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Das O|N-Sportgespräch vor Ort

Westernreiterin Lynn Troppenz liebt ihre Arbeit mit den glücklichen Pferden

Westernreiterin Lynn Troppenz mit den Pferden Dasher, Tyson und AJ (von links)
Fotos: Maurice Schumacher

05.10.2026 / KÜNZELL - Seit sie laufen kann, hat Lynn jeden Tag Pferde um sich: Mit vier Jahren war sie das erste Mal in einem Westernstall in ihrer Heimat im Bergischen Land bei Köln. Damals war die heutige Pferdewirtin und Westernreiterin in den Ferien praktisch Tag und Nacht im Reitstall, pennte im Wohnwagen nebenan.


Aus dieser Kindheitsliebe ist ihr Beruf geworden. Mittlerweile lebt Troppenz in Osthessen und arbeitet von hier aus hauptberuflich mit den Pferden.

Zudem ist sie eine erfolgreiche Reiterin und hat in diesem Jahr jede Menge Medaillen gewonnen. Gemeinsam mit den Pferden gewann sie die Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften vor wenigen Tagen in Rieden/Kreuth (Bayern). Die Pferde tragen die Schärpen von vier Disziplinen von der diesjährigen Hessenmeisterschaft.

Wir haben Lynn - sie möchte nur mit Vornamen genannt werden, das sei in der Reiterszene so üblich - und ihre Pferde in Engelhelms (Künzell, Landkreis Fulda) für unsere Serie "Das OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch vor Ort" besucht. Sofort ist das Zusammenspiel von Lynn und den Vierbeinern spürbar. "Jedes Pferd hat einen anderen Charakter. Für mich ist es wichtig, herauszufinden, was ihnen Spaß macht. Wenn sie glücklich sind und Vertrauen zu mir aufgebaut haben, sind sie bereit, alles für mich zu machen", sagt Lynn. Die enge Beziehung ist ihr wichtig. Ihre Pferde stehen zusammen auf der Koppel, können sich nach Herzenslust wälzen und ihren Sozialtrieb ausleben. "Das ist auch während der Turniere so", sagt sie. Und: "Wir sind eine Gemeinschaft, betreiben den Sport gemeinsam, sitzen abends zusammen, manchmal spielt eine Countryband", erzählt sie vom eher lockeren Miteinander der Westerreiterszene.

Was das Westerreiten vom klassischen Pferdesport unterscheidet? Beim Westernreiten gibt es über zehn unterschiedliche Disziplinen. Troppenz mag vor allem die Ranch Riding, Ranch Rail und die Jungpferde Klassen. Im Westernreitsport gibt es eine Vielzahl abwechslungsreicher Disziplinen, die ihren Ursprung in der täglichen Arbeit der Cowboys auf den amerikanischen Ranches haben.

In unserem Gespräch merke ich schnell: Lynn spricht immer von "wir" und meint damit die Beziehung von ihr als Mensch und dem Pferd. Neben dem Sport leitet sie ihr eigenes Unternehmen (Link): Sie ist Physiotherapeutin, Osteopathin für Pferde und Pferdewirtin der Spezialreitweise Western und praktisch deutschlandweit mit dem Schwerpunkt zwischen Würzburg und Gießen unterwegs. Sie gibt Erwachsenen beispielsweise auch in Berlin Reitkurse. Ein weiterer Baustein ihrer Selbstständigkeit ist der "Beritt", also das Einreiten von verhaltensauffälligen Pferden, Verkaufspferden und Pferden, die auf Turnieren vorgestellt werden sollen.

Die Vierbeiner stehen in ihrem Mittelpunkt. Selbstredend, dass sie jeden Tag und Nacht für sie da ist. "Meine Pferde ernähren sich besser als ich", lacht Lynn. Sie erstellt für jedes Pferd individuelle Futterpläne. Dass es den Pferden gut geht, steht für sie an erster Stelle. "Mir ist es außerdem sehr wichtig, dass die Pferde regelmäßig ausreiten gehen", sagt Lynn. Ein individueller Trainingsplan gehört ebenfalls dazu. "Ich möchte, dass das Pferd Vertrauen zu mir hat", beschreibt Troppenz. Schließlich stammt das Westernreiten von der täglichen Arbeit der Cowboys auf den riesigen Ranches in Nordamerika. Dass Lynn mittlerweile in Osthessen lebt, hat sie der Politik von Donald Trump "zu verdanken". Nach einem sechsmonatigen Aufenthalt in Kanada arbeitete sie drei Jahre in den USA und hätte in Colorado einen neuen Job annehmen können. Sie wollte deshalb komplett auswandern. Das notwendige Arbeitsvisum blieb ihr jedoch verwehrt. Deshalb kehrte sie nach Deutschland zurück.

Eigene Halle auf der Reitsportmesse in Gießen

Nun führt sie ihr Herzensprojekt von Engelhelms aus fort. Was als Nächstes ansteht? Vom 23. bis 25. Oktober dieses Jahres ist sie auf der Reitsportmesse in Gießen dabei: "Wir haben dort erstmals eine ganze Halle nur fürs Westerreiten", sagt sie. Und vielleicht klappt es im nächsten Jahr sogar mit einem Westernreitturnier in Osthessen. Leider halten sich Vorurteile gegenüber den Westernreitern. Angeblich würde dies dem Sandboden der Turnierplätze schaden. Diese Vorbehalte möchte sie abbauen und mit mehr Menschen in der Region ihre beeindruckende Leidenschaft für das Westernreiten teilen. Schließlich hat sich an ihrer Liebe zu den Pferden von klein auf nichts geändert. (Hans-Hubertus Braune) +++

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