Große Bühne, große Worte

Großer Festakt in der Stiftsruine: Die 75. Festspiele sind offiziell eröffnet

Die 75. Bad Hersfelder Festspiele sind offiziell eröffnet.
Fotos: Felix Weigl

27.06.2026 / BAD HERSFELD - Mit einem festlichen Akt in der ehrwürdigen Stiftsruine sind am Freitagabend die 75. Bad Hersfelder Festspiele eröffnet worden. Rund drei Viertel eines Jahrhunderts Theatergeschichte, unzählige große Namen und eine Spielstätte von internationalem Rang bildeten den würdigen Rahmen für den Beginn der Jubiläumssaison. Bevor am Abend mit der Uraufführung von "Parzival oder die Suche nach dem Heiligen Gral" der erste Vorhang aufging, blickten zahlreiche Ehrengäste auf die Geschichte der Festspiele - und zugleich auf ihre Zukunft.



Musikalisch und künstlerisch setzte der Festakt besondere Akzente. Kammerschauspielerin Sona MacDonald interpretierte gemeinsam mit dem Festspielorchester den Stephen-Sondheim-Titel "I'm Still Here", ehe Schauspieler Julian Weigend mit Max Reinhardts berühmter "Rede über den Schauspieler" an die Bedeutung der Theaterkunst erinnerte. Weigend kehrte damit an jenen Ort zurück, an dem einst seine Karriere bei den Bad Hersfelder Festspielen begann.

Ministerpräsident Rhein eröffnet die Jubiläumssaison

Auch politisch unterstrich der Abend die Bedeutung der Festspiele weit über Osthessen hinaus. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), Schirmherr der Festspiele, würdigte die Jubiläumssaison als Aushängeschild der hessischen Kulturlandschaft und gab schließlich den offiziellen Startschuss für die kommenden Festspielwochen: "Die 75. Bad Hersfelder Festspiele sind hiermit eröffnet."

In seiner Ansprache hob Rhein insbesondere die besondere Verbindung aus historischer Spielstätte und künstlerischem Anspruch hervor. "Die Bad Hersfelder Festspiele bilden mit dem vielfältigen Programm, den innovativen Inszenierungen und der einzigartigen Kulisse in der Ruine der romanischen Stiftskirche ein unvergessliches Erlebnis. Die Festspiele besitzen eine Strahlkraft, die weit über die hessische Kulturlandschaft hinausreicht."

Mit Blick auf das Jubiläum erinnerte der Ministerpräsident daran, dass die Geschichte der Festspiele seit Jahrzehnten von immer neuen Interpretationen und künstlerischen Ideen lebe. Zugleich richtete er seinen Blick auf die neue Intendantin Elke Hesse, die mit der Jubiläumssaison ihre erste Spielzeit in ihrer neuen Amtszeit verantwortet.

"Elke Hesse setzt mit ihrem Mut für Neues, ihrem Gespür für die Themen der Zeit und mit ihrer ansteckenden Begeisterung wichtige Impulse für die Zukunft der Festspiele. Sie bewahrt gleichzeitig das, was die Bad Hersfelder Festspiele seit 75 Jahren ausmacht." Zudem wünschte Rhein allen Künstlerinnen und Künstlern sowie den zahlreichen Mitarbeitenden hinter den Kulissen eine erfolgreiche und inspirierende Festspielsaison.

Von einer mutigen Idee zur Kulturinstitution

"Ganz gleich, ob Sie zum ersten oder zum fünfzigsten Mal hier sitzen: Schön, dass Sie da sind. Denn erst durch Sie wird aus einer Vorstellung ein Theaterabend. Erst durch Sie wird aus einer Spielzeit ein Festspielsommer - und in diesem Jahr ein ganz besonderer: 75 Jahre Bad Hersfelder Festspiele", begrüßte Bürgermeisterin Anke Hofmann (Parteiunabhängig) die Gäste.

Sie erinnerte daran, dass die Festspiele einst aus einer mutigen Idee engagierter Bürger entstanden seien und heute zu den bedeutendsten Freilichtfestspielen Deutschlands gehörten. "Theater war nie bloßer Luxus. Theater war immer auch eine Antwort - auf Sprachlosigkeit, auf Angst. Eine Antwort auf die Frage, wie Menschen miteinander leben können."

Volker Bouffier blickt auf 75 Jahre Festspiele zurück

Als Festredner zeichnete der frühere hessische Ministerpräsident Volker Bouffier den Weg der Festspiele von den Anfängen bis heute nach. "75 Jahre Bad Hersfelder Festspiele sind eine grandiose Erfolgsgeschichte mit großer Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus", sagte Bouffier. Zugleich erinnerte er daran, wem die Erfolgsgeschichte letztlich zu verdanken sei: "Die Festspiele verdanken wir nicht einem staatlichen Gründungsakt oder einer städtischen Entscheidung, sondern dem Mut, der Kraft und dem Durchhaltewillen Hersfelder Bürgerinnen und Bürger."

Zwischen Tradition und neuen Perspektiven

Für Intendantin Elke Hesse war es die erste offizielle Eröffnung ihrer neuen Amtszeit - und zugleich eine Rückkehr an einen vertrauten Ort. Sie stellte die diesjährige Spielzeit unter das Motto, Tradition fortzuschreiben und gleichzeitig neue Perspektiven zu eröffnen. "Die Verantwortung für eine so angesehene und erfolgreiche Kulturikone wie die Bad Hersfelder Festspiele zu übernehmen, ist zunächst einmal eine große Ehre - und darüber hinaus eine tolle Herausforderung."

Zum Abschluss richtete sie den Blick auf die kommenden Wochen: "Die vornehmste Aufgabe der Kunst ist es - zu wirken. Ich bin sehr gespannt, was wie auf wen wirkt." Danach gehörte die Bühne endgültig den Künstlerinnen und Künstlern der Jubiläumssaison. Wenig später öffnete der Rote Teppich, bevor mit der Premiere von "Parzival oder die Suche nach dem Heiligen Gral" der Auftakt in den Theatersommer 2026 folgen wird. (Constantin von Butler) +++

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