruf sein. Also probierte sie alles Mögliche aus: Joggen, Bauchtanz, verschiedenste Kurse. Und dann begegnete sie Aikido. "Damals war die japanische Kampfkunst in der Region Fulda noch kaum bekannt. Doch als ich die Matte betrat, spürte ich sofort: Das ist es. Das habe ich immer gesucht", verdeutlicht sie im Interview gegenüber O|N. Aikido wurde für sie weit mehr als nur ein Sport. Es wurde ein zweites Zuhause.

Die Reise nach Japan: "Lernen von den Besten"

Der Wunsch, an den Ursprung der Sportart zu gehen, wuchs ganz schnell. Monika sparte, erhielt eine Empfehlung und flog mit gerade einmal 24 Jahren für ein halbes Jahr nach Japan. Dort trainierte sie, lernte von den Besten der Welt und tauchte ein in eine Kultur, die sie forderte und vor allem formte. "Die Rückkehr nach Deutschland war wie ein Kulturschock. Während in Japan Ruhe, Konzentration und Respekt den Alltag bestimmten, war hier alles laut und hektisch", erzählt die heute 61-Jährige. Dennoch blieb sie ihrem Weg treu. Sie arbeitete, sparte erneut und kehrte 1990/91 wieder nach Japan zurück. Wieder in Deutschland trainierte sie in Büdingen, doch ihr Herz zog sie in die Domstadt nach Fulda.

Dort gab es damals noch keine Aikido-Schule. Also entschied sie: "Dann mache ich es selbst." Sie begann zu unterrichten – erst in gemieteten Räumen, später erfüllte sie sich ihren großen Traum: eine eigene Schule. 2007 baute sie in Künzell (Landkreis Fulda) einen 80-Quadratmeter-Trainingsraum an - einen Ort für Gymnastik, Entspannung und vor allem Aikido. "Es ist etwas, was ich schon immer machen wollte. Diese Kampfkunst fasziniert mich so sehr", bringt sie auf den Punkt.

Eigene Aikido-Schule eröffnet - "mein Lebenstraum"

Aikido ist für Monika keine Kampfsportart, sondern eine Kunst. "Prüfungen sind für mich keine Wettkämpfe, sondern Wegmarken: Wo stehe ich? Was habe ich gelernt? Frauen und Männer begegnen sich hier auf Augenhöhe", so die 61-Jährige. Es geht viel um Körpergefühl, Selbstbewusstsein und um die Fähigkeit, den eigenen Platz im Leben einzunehmen. Genau das gibt sie ihren Schülerinnen und Schülern weiter. Welche Eigenschaften braucht man, um erfolgreich zu sein? "Ganz viel Durchhaltevermögen – man muss Aikido wollen", sagt sie.

Der Weg zur eigenen Schule war hart. Monika arbeitete, baute, organisierte und das sogar jahrelang ohne Pause. Und doch erinnert sie sich gerne an den Moment, als sie die Treppe zu ihrem Dojo hinunterging und dachte: "Ja. Alles richtig gemacht." Nichts davon wurde ihr geschenkt. Und trotzdem war es genau das, was sie schon immer wollte.

Ein Leben voller Mut, Ausdauer und Faszination

Heute, mit 61 Jahren, blickt sie auf ein bewegtes Leben zurück. Sie hat Aikido unterrichtet, Gymnastikkurse gegeben, Selbstbehauptungstrainings geleitet, als Feuerlauftrainerin Menschen über glühende Kohlen begleitet und eine Praxis für Naturheilmassagen aufgebaut. Corona hat zwar vieles erschwert – doch die Essenz ist geblieben: die Liebe zur Bewegung und die Freude daran, Menschen zu stärken.

Was sie am meisten geprägt hat? "Definitiv Japan. Die Zeit dort hat mich begleitet – im Guten wie im Schlechten. Die Opfer, die ich gebracht habe, haben sich gelohnt." Sie würde heute nicht mehr dorthin ziehen, aber das Gelernte trägt sie für immer in sich. (Julia Schuchardt)+++

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