Standing Ovations in der Stiftsruine

Ehrung im Jubiläumsjahr: Der Große Hersfeldpreis geht an Thieß Brammer

Die diesjährigen Gewinner: Thieß Brammer und Uriel Jung
Fotos: Carina Jirsch

13.07.2026 / BAD HERSFELD - Mitten in der Jubiläumsspielzeit der Bad Hersfelder Festspiele ist am Sonntag eine langjährige Tradition fortgesetzt worden. In der Stiftsruine wurden der Hersfeldpreis und der Große Hersfeldpreis verliehen - zwei Auszeichnungen, die seit über 60 Jahren an Schauspielerinnen und Schauspieler gehen, die auf der Bühne besondere Akzente setzen. In diesem Jahr durfte sich Uriel Jung über den Hersfeldpreis freuen, während Thieß Brammer mit dem Großen Hersfeldpreis geehrt wurde.



Die Preisverleihung fand bewusst zur Halbzeit der Festspiele statt - in einer Saison, die für viele Beteiligte eine ganz besondere ist. Schließlich feiern die Bad Hersfelder Festspiele in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Begleitet wurde die Feierstunde von Beiträgen des Festspiel-Ensembles, der GBO-Oldtimer-Bigband und einem musikalischen Auftritt der früheren Preisträgerin Katharine Merling, die mit ihrer Interpretation von "Mackie Messer" in gleich neun Sprachen für Begeisterung sorgte.

Die Gemeinschaft trägt die Festspiele

"Es ist eine ganz besondere Jubiläumssaison", sagte Bürgermeisterin Anke Hofmann. Mit Blick auf das Ensemble machte sie deutlich, wie schwer eine Auswahl falle: "Eigentlich haben diese Preise alle verdient."

Vergeben werden die Hersfeldpreise von der Stadt Bad Hersfeld und der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine. Deren Vorsitzender Helgo Hahn erinnerte an die lange Geschichte der Auszeichnung und richtete seinen Dank an alle, die die Festspiele seit Jahrzehnten tragen. "Ein großer Dank gilt allen Mitgliedern, Förderern, Kulturinteressierten, der Stadt und besonders allen Künstlerinnen und Künstlern."

Minister Gremmels: "Eine großartige Saison"

Der Hessische Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels (SPD), nutzte seinen Besuch in Bad Hersfeld, um den Stellenwert der Festspiele hervorzuheben. Er gratulierte Intendantin Elke Hesse zu ihrer ersten Saison und sprach von einem gelungenen Neustart. "Überall werde ich auf die Bad Hersfelder Festspiele angesprochen. Es ist ein toller Neustart, eine großartige Saison und ein unglaubliches Programm."

Gremmels machte zugleich deutlich, dass Kultur auch politisch Rückhalt brauche. "Kultur ist nicht das Sahnehäubchen auf dem Kaffee - Kultur ist essenziell. Gerade in Zeiten der Krisen müssen wir ihr den Rücken stärken." Deshalb bekannte sich das Land Hessen ausdrücklich zur weiteren Förderung der Festspiele: "Unsere Unterstützung bleibt bestehen - auch in Zeiten knapper Kassen." OSTHESSEN|NEWS wird zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich über die Rede von Staatsminister Gremmels berichten.

Brammer: "Das ist unser Preis"

Die Jury würdigte Uriel Jung für seine "beeindruckende Wandlungsfähigkeit in unterschiedlichsten Rollen". In Michael Schachermaiers "Parzival" überzeugt er unter anderem als König Artus, Fischer und Ritter, gleichzeitig steht er in "Pippi Langstrumpf" als Tommy auf der Bühne. Sichtlich bewegt nahm der Schauspieler die Auszeichnung entgegen. "Ich bin kein Mann der großen Worte, aber ich freue mich sehr über diesen Preis."

Der Große Hersfeldpreis ging an Thieß Brammer für seine Titelrolle in "Parzival". Die Jury bezeichnete ihn als "einen beeindruckenden Schauspieler", der die Entwicklung seiner Figur mit großer Natürlichkeit und Präsenz verkörpere. Brammer selbst rückte den Erfolg jedoch nicht in den Mittelpunkt seiner eigenen Leistung. "Vieles hängt gar nicht von mir ab, sondern von vielen anderen Menschen. Es ist ein Geschenk, auf dieser Bühne spielen zu dürfen."

Besonders wichtig war ihm der Zusammenhalt innerhalb des Ensembles. "Es kommt auf das starke Ensemble an. Das ist nicht nur mein Preis - das ist unser Preis." (Constantin von Butler) +++

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