Große Bilder, große Gefühle

Vorfreude auf den Festspielsommer: Matinee begeistert mit ersten Einblicken

Die traditionelle HZ-Matinee stimmt die Besucher auf die 75. Bad Hersfelder Festspiele ein.
Fotos: Andre Söllner

14.06.2026 / BAD HERSFELD - Die Vorfreude auf die 75. Bad Hersfelder Festspiele war am Sonntag in der voll besetzten Stiftsruine deutlich zu spüren. Bei der traditionellen HZ-Matinee erhielten die Besucher erste Eindrücke aller Produktionen der Jubiläumssaison. Zwischen Szenenausschnitten, Musik und Interviews führten Nadine Meier-Maaz und Kristina Langbein-Marth mit viel Charme, Humor und sichtbarer Begeisterung durch den Vormittag. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Rückkehr von Intendantin Elke Hesse, die erstmals wieder bei einer großen Festspielveranstaltung vor Publikum auftrat.



Die neue Intendantin zeigte sich bewegt vom Zuspruch der Zuschauer und machte deutlich, wohin die Reise in den kommenden Jahren gehen soll. "Es ist wunderschön, zum ersten Mal wieder ein volles Haus zu sehen", sagte Hesse. Mit Blick auf den bevorstehenden Festspielsommer ergänzte sie: "Die Nervosität steigert sich." Gleichzeitig machte sie deutlich, welchen Anspruch sie an die Produktionen hat: "Wir wollen große Bilder zeigen" und "die Menschen mitreißen". Die ausgewählten Stoffe seien Geschichten, "die auch heute noch relevant sind".

Pippi Langstrumpf bringt die Villa Kunterbunt in die Ruine

Mit "Pippi Langstrumpf" erwartet die Besucher ein Familienstück rund um Astrid Lindgrens weltberühmte Heldin. Erste Szenen machten bereits Lust auf die Abenteuer von Pippi, Tommy und Annika. Regisseurin Nicole Claudia Weber schwärmte von den Proben: "Es ist ein total tolles Stück." Besonders das Ensemble habe sie beeindruckt. "Es macht wahnsinnig viel Spaß, und das liegt im Wesentlichen an unseren Darstellern und dem Team."

Parzival auf der Suche nach sich selbst

Deutlich ernster wird es bei der Uraufführung von "Parzival oder Die Suche nach dem Heiligen Gral". Das Stück erzählt die Entwicklung eines jungen Menschen auf der Suche nach Sinn, Hoffnung und Erkenntnis. Regisseur Michael Schachermaier stellte dabei die zentrale Frage: "Wo entdeckt man sich selber?" Hauptdarsteller Thieß Brammer gewährte zugleich einen Einblick in die Probenarbeit: "Wir sitzen wie kleine Jungs zusammen und üben kämpfen." Unterstützung bekomme das Ensemble dabei von einem professionellen Kampftrainer. Kurz vor der Premiere spüre er bereits die Anspannung: "Ich merke: Die Nächte werden kürzer und die Pumpe geht."

Lysistrata kämpft für den Frieden

Mit "Lysistrata oder Die Fantasie von Frieden" bringen die Festspiele einen Stoff auf die Bühne, der trotz seines Alters erstaunlich aktuell wirkt. Die Geschichte erzählt von einer Frau, die sich gegen Krieg und Gewalt stellt und gemeinsam mit anderen Frauen neue Wege sucht, um Frieden zu erreichen. Erste Ausschnitte zeigten eine Mischung aus Ernsthaftigkeit, Humor und gesellschaftlicher Relevanz.

Regisseurin Marlene Anna Schäfer blickte bei der Matinee auf die vergangenen Probenwochen zurück, die wetterbedingt nicht immer einfach waren. "Es ist ganz wunderbar - gerade an so Momenten wie jetzt", sagte sie mit Blick auf die volle Stiftsruine. Trotz Regen, Zeitdruck und der Herausforderungen einer großen Produktion habe das Ensemble nie den Mut verloren. "Mit ganz viel Spielfreude und einem großartigen Team haben wir bisher alles durchgestanden", erklärte Schäfer. Ihr Fazit für die letzten Wochen vor der Premiere fiel deshalb eindeutig aus: "Es lohnt sich durchzuhalten - bei jeder Witterung."

"Something Rotten!" setzt auf Humor und große Musicalmomente

Für jede Menge Lacher dürfte dagegen die deutsche Erstaufführung von "Something Rotten!" sorgen. Das Broadway-Musical entführt das Publikum ins London des Jahres 1595 und erzählt die Geschichte zweier Theatermacher, die verzweifelt versuchen, aus dem übermächtigen Schatten William Shakespeares herauszutreten. Was folgt, ist eine turbulente Mischung aus Musical-Parodie, Wortwitz und liebevollen Anspielungen auf die Theaterwelt.

Schon die bei der Matinee gezeigten Szenen machten deutlich, dass die Besucher ein außergewöhnliches Spektakel erwartet. Gesang, Tanz und jede Menge Tempo sorgten für Begeisterung im Publikum. Regisseur Matthias Davids beschrieb den besonderen Charakter der Produktion mit wenigen Worten: "Das Stück nimmt sich nicht zu ernst." Gerade darin liege seine große Stärke. Gleichzeitig betonte er, dass die Arbeit in der Bad Hersfelder Stiftsruine immer etwas Besonderes sei: "Hier in der Ruine ist alles total anders." Für die Zuschauer hatte Davids eine klare Botschaft: "Man wird von dem Stück begeistert sein."

Ein großartiger Kultursommer steht bevor

Die Jubiläumssaison macht schon jetzt Lust auf mehr. Besonders auffällig war bei der Matinee die große Bandbreite des Programms: vom Kinderklassiker über mittelalterliche Heldenreisen bis hin zu politischen Stoffen und einer verrückten Musical-Komödie. Gleichzeitig war spürbar, dass mit Elke Hesse eine Intendantin zurückkehrt, die große Ambitionen für die Zukunft der Festspiele hat. Wenn die gezeigten Ausschnitte halten, was sie versprechen, könnte der 75. Festspielsommer einer der abwechslungsreichsten der vergangenen Jahre werden. (Constantin von Butler) +++

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