Echt jetzt! (116)

Wenn ich König von Deutschland wär' - Bemerkungen von Rainer M. Gefeller

König der Narren: Kasperle.
Symbolfoto: Pixabay

03.07.2026 / REGION - Glauben Sie mir: Ich wäre ein guter König. Ich habe den alten Hit von Rio Reiser sorgfältig studiert. So schräg wie bei dem alten linken Vogel wird’s bei mir natürlich nicht zugehen, sondern stockseriös. Hundertprozentig! Der König befiehlt: Gute Laune. Hitze-Verbot in Deutschland. Freie Plätze für Senioren an den Theken dieser Republik. Lärm-Erlaubnis für alle Kinder. Neue Zähne und neue Haare für alle Bedürftigen. Mitspracherecht für Künstler bei sämtlichen politischen Entscheidungen. Jeden Morgen frische Brötchen vor der Wohnungstür. Und jeder Mensch, der uns begegnet, hat das Recht, freundlich gegrüßt zu werden. Ganz schön irre? Na, warten Sie mal ab. Singen Sie doch schon mal Reisers Refrain, damit Sie in Stimmung kommen: "Das alles und noch viel mehr, würd" ich machen, wenn ich König von Deutschland wär"."



"No Kings!" Diese Forderung von einigen Millionen Amis hat mich schon schwer getroffen. Sie meinten natürlich ihren Herrn, der es allenfalls zu einem einfachen Despoten gebracht hat. Für meinen Geschmack zu reich geworden durch Erbschaft und zu mächtig durch das amerikanische Wahlsystem. Aber das müssen die da drüben ja selbst wissen. Da lobe ich mir den britischen Kollegen Charles. Der bringt sogar seinen Pflanzen mehr Zuneigung entgegen als manche total Mächtige ihrem eigenen Volk.

Charly, wie ich ihn heimlich nenne, spricht mit seinen Blumen. "Ich glaube, dass es ihnen hilft, schöner und fleißiger zu blühen", hat er gesagt, als er noch Prinz war. Manchmal freilich brät er ihnen auch eins drüber: "Ich drohe ihnen auch, sie auf den Kompost zu werfen, wenn sie nicht blühen." Siehste, man kann doch von den echten Königen lernen. Wer mit seinen Blumen menschlich umgeht, ist bestimmt auch ein großartiger Volks-Versteher.


"Die Würde des Menschen ist unantastbar." Das ist der erste Satz in unserem Grundgesetz, der wird in jeder zweiten Festrede zitiert. Aber weshalb steht der da? "Wo alles zerbröselt, was herkömmlich der Gesellschaft Zusammenhalt bot, christliche Religion und kulturelle Überlieferung, bürgerliche Lebensform und nationale Solidarität, findet die Gesellschaft zur Einheit im Bekenntnis zur Menschenwürde." Das notierte der Staatsphilosoph Josef Isensee. Solange das Grundgesetz gültig ist, muss sich jeder daranhalten – sogar irgendwelche Möchtegern-Könige. Wäre schön, unsere Verfassungs-Schöpfer hätten aus der Unabhängigkeitserklärung der USA (morgen vor 250 Jahren verabschiedet, am 4. Juli 1776) noch einen schönen Grundsatz abgeschrieben: Zu den "unveräußerlichen", vom Staat zu schützenden Rechten zählt auch das "Streben nach Glück". Wenn ich König wäre, würde ich sagen: Lasst uns das einfach übernehmen. "Das alles und noch viel mehr, würd" ich machen..."

Und das hier übrigens auch: Ein Gute-Laune-Tag pro Woche ist Pflicht für alle. Wer dagegen verstößt, zahlt zehn Euro in die Miesmacher-Kasse. Wer sich dauerhaft verweigert, wird feierlich ausgelacht. Für die Schlechtgelaunten gibt es keine schlimmere Strafe.

In unseren Städten (ja, auch und vor allem in Fulda) müssen im "Dunst"-Kreis der Kneipenviertel alle hundert Meter Toiletten-Häuschen aufgestellt werden. Damit die Trinknasen die Hauseingänge und Vorgärten unserer Bürgerinnen und Bürger verschonen.

Ist jetzt nicht gerade Fußball-WM? Hatten wir nicht eigentlich ein Abo auf den Weltmeister-Titel? Hallo, Kumpels – schämt Euch! Kraft meiner Wassersuppe verfüge ich, dass ihr alle mal wieder ganz klein anfangt. Mit Minigolf. Vielleicht kehrt dann ja wieder ein wenig Ballgefühl zurück.

Über die Fußball-Kunst der Unsrigen lässt sich leider nichts Sinnvolles mehr sagen, außer vielleicht von Matthias Brandt. Es sei "nichts Kostbares mehr" am Fußball, klagte er in der ZEIT, er fühle sich "wie ein enttäuschter Liebender". Unseren Akteuren ermangele es an "Gerissenheit", wohl auch den zahllosen Fußball-Kommentatoren: "Viel zu viel Gerede am Spielfeldrand." Fußball-Profis würden sich heute "als Gangsta-Rapper oder Rockstars" stilisieren. Da muss der Schauspieler Brandt vielleicht lächeln, denn: "Im Fernsehen sehen die älter und verwegener aus, als sie sind. Wenn man die mal real, von Angesicht zu Angesicht sieht, merkt man, dass das eigentlich Kinder sind." Stimmt, genauso isses es. Die deutsche WM-Show war nichts als eine alberne Kinderstunde.

Vor vielen Jahren hat mir ein Freund für den Fall eines Job-Wechsels einen wertvollen Rat erteilt: "Lieber ein König in einem kleinen Reich als ein Hanswurst in einem Weltkonzern." Da hatte er Recht. Was würde ich machen, wenn ich König von Fulda wär"? Jeden Tag gäbe es in den Eisdielen eine Happy Hour für Kinder. Und wir brauchen mehr Kümmerer für all jene, um die sich sonst niemand kümmert. Der Uni-Platz wird zum Park – Büsche, Bäume, Gras anstelle der unfreundlichen Steinplatten. Und wenn wir schon dabei sind: auch in den angrenzenden Gassen und Plätzen wäre mehr Grün ein Gewinn für Luft und Laune! Freundinnen und Freunde, das ist erst der Anfang. Unser Vorbild sei Kasper, der König der Narren. Dessen Grundgesetz hat Joachim Ringelnatz aufgeschrieben:

"Aber gebt dabei recht acht,
Dass ihr nicht danebenlacht.
Wer hier stört und wer nicht gut
Aufpasst, kriegt eins auf den Hut."

Seien wir ehrlich: den Traum von Rio Reiser haben wir alle schon geträumt, kurz vorm Einschlafen:

"Jede Nacht um halb eins, wenn das Fernsehen rauscht
Leg ich mich aufs Bett und mal mir aus
Wie es wäre, wenn ich nicht der wäre, der ich bin
Sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin."

Der Fernseher rauscht nicht mehr zum Programm-Schluss, das nächtliche Testbild ist auch futsch. Stattdessen wird rund um die Uhr jede Menge kleingeistiger Müll über uns geschüttet. 1986 hat Ralph Christian Möbius, wie "König Reiser" in seinem Kinderleben hieß, sein wunderbares und erfolgreichstes Lied veröffentlicht. Plötzlich grölte die halbe Republik den Song des einstigen Anarcho-Sängers. Sein wildes Leben ging viel zu schnell zu Ende, im Sommer 1996. Reiser wurde nur 46 Jahre alt.

Kommt die größte Hitze erst noch? Kann schon sein, prophezeit bestimmt auch ihr Lieblings-Meteorologe in glasklarer Schwammigkeit. Für unverschämte Sommer-Exzesse verfügt der König: Sonnenhüte, Sonnenschirme, Sonnencreme für alle, gratis. Jede Stunde Wasserstops für alle, die draußen arbeiten müssen. Wassermelonen braucht das Volk! Hitzefrei in Home-Office, Schulen und Unis ab 28 Grad. Freibäder bleiben rund um die Uhr geöffnet und spielen ab 22 Uhr in Dauerschleife "Nightswimming" von R.E.M. Wenn die Hitze nicht mehr zu ertragen ist, schicken wir unsere Kinder in die Sommerfrische von Alaska. Wetterkundler, die uns mit ihren Prognosen in die Irre führen, werden feierlich an den Social-Media-Pranger gestellt.

Langfristig gilt: Temperaturen über 30 Grad sind in Deutschland verboten. Der Wetter-Backofen mag wie gewohnt in Griechenland, Italien, Südfrankreich, Spanien und noch weiter südlich in Betrieb bleiben – aber nicht bei uns! Ist mir egal, was die sonst so tüchtigen Forscher dagegen erfinden. Gibt es eine wichtigere Aufgabe als den Kampf gegen das Mord-Klima? Wie wär’s mit einer Hitzesperre am Alpenkamm? Oder mit einem gigantischen Weltraum-Schirm, der die Sonnenstrahlen abfängt? Oder mit einem gewaltigen Geistes- und Entscheidungs-Akt unserer Welt gegen den Terror des Klimawandels? Wer soll das bezahlen? Natürlich der, der sein Geld sowieso nie im Leben sinnvoll ausgeben könnte: Unser Weltraum-Pate Elon Musk möge da ruhig mal was locker machen. Dann wird er vielleicht sogar beliebt.

Ja, das Wetter; schlimm, schlimm. Aber der Fußball-Schmerz, der beißt noch grausamer. Die Wunde ist noch frisch. "Jetzt können sie nicht mal mehr Elfmeterschießen", höhnt die vornehme FAZ. Da hilft nur Üben, Üben, Üben. Aber mit welchem Übungsleiter? Albert Riera ist vielleicht zu haben. Sie erinnern sich bestimmt - das ist diese Heimsuchung der Frankfurter Eintracht. Senor Rieras wirre Auftritte haben uns direkte Rückschlüsse auf die Qualität seiner Fußball-Strategie ermöglicht. Bei Nagelsmann klang das nicht so kauderwelschig, aber besser gespielt haben "unsere Jungs" dennoch nicht. BILD sagt uns, was passiert: "Jetzt muss Klopp kommen." Aber will der überhaupt? Und hat der Mann noch Termine frei angesichts all seiner kostenpflichtigen Fernseh-Auftritte? Zum Beispiel für Trivago, Deutsche Vermögensberatung, Erdinger Weißbräu...

Nebenher macht er auch Werbung für sich selbst. Sieht gut aus, der Mann, oder? Wenn sich bei Fußballern "auf dem Kopf größere Lücken auftun als in der Abwehr des Gegners", fachsimpelte "t-online" 2020, dann komme häufig ein Haar-Transplanteur aus Düsseldorf ins Geschäft. Der Mann habe auch bei Jürgen Klopp "das Problem bei der Wurzel" gepackt – damals, als er noch Trainer beim BVB war. Klopp sei bedürftig gewesen wegen seiner Geheimratsecken, einem typisch männlichen Haarausfall oberhalb der Schläfen. Und dann sind da noch seine Zähne. Wenn er lächelt, fürchten wir, ein Puma wolle uns jeden Augenblick in den Hals beißen.

2017 hat Klopp, damals Trainer in Liverpool, die Fußballwelt verblüfft. "Wo früher leicht gelbe und etwas schiefe Beißer waren", urteilte das Männer-Fachblatt GQ, "blitzte auf einmal eine strahlend weiße Kauleiste." Der Meister hatte sich "Veneers" überstülpen lassen, sowas wie falsche Fingernägel für die Zähne. So muss man aussehen, wenn man Weltmeister werden will! Und da jeder Deutsche im Zweitberuf Bundestrainer ist, haben wir auch alle ein Recht auf diese Volksbeißer und auf volles Haar, auch die älteren Hair-Loser. Die Kasse muss zahlen. Zahlt ja sonst kaum noch was. Sie wissen ja: "Das alles und noch viel mehr..." Fortsetzung folgt, vielleicht.

Wenn man König ist, kriegt man auch schöne Hymnen gesungen. Hören Sie mal hin!

Beatles, Sun King: https://www.youtube.com/watch?v=PHZ44PhKmvM&list=RDPHZ44PhKmvM&start_radio=1

Counting Crows, Rain King: https://www.youtube.com/watch?v=FEL48-0xRAA&list=RDFEL48-0xRAA&start_radio=1

Elvis, King Creole: https://www.youtube.com/watch?v=Xl1Qgy0Jsjo&list=RDXl1Qgy0Jsjo&start_radio=1

The Police, King Of Pain: https://www.youtube.com/watch?v=tFN5DveQH0o&list=RDtFN5DveQH0o&start_radio=1

Roger Miller, King Of The Road: https://www.youtube.com/watch?v=WrhAC0dFis0&list=RDWrhAC0dFis0&start_radio=1

Sade, Your Love Is King: https://www.youtube.com/watch?v=k1ljpLQ1V6Y&list=RDk1ljpLQ1V6Y&start_radio=1

Tom Petty, It’s Good To Be King: https://www.youtube.com/watch?v=2SF1iLXSQto&list=RD2SF1iLXSQto&start_radio=1

Go West, King of Wishful Thinking: https://www.youtube.com/watch?v=XBZUz4C6kqk&list=RDXBZUz4C6kqk&start_radio=1

The Hollies, King Midas In Reverse: https://www.youtube.com/watch?v=h-k5luswRic&list=RDh-k5luswRic&start_radio=1

Electric Light Orchestra, Rock’n’Roll Is King: https://www.youtube.com/watch?v=21VeAmPOBzI&list=RD21VeAmPOBzI&start_radio=1

God Save The King, Britische Nationalhymne: https://www.youtube.com/watch?v=2WPxqTraBYY

Song aus König der Löwen

Hakuna Matata: https://www.youtube.com/watch?v=0JY3vtN-K8E

Rio Reiser, König von Deutschland: https://www.youtube.com/watch?v=BzGHhaMUqSQ&list=RDBzGHhaMUqSQ&start_radio=1

Jürgen Drews, König bleibt König: https://www.youtube.com/watch?v=xnPA3uGKt-s&list=RDxnPA3uGKt-s&start_radio=1 (Rainer M. Gefeller)+++

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