Berufe, Berufungen, Menschen (32)

Schwester Christa: Die biologische Gartenarbeit in der Abtei St. Maria

Schwester Christa Weinrich mit einem ihrer Bücher im Klostershop…
Fotos: goa

02.10.2023 / FULDA - Eine Lehrerin aus Kassel wurde zur Nonne in Fulda. Das bereits vorhandene Interesse an der Gartenarbeit wurde dort durch eine hochbetagte europäische Pionierin im biologischen Gartenbau befeuert, mit der sie noch zwei Jahre arbeiten konnte. Ihr verantwortliches Wirken im Klostergarten der Abtei St. Maria beschreibt Schwester Christa Weinrich als "Gesamtberufung". OSTHESSEN|NEWS hat sie bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen in einem schon herbstlichen, aber immer noch überraschend farbenfrohen Klostergarten im Herzen Fuldas besucht.



Die ursprünglich aus Kassel stammende Schwester Christa Weinrich lebt seit 1976 im Kloster der Abtei St. Maria in Fulda. Sie war zuvor als Lehrerin tätig und lernte das Kloster durch Tage der Besinnung und Begegnung kennen und schätzen, bis sie der Überzeugung folgte, dass es ihr Weg sei, sich als Nonne dem Fuldaer Kloster anzuschließen. "Bei meinem Eintritt in 1976 hatte ich von biologischem Gartenbau noch gar keine Ahnung", blickt sie zurück. Bei der Gartenarbeit im etwa 2.000 Quadratmeter großen Klostergarten lernte sie aber in den beiden ersten Jahren eine Ikone und europäische Pionierin der klösterlichen biologischen Gartenarbeit, Schwester Laurentia Dombrowski, kennen – und der Funke sprang über. "Wie sie mit anderen Schwestern unbeirrt und auch gegen frühere Widerstände ihren Weg gingen, das war faszinierend", beschreibt Schwester Christa die damalige Situation.

Schwester Laurentia sei Mitte / Ende der 40er Jahre noch gar nicht ernst genommen worden, entwickelte aber die Überzeugung, den zu bestellenden Boden als anvertrautes Gut nicht mit Chemie zu vergiften. Spannend sei auch ihre Faszination für richtiges Kompostieren: Schwester Laurentia übersetzte wegen ihrer hervorragenden Englisch-Kenntnisse eine Klosterchronik der Abtei Stanbrook, North Yorkshire / England. Dabei stieß sie auf eine Notiz, wonach im dortigen Klostergarten mit einem Kräuterpulver namens "Quick Return Powder" gearbeitet werde, das Gartenabfälle in kürzester Zeit in Humus verwandele. Man ließ sich eine Pulverprobe nach Fulda schicken, und siehe da, innerhalb weniger Wochen bestätigte sich auch hier die unglaubliche Wirkung.

Schwester Laurentia übersetzte sodann ein Buch der englischen Entwicklerin des Pulvers ins Deutsche. Dies alles kann als Startschuss in Deutschland angesehen werden, denn nun war das Kloster in der Lage, die eigenen Grundstücke auf beste und billigste Art ohne chemische Düngemittel zu fruchtbaren Böden zu verwandeln. Es entstanden handabgezogene Informationszettel "Winke für den Biogärtner", aus der sich eine kleine, heute noch bestehende gleichnamige Zeitschrift entwickelte – Schwester Laurentia stammte aus Schlesien, und ein "Tipp" war dort ein "Wink". Schwester Christa arbeitet gerade an Heft 3 des Jahres 2023. Es war von Anfang an die Idee von Schwester Laurentia, dass das erworbene Wissen weitergegeben wird, daher trat sie schon in frühen Jahren in Radiosendungen auf und verfasste einschlägige Schriften.

Verkaufsschlager für die Kompostierung und als Dünger

Das optimierte "Kräuter-Wunderpulver" wurde und wird in der Abtei St. Maria unter dem Namen Humofix hergestellt und vertrieben. Es fing mit drei Tütchen à 1,2 Gramm im Monat an, die an der Klosterpforte weitergegeben wurden. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda stieg der Absatz stark an, das Pulver mauserte sich zum absoluten Verkaufsschlager – heute sind es etwa 40.000 Tütchen im Jahr, die überwiegend im Versand an Kunden in der ganzen Welt abgesetzt werden. Schon kleine Mengen sind extrem wirksam: 1,2 Gramm in Wasser aufgelöst aktivieren zwei Kubikmeter Kompostmasse ohne Fäulnisnester. Damit nicht genug: "Alternativ wird die Lösung auch zum Gießen verwendet.

Hierauf machten uns erst Kunden aufmerksam unter Beifügung von Fotos ihrer prächtig gediehenen Pflanzen wie Tomaten, Gurken, Erbsen und Bohnen – wir wollten das erst gar nicht glauben, aber es hat sich bestätigt!", lacht Schwester Christa. Im Klostershop hält sie das Wundermittel vor die Kamera, nicht ohne einen Hinweis auf weitere Produkte des Klostershops: Gartenschriften aus der Feder von Schwester Laurentia und Schwester Christa, Backwaren und Konfitüren aus der Klosterküche, aus der Nähstube Lavendel-, Amaranth- oder Dinkelkissen. Der Klosterhonig stammt vom Fuldaer Imker Olaf Koch – seine fleißigen Bienen waren uns bereits beim Rundgang im Klostergarten begegnet.

Neben der Gartenarbeit im Kloster studierte Schwester Christa "nebenbei" Gartenbau, was ihr durchaus auch Spaß gemacht und den Abschlusstitel einer diplomierten Gartenbauingenieurin eingebracht habe. "Mehr gelernt habe ich aber durch Schwester Laurentia und das gemeinsame Arbeiten mit den Schwestern hier im Klostergarten", weiß sie zu berichten. Ihr Faible für die Gartenarbeit habe sie wohl von der Großmutter geerbt, die in der Gartenarbeit ihr Lebensglück gefunden hatte – und, wie Schwester Laurentia, den Funken überspringen ließ. "Man kann sagen, dass ich das Vermächtnis von Schwester Laurentia angetreten habe, die 1978 im Alter von 90 Jahren verstarb. Ihre direkte Nachfolgerin Schwester Oliva übergab die Nachfolge dann an mich."

Die Suche nach Gott und dem Sinn des Lebens

Es liegt auf der Hand, dass die Arbeit im Klostergarten für Schwester Christa mehr ist als "nur" die Arbeit eines Gärtners. "Die Gartenarbeit ist eingebettet in die Gesamtberufung, die ich hier spüre. Als Benediktinerin im Kloster zu leben, bedeutet, auf der Suche zu sein nach Gott und dem Sinn des Lebens, immer wieder neu, und immer wieder mit der Erfahrung, dass Gott uns nahe ist, uns begegnet. Das erfahre ich persönlich in der Gartenarbeit immer wieder: die Freude an der Schöpfung, aber auch die Bereitschaft, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen. Dazu gehört auch, immer mehr Menschen dazu zu bringen, ihre Verantwortung auch im ganz kleinen zu erkennen."

Schwester Christas Situationsbeschreibung fällt ambivalent aus: "Es macht uns Mut, dass immer mehr junge Menschen und kleine Familien versuchen, verantwortungsbewusst mit der Natur umzugehen, auch wenn es andererseits immer noch viel Gleichgültigkeit in der Gesellschaft gibt. Wir können allerdings feststellen, dass die Nachfrage bei Sprechstunden und Besuchen im Klostergarten zugenommen hat!".

Wer neugierig geworden ist, hat vor der Winterpause noch eine allerletzte Chance auf eine Führung im Heilkräutergarten der Abtei: Samstag, 7. Oktober, 15 Uhr. Weitere Führungen und Telefon-Sprechstunden wird es dann wieder ab März geben. (goa) +++

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