Die heiße Phase beginnt

"Wir werden Geschichten erzählen": Die Proben zu den Festspielen starten

Die ersten Schauspieler, Regisseure, Bühnentechniker und weitere Crewmitglieder der Bad Hersfelder Festspiele sind da
Fotos: Hans-Hubertus Braune

05.05.2026 / BAD HERSFELD - Aus der historischen Stiftsruine wird wieder eine lebendige Theaterwelt: Mit dem offiziellen Probenbeginn starten die 75. Bad Hersfelder Festspiele in ihre entscheidende Phase. Ensemble, Regieteams und alle Gewerke waren vor Ort, um die großen Produktionen des Sommers auf die Bühne zu bringen.



Schon jetzt ist spürbar, dass dieser Sommer ein besonderer werden soll. Bürgermeisterin Anke Hofmann beschreibt die Atmosphäre treffend: "Der Probenbeginn hat für mich immer etwas Magisches. Aus vielen kleinen Ideen wird etwas Großes, Ganzes."

Jetzt wird alles zusammengeführt

Hinter den Kulissen ist der organisatorische und kreative Aufwand enorm. Seit Wochen arbeiten die Beteiligten an Texten, Rollen und Konzepten. Jetzt beginnt die Phase, in der alles zusammengeführt wird. Intendantin Elke Hesse setzt dabei bewusst auf Teamgeist. Schon beim Auftakt wurde deutlich, wie wichtig ihr das Zusammenspiel aller Beteiligten ist - sie nahm sich Zeit, jedes Teammitglied in der Presserunde persönlich zu würdigen. Ihr Ansatz ist klar formuliert: "Für mich ist das Credo: miteinander - zusammen."

Gleichzeitig bringt sie eine neue Dynamik in die Festspiele. Ihr Ziel ist es, die Festspiele stärker in der Stadt zu verankern und mit Leben zu füllen.

Zeitlose Geschichte mit aktueller Relevanz

Auch Oberspielleiter Michael Schachermaier blickt auf einen langen Vorlauf zurück. "Unsere Reise hat vor fast zwei Jahren begonnen", sagt er und betont die Bedeutung dieses Moments: "Für uns ist das heute eine ganz wichtige Station." Besonders das Eröffnungsstück "Parzival" steht dabei im Fokus. "Parzival ist der Prototyp des suchenden Menschen", erklärt Schachermaier und sieht darin eine zeitlose Geschichte mit aktueller Relevanz.

In den kommenden Wochen wird intensiv gearbeitet: Szenen entstehen, werden verworfen und neu gedacht. Die besondere Atmosphäre der Stiftsruine spielt dabei eine zentrale Rolle. "Die Mauern der Stiftsruine fordern klare Gedanken und atmosphärische Musik", so Schachermaier.

Neben aller künstlerischen Arbeit steht vor allem ein Ziel im Mittelpunkt: das Publikum zu begeistern. "Wir werden Geschichten erzählen", sagt der Oberspielleiter. Und genau darin liegt die Kraft der Festspiele - wenn aus vielen Ideen am Ende große Theatermomente entstehen.

"Jeder entwickelt seinen eigenen Zugang"

Mit der Übergabe der Texte beginnt für die Schauspieler die eigentliche Detailarbeit. Rollen werden gelesen, analysiert und mit Leben gefüllt. Es geht nicht nur darum, Texte auswendig zu lernen - vielmehr startet eine intensive Auseinandersetzung mit Figuren, Motiven und Emotionen.

Regisseurin Nicole Claudia Weber (Familienstück Pippi Langstrumpf) beschreibt, wie unterschiedlich dieser Prozess abläuft: "Manche Schauspieler arbeiten beim Textlernen mit Musik und erstellen Playlists dazu, andere greifen auf literarisches, filmisches oder serienbezogenes Material zurück, um ihre Figur besser zu verstehen und zu erfassen. Jede und jeder entwickelt dabei einen eigenen Zugang."

Rückkehr nach Bad Hersfeld mit persönlicher Bedeutung

Auch Marlene Anna Schäfer (Regie Lysistrata) setzt auf Offenheit und Zusammenarbeit im Probenprozess. "Als Regisseurin ist es mir wichtig, dass eine Inszenierung durch das Miteinander aller Beteiligten entsteht. Ich starte sehr offen in den Probenprozess und gehe gemeinsam mit dem Ensemble ins Gespräch", erklärt sie. Für Schäfer ist die Arbeit in Bad Hersfeld zudem etwas Persönliches: Nach Stationen in der Region kehrt sie nun als Regisseurin zurück - ein Moment, der für sie einen besonderen Kreis schließt.

Inhaltlich setzt "Lysistrata" auf neue Perspektiven. Autorin Amanda Lasker-Berlin hat den Stoff modern interpretiert: "Als Autorin hatte ich die spannende Aufgabe, der Vorlage ein neues Gewand zu schneidern, die Figuren zum Glänzen zu bringen, ihnen Körper und Seele zu verleihen und sowohl Männer als auch Frauen fair darzustellen." Besonders im Fokus steht dabei die Frage, wie Menschen den Mut finden, für ihre Überzeugungen einzustehen. "In meinem Stück tun sie das mit weiblicher Solidarität, Selbstironie und einer großen Portion Unbeirrbarkeit", so Lasker-Berlin.

Perfektion ist nicht das Ziel

Nach den ersten Leseproben folgt nun die intensive Phase auf der Bühne. Szenen werden entwickelt, verworfen und neu gedacht. Oberspielleiter Michael Schachermaier beschreibt diesen kreativen Prozess so: "Wir denken gemeinsam, stellen Szenen auf die Bühne, verwerfen sie, drehen den Text um, versuchen Lösungen zu finden. Wir streiten uns, freuen uns übereinander, gehen neugierig aufeinander zu, verteidigen unsere Ideen, Rollen und Charaktere."

Dabei ist klar: Perfektion ist nicht das Ziel. "Die perfekte Aufführung gibt es nicht", betont Schachermaier. Theater entstehe immer im Moment - und lebe von der Begegnung mit dem Publikum. (Constantin von Butler) +++

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