Millionenaufwand, magische Momente

Festspiele auf der Zielgeraden: Zahlen fehlen - doch die Bilanz fällt positiv aus

Die Pressekonferenz der 75. Bad Hersfelder Festspiele: Die Verantwortlichen ziehen eine positive Zwischenbilanz.
Fotos: Philipp Apel

06.08.2026 / BAD HERSFELD - Die 75. Bad Hersfelder Festspiele sind auf der Zielgeraden - und schon vor dem letzten Vorhang fällt das erste Fazit positiv aus. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch blickten Verantwortliche, Förderer und Künstler mit großer Dankbarkeit auf den Jubiläumssommer zurück. Intendantin Elke Hesse sprach von einer gelungenen Saison, die von einem starken Ensemble, einem engagierten Team und einer breiten Unterstützung aus der Region getragen werde.



Konkrete Besucher- oder Auslastungszahlen wurden bei dem Termin allerdings noch nicht genannt - anders als im vergangenen Jahr. Die endgültige Bilanz steht ohnehin aus: Die Festspiele laufen bis zum 16. August, mehrere Aufführungen stehen noch bevor.

"Es ist wieder Leben in die Stadt gekommen"

Bürgermeisterin Anke Hofmann verglich die Saison mit dem Rekordsommer - inklusive Temperaturen von teilweise über 40 Grad. "Wir hatten noch keinen Festspielsommer, der so war wie dieser. Trotzdem blicken wir mit großer Dankbarkeit zurück und sind von den vielen positiven Resonanzen sehr angetan", sagte sie. Ein Festival dieser Größenordnung sei keine Selbstverständlichkeit. Es sei aus der Bürgerschaft heraus entstanden und werde bis heute von ihr getragen. Und eines sei ohnehin klar: "Ohne starke Partner an unserer Seite wäre eine solche Saison nur schwer möglich."

Neben den großen Produktionen in der Stiftsruine seien auch die Aufführungen im Schloss Eichhof und die zusätzlichen Sonderformate auf großes Interesse gestoßen. Der Spielplan reicht von "Parzival", "Pippi Langstrumpf" und dem Musical "Something Rotten!" bis zu "Lysistrata", "Die Schule der Frauen" und "Achtsam Morden".

Für Hesse war es eine große Ehre und zugleich eine enorme Herausforderung, die Jubiläumsspielzeit leiten zu dürfen. Die Produktionen seien gezielt für die jeweiligen Spielorte entwickelt worden. "Es ist eine große Freude zu sehen, wie das, was man sich zunächst am Reißbrett ausgedacht hat, schließlich Wirklichkeit wird."

Kunst entstehe niemals allein. "Es ist immer ein Miteinander. So war es bei allen unseren Projekten in diesem Sommer." Die hohen Temperaturen hätten Ensemble und Mitarbeiter stark gefordert, insbesondere beim Musical "Something Rotten". Hesse selbst habe während der Saison keinen freien Tag gehabt. "Aber das gehört dazu - das sind die Festspiele. Ich mache es mit einer unglaublichen Freude." Die Intendantin lobte die Leistung des gesamten Teams. Auch die Wirkung auf Bad Hersfeld sei deutlich zu spüren gewesen: "Es ist wieder Leben in die Stadt gekommen."

Mehr als 100.000 Euro von der Sparkasse

Eine tragende Rolle spielt seit den Anfängen die Sparkasse. Seit 75 Jahren begleitet sie das Festival. Die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg und die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen fördern die Jubiläumssaison erneut mit deutlich mehr als 100.000 Euro. Hinzu kommen gut 20.000 Euro aus dem STARS-Bonusprogramm. Rund 1.000 Menschen konnten dadurch vergünstigte Eintrittskarten nutzen. Nach Angaben der Sparkasse wurden dabei auch Besucher erreicht, die zuvor noch nie bei den Festspielen gewesen waren.

"Die Förderung von Kultur ist ein Teil unseres öffentlichen Auftrags, den wir sehr ernst nehmen", sagte Vorstandsvorsitzender Ingo Lange. Die Festspiele hätten eine überragende Bedeutung für die gesamte Region. "Gerade während der Festspielzeit blüht Bad Hersfeld richtig auf. Das wirkt sich positiv auf die Stimmung in der Stadt und im gesamten Landkreis aus."

Die Festspiele seien ein Alleinstellungsmerkmal und sorgten für "magische Momente in einer atemberaubenden Kulisse". Die Verbindung reicht bis in die Gründungszeit zurück: Sparkassendirektor Heinrich Junk gehörte zu den frühen Unterstützern des Festivals.

Jörg Klinge, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, betonte, dass große Kultur nicht nur in Metropolen stattfinde. "Dass wir die Festspiele seit ihren Anfängen als verlässlicher Partner begleiten dürfen, macht uns stolz." Kultur könne Menschen außerdem aus ihren gewohnten Lebenswelten zusammenbringen.

"Was für mich bleibt, sind die Menschen"

Eine persönliche Bilanz zog Thieß Brammer, Hauptdarsteller von "Parzival" und Träger des Hersfeld-Preises. "Ich habe noch nirgendwo so deutlich erlebt, welchen Mittelpunkt ein Theater für eine Gemeinschaft bilden kann", sagte er. Die Menschen in Bad Hersfeld seien zu Recht stolz auf ihre Festspiele. Für ihn seien vor allem die Begegnungen entscheidend: "Was für mich bleibt, sind die Menschen. Das Menschliche passt hier einfach."

Die Rolle und die Auszeichnung seien für ihn zudem eine große berufliche Chance. Entscheidend bleibe jedoch die Wirkung auf das Publikum: "Wenn nur ein Mensch anders aus einem Stück herausgeht, als er hineingegangen ist, dann hat sich die gesamte Arbeit bereits gelohnt." Und unabhängig von den ganzen Zahlen: Das ist wohl ein Zitat, das die Festspiele besser beschreibt als jedes andere Wort. (Constantin von Butler) +++

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