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Michael Voigt: "FULDA"-Kapitän und Minenjagdoffizier

Kommandant und Kapitän Michael Voigt vor „seiner“ FULDA
Fotos: Privat, M. Voigt / Deutsche Marine

15.01.2024 / BREMEN / FULDA - Wie kommt ein "mitteldeutscher" Mann mit Heimat in Halle/Saale, Sachsen-Anhalt, und einem Dienstort Kiel zu einem "Identifikations-Hotspot" Fulda? Michael Voigt ist Berufssoldat der Bundeswehr, und zwar als Korvettenkapitän und Kommandant des Minenjagdbootes "Fulda". Für unsere O|N - Serie hat er seinen maritimen Werdegang Revue passieren lassen.



Ein Großonkel als "Kapitän zur großen Fahrt" und etliche Seeurlaube weckten das Seefahrer-Gen in ihm. "Die Mitbringsel und die Fotos des Onkels und dann die Stimmung an der Küste haben mich fasziniert und ergänzten meine rudersportliche Verbindung zum Wasser." Nach dem Abitur 2007 absolvierte Voigt seinen Grundwehrdienst als Funker auf dem Minenjagdboot Grömitz, einem Schwesterschiff der Fulda – eine positiv-prägende Erfahrung, nach der er Nägel mit Köpfen machte:  2008 begann seine Offizierslaufbahn. Mit der "Frankfurt am Main" war er in Florida und diente auch auf der Gorch Fock. Durch diese Erlebnisse wurde neben dem militärischen Aspekt auch das Reisen auf dem Wasser greifbar, sagt er: "Andere Länder, andere Menschen, andere Kulturen – das ist immer wieder sehr spannend!"

An die Offiziersausbildung und das Bundeswehr-Studium in München reihten sich Speziallehrgänge wie Perlen aneinander. Schließlich galt es, ein hoch spezialisiertes Boot nicht nur seemännisch zu führen, sondern es militärisch-operativ einsetzen zu können und dabei auch noch in der Verantwortung für eine ganze Besatzung zu stehen. Voigt wurde Minenjagdoffizier und umreißt mit einigen Stichworten, was das bedeutet: "Die Erstellung von Unterwasserlagebildern, Minen und Munition finden und gegebenenfalls sprengen, Minen selbst legen und die dahinterstehende Notwendigkeit taktisch-strategisch verstehen, der Einsatz der Schiffs-eigenen Waffensysteme und die Schulung zur Schadensabwehr wie im Falle eines Wassereinbruchs oder im Brandfall."

Die Verwendung als 2. Wachoffizier auf dem Minenjagdboot Dilling wurde zu einer besonderen Wegmarke: Das Boot war 2016 Teil des ständigen NATO-Minenabwehrverbands in Ost- und Nordsee. Es wurden gemeinsame NATO-Übungen gefahren, aber auch Munitions-Altlasten gesucht, gefunden und gesprengt. 2021 wurde er Kommandant der Fulda, seiner heutigen Verwendung.

"Ich bin an Bord der ‚Alte" oder der Chef", schmunzelt Voigt, und erklärt, dass es bei internationalen Einsätzen dann schon mal zu kleinen Missverständnissen kommt: "International spricht man in der Marine beim ‚Chef‘ nicht vom Kapitän, sondern vom Koch."

Kommandant Voigt ist das Bindeglied zum Geschwader, aber auch zur Besatzung, wenn es zum Beispiel gilt, deren Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit den Aufträgen in Einklang zu bringen.

Die 40-köpfige Besatzung, zu der aktuell nur eine Soldatin gehört, umfasst Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit ab sechs Jahren und Wehrdienstleistende. Die Crew formiert sich derzeit, um in wenigen Wochen wieder auszulaufen und die Qualifizierung für mögliche Einsatzlagen für die nächsten eineinhalb Jahre zu bekommen. "Die Fulda sieht nach einem umfassenden Update in der Bremer Herstellerwerft besser aus als vor 25 Jahren und ist auch technisch hochwertiger."

"Gelebte Gemeinschaft"

"Auf Booten ist man dicht beieinander, jeder kennt jeden sehr gut. Das Miteinander wird großgeschrieben. Gemeinschaft leben – gerade auf der Fulda ist das besonders intensiv." Dazu passt die von Voigt beschriebene hohe Identifikation der Soldaten mit "ihrem" Boot, wenn sie an Land nicht ohne Stolz bei der Frage nach ihrer Herkunft sagen: "Ich bin von der Fulda". Das Bootswappen wird mit Stolz getragen, so Voigt.

Das komme nicht von ungefähr: Die Patenschaft wird von der Stadt Fulda, der Marinekameradschaft und der Gesellschaft der Domstadt vorbildlich gelebt. Eine Abordnung der Besatzung nimmt traditionell am Fulda-Marsch und am Rosenmontagszug teil, "natürlich" war man auch auf der Landesgartenschau präsent.

Auslaufen – keine Übung

Voigt ist nach 17 Jahren mit der Entscheidung für die Marine zu 100 Prozent im Reinen, gerade in internationalen Krisenzeiten. "Die Begeisterung und Überzeugung, mit der ich zur Marine gegangen bin, hat nie aufgehört. Am Tag, als der Ukraine-Krieg begann, ist unser gesamtes Geschwader ausgelaufen. An Bord blickte man in viele ernste Gesichter. Alle wussten, wofür wir unsere Ausbildungen und Übungen absolvieren."

Wenn die Küste verschwindet

"Wenn die Küste verschwindet, lässt man viele Dinge hinter sich und hat viele Horizonte vor sich", umschreibt Voigt die Magie der Seefahrt. "Wenn wir in einem fremden Hafen festgemacht haben, gehe ich ganz früh in der Stadt joggen. Ein tolles Erlebnis!" Es wundert nicht, dass er entspannt nach vorn blickt: "Ich hoffe, noch möglichst lange Kommandant zu sein. Danach kann nicht viel Besseres kommen!"

Voigt lebt mit seiner Frau in Kiel, dem Heimathafen der Fulda. Zu Hause hat er das Hobbygärtnern für sich entdeckt - wenn er nicht mit dem Boot auf See ist.

Informationen zu Karrieremöglichkeiten bei der Marine findet man unter www.bundeswehrkarriere.de (goa) +++

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