Marketing-Netzwerk Fulda zu Gast

4,3 Millionen Euro müssen rein: So kämpfen die Festspiele um ihre Zukunft

Intendantin Elke Hesse erläuterte dem Marketing-Netzwerk Fulda die Neuausrichtung der Bad Hersfelder Festspiele.
Fotos: Constantin von Butler

04.08.2026 / BAD HERSFELD - Knapp 1.280 mögliche Besucher pro Vorstellung, mindestens 75 Prozent notwendige Auslastung und Fixkosten von 4,3 Millionen Euro: Hinter der traditionsreichen Kulisse der Bad Hersfelder Festspiele steckt nicht nur große Kunst, sondern auch enormer wirtschaftlicher Druck. Wie sich das Theaterfestival für die Zukunft aufstellt, erfuhr das Marketing-Netzwerk Fulda bei einem exklusiven Blick hinter die Kulissen.



Intendantin Elke Hesse, der kaufmännische Leiter Bernd Hämmelmann und Pressereferentin Patricia Bickert erläuterten den Teilnehmern, wie die traditionsreiche Kulturmarke modernisiert werden soll, ohne ihre Geschichte zu verlieren. "Wir sind jetzt schon ganz begeistert", erklärte Sabine Hauss aus dem Vorstand des Marketing-Netzwerks zu Beginn des Besuchs. Neben Gesprächen über Kulturmarketing und Markenentwicklung stand eine Führung durch die Bereiche hinter der Bühne auf dem Programm.

Junge Menschen als besondere Herausforderung

Eine der wichtigsten Fragen für die Verantwortlichen ist, wie sich künftig neue Besuchergruppen für die Festspiele gewinnen lassen. Im Fokus stehen dabei ein moderner Außenauftritt, neue Veranstaltungsformate, Aktionen in der Stadt und verschiedene Community-Projekte. "Unser aller Thema ist: Wie erreichen wir die neue Generation? Es war deshalb schnell klar, dass wir einen neuen Auftritt brauchen", sagte Hesse.

Besonders schwer sei es, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 20 Jahren anzusprechen. Deshalb gewinnen die sozialen Medien für die Kommunikation der Festspiele zunehmend an Bedeutung.

Alte Stoffe werden neu gedacht

Die Neuausrichtung soll allerdings nicht bedeuten, dass die Festspiele ihre Traditionen aufgeben. Stattdessen sollen bekannte Geschichten zeitgemäß erzählt und neue Zugänge zum Theater geschaffen werden. "Wir gehen den Weg zwischen Tradition und Innovation. Alte Stoffe werden neu gedacht", betonte die Intendantin.

Zentraler Ausgangspunkt bleibt die Stiftsruine. Die historischen Mauern sind nicht nur Spielstätte, sondern prägen die Identität und die besondere Wahrnehmung des Festivals. Gleichzeitig sollen mögliche Hemmschwellen für neue Besucher abgebaut werden. "Wir möchten Menschen begeistern. Dafür muss auch der Zugang erleichtert werden", erklärte Hesse.

Millionen für Licht und Ton

Bei der Führung erhielten die Teilnehmer zudem Einblicke in den personellen und technischen Aufwand hinter den Inszenierungen. Während der Festspielzeit werden bis zu 380 Menschen beschäftigt. Hinter den Darstellern auf der Bühne arbeiten zahlreiche Kräfte in Technik, Ausstattung, Organisation und Verwaltung.

Allein in die Licht- und Tontechnik fließen nach Angaben von Hämmelmann rund 1,4 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere laufende Ausgaben für den umfangreichen Spielbetrieb. "Wir müssen mindestens 4,3 Millionen Euro einspielen. Das sind unsere Fixkosten", sagte er.

Mindestens 75 Prozent der Plätze müssen belegt sein

Da es sich bei den Festspielen nicht um einen Staatsbetrieb handelt, hängt die wirtschaftliche Stabilität stark von den verkauften Eintrittskarten ab. Für eine Vorstellung in der Stiftsruine stehen knapp 1.280 Plätze zur Verfügung. "Wir brauchen immer mindestens eine Auslastung von 75 Prozent", erklärte Hämmelmann.

Die Weiterentwicklung der Marke ist damit weit mehr als eine optische Modernisierung. Sie soll neue Zielgruppen erreichen, die kulturelle Bedeutung des Festivals sichern und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich der aufwendige Spielbetrieb auch in Zukunft wirtschaftlich tragen kann. (Constantin von Butler) +++

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