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Artur, "H.-W." und Jürgen: Vom Schaufenster zum Feuerwehrmuseum

„Die Drei vom Museum“: Artur Schnitzer, „H.-W.“ Borchard und Jürgen Geissler.
Fotos: goa

05.02.2024 / ALSFELD - Große Feuer, kleine Feuer, Hochwasser, technische Hilfeleistungen: Es muss eine verdammt hohe Zahl von Einsätzen gewesen sein, die sie in ihrer aktiven Zeit gefahren sind, voller Leidenschaft und beseelt von dem Gedanken, als Helfer dem Nächsten zur Seite zu stehen – 365 Tage im Jahr. Ihre aktive Zeit in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Alsfeld ist zwar schon eine Weile vorbei, doch die Leidenschaft ist geblieben, sie hat nur einen neuen Pfad gefunden: Artur Schnitzer, Heinz-Walter Borchard und Jürgen Geissler gehören zum Vorstandsteam der Oldtimerfreunde.



Vor einigen Wochen schlug ihr Herz besonders schnell: in der Innenstadt konnte in Sichtweite des Rathauses das kleine, aber feine private Alsfelder Feuerwehrmuseum eröffnet werden. OSTHESSEN|NEWS würdigt das "Macher-Trio" mit der Jubiläumsfolge unserer Serie.

Als 2008 die Oldtimerfreunde entstanden, hätte wohl keiner der ehemaligen Feuerwehr-Einsatzkräfte an ein vereinseigenes Museum in bester Innenstadtlage gedacht. Der Verein wurde 2010 als gemeinnützig anerkannt und wuchs auf knapp 40 Mitglieder an. Eine stattliche Zahl von historischen motorisierten Einsatzfahrzeugen, zum Teil im Vereins-, zum Teil im Privatbesitz, gehört inzwischen ebenso zum Fundus wie die ganze Bandbreite von Ausrüstungsgegenständen und Uniformen.

Aus einem Schaufenster wird ein Museum

Um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zu stärken, wurde Ende 2022 zunächst das Schaufenster eines ehemaligen Ladengeschäftes in der Mainzer Gasse mit Devotionalien dekoriert. Gebäudeinhaber Artur Schnitzer ist gleichzeitig Vorsitzender der Oldtimerfreunde. Durch die günstige Lage auf dem Weg zum Marktplatz verfehlte die Maßnahme ihre Wirkung nicht, sondern stachelte vielmehr die Phantasie des Vorstands an. Als sich immer mehr kleine "Schätzchen" anhäuften, nutzte man die äußerst günstige Konstellation. Schnitzer, Borchard und Geissler machten sich an die Arbeit, bastelten und beschafften Schaukästen und Regale, sodass mit viel Liebe zu den historischen Details ein kleiner Traum wahr wurde: das Alsfelder Feuerwehrmuseum entstand und wird seither von dem Trio betreut. Ihre Erreichbarkeiten sind an der Eingangstür ausgehängt, so dass Interessierte nur noch anrufen müssen: "Einen kriegt man immer", lachen sie und freuen sich über jeden Anruf.

Internationale Besucher aus der Feuerwehrfamilie – Gänsehaut!

Durch die Todesfälle von Werner Karow und Helmut Knierim entstand aus deren Hinterlassenschaft eine Feuerwehr-Modellautosammlung, die ihresgleichen sucht. Kleine und große Dinge kommen ständig hinzu, wie aktuell die Druckspritze aus Vadenrod. Jürgen Geissler: "Das Museum ist bei uns eine absolute Leidenschaft geworden!" Er war 35 Jahre im DRK Zugführer der Betreuungseinheit des Vogelsbergkreises. "H.-W." Borchard bestätigt nach den ersten Betriebswochen die Begeisterung: "Auswärtige Besucher nehmen auf ihrem Gang durch die Innenstadt Kontakt mit uns auf: Menschen aus Hamburg, Berlin, England, Ungarn, Australien, Jordanien und der Ukraine sprachen uns an, zückten ihren Feuerwehr-Ausweis und schon ist man immer wieder in tollen Gesprächen und bekommt eine Gänsehaut. Feuerwehrleute sind auch international wie eine Familie!"

Artur Schnitzer appelliert an die Leser: Wer zu Hause infrage kommende Exponate findet, möge gerne Kontakt aufnehmen, bevor entsorgt wird. "Gerade kürzlich hat jemand im Keller eine alte FFW-Jacke gefunden, über die wir uns gefreut haben!"

Freier Eintritt!

Für das Museum erhebt man bewusst keinen Eintritt. Zur Deckung der Vereinsausgaben sind daher Spenden immens wichtig, um die Miete für das Museum und mehrere Fahrzeugabstellorte sowie die Kosten für die Fahrzeuginstandsetzung, Wartung und TÜV stemmen zu können. Ausdrücklicher Dank gelte neben der Stadt Alsfeld den Firmen Riegelmann, Autohaus Hartmann und der City Ambulanz.

Jürgen Geissler beschreibt ein perspektivisches Ziel, das mit dem Museum anvisiert wird: "Wir wollen mittelfristig Schulklassen animieren, sich das hier anzusehen. Damit verbinden wir die Hoffnung, die Jugend verstärkt für die Feuerwehrarbeit zu interessieren und so das Ehrenamt für die Zukunft zu stärken, gerne auch mit Blick auf DRK und THW." Geissler verweist auf den personal- und zeitintensiven Einsatz der Hilfsdienste beim Autobahn-Schneechaos im Januar: "Früher hätte man ohne Probleme eine Schicht der Helfer durch die nächste ausgetauscht, heute gibt es aus den eigenen Reihen keine nächste Schicht mehr und man muss Ablösungskräfte aus der Nachbarschaft hinzuziehen."

Den nächsten Schritt träumen

Auch wenn mit dem Feuerwehr-Museum ein erster Traum Realität wurde – natürlich träumt das Vorstands-Trio munter weiter. "Eine Örtlichkeit, an der wir auch innerhalb der Stadt den Besuchern unsere bisher dezentral abgestellten motorisierten Fahrzeuge präsentieren können, das wäre klasse!" Man ahnt es schon: hinter den Kulissen wird fleißig geplant und verhandelt, damit vielleicht bald auch dieser nächste Schritt Wirklichkeit wird. (goa) +++

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