Antike trifft Gegenwart
Von Athen nach Bad Hersfeld - Lysistrata erwacht in der Stiftsruine
Archivfoto: O|N / Carina Jirsch
11.06.2026 / BAD HERSFELD -
Bei der öffentlichen Probe von Lysistrata gewährten die Bad Hersfelder Festspiele einen spannenden Blick hinter die Kulissen einer Inszenierung, die schon Wochen vor der Premiere neugierig macht. In den Reihen vor der Bühne sitzen ganze Schulklassen neben eingefleischten Festspiel-Fans und neugierigen Theaterfreunden. Alle sind ganz nah am Geschehen, unmittelbar vor der Bühne der ehrwürdigen Stiftsruine.
Hier, wo Geschichte in den Mauern steckt, wird eine über 2.400 Jahre alte Komödie plötzlich erstaunlich aktuell. "Wir stottern uns heute durch Lysistrata", begrüßte Regisseurin Marlene Anna Schäfer das Publikum mit einem Lächeln.
Theaterprobe wird zum lebendigen Erlebnis
Doch vom Stottern war schon bald kaum noch etwas zu spüren. Stattdessen zeigte sich Theater-Alltag in seiner spannendsten Form: konzentriert, lebendig, spontan und voller Vorfreude auf die Premiere. Der erste Eindruck ist überwältigend. Die Bühne gleicht einer Trümmerlandschaft, die sich eindrucksvoll in die Ruine einfügt. Dahinter erhebt sich die romanische Krypta wie ein steinerner Zeuge vergangener Jahrhunderte. Ein Bild zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Krieg und Hoffnung. Lysistrata als starke Stimme für Frieden
Im Mittelpunkt steht Lysistrata, gespielt von Gioia Osthoff. Entschlossen verkündet sie ihren Plan: "Wir machen unsere Männer mürbe. Sex-Streik!" Die Frauen verweigern sich dem ewigen Kreislauf von Gewalt und Vergeltung. Tagsüber töten, nachts lieben? Nicht mit ihnen. "Ihnen fehlt die Fantasie für den Frieden", lautet eine der zentralen Botschaften des Stücks. Und plötzlich wirkt die antike Komödie erschreckend gegenwärtig. Was Aristophanes vor Jahrhunderten schrieb, erzählt heute noch von Krieg, Macht und der Sehnsucht nach Frieden.
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