Fiebert die Stadt noch mit?
75 Jahre Festspiele: Warum Bad Hersfeld sie braucht – und umgekehrt
Foto: Carina Jirsch
25.06.2026 / KOMMENTAR -
Es gehört fast schon zur Hersfelder Tradition, über die Festspiele zu diskutieren. Mal geht es um die Stückauswahl, mal um Eintrittspreise, mal um die Frage, ob das alles überhaupt nötig sei. Der Hersfelder kann stur sein, kritisch sowieso. Und genau das ist auch in Ordnung. Denn wer diskutiert, dem ist etwas nicht egal.
Doch gerade im Jubiläumsjahr zum 75-jährigen Bestehen lohnt sich ein Blick auf das, was die Bad Hersfelder Festspiele tatsächlich sind: weit mehr als Theater. Sie sind ein Stück Identität. Sie sind ein Treffpunkt. Sie sind ein Sommergefühl, das Jahr für Jahr Zehntausende Menschen in die Stadt zieht. Und sie sind ein Beweis dafür, dass Kultur auch in einer vergleichsweise kleinen Stadt große Strahlkraft entwickeln kann.
Mehr als Kultur: Ein Teil der Stadtidentität
Die Wahrheit ist: Bad Hersfeld hat die Festspiele verdient. Weil hier seit Jahrzehnten Menschen ehrenamtlich, beruflich und mit großer Leidenschaft daran arbeiten, aus einer historischen Ruine einen Ort voller Leben zu machen. Weil sich die Stadt immer wieder auf Neues einlässt. Weil Generationen mit den Festspielen aufgewachsen sind. Und weil die Stiftsruine längst mehr ist als eine Kulisse - sie ist ein Symbol dafür geworden, dass aus Geschichte immer wieder Zukunft entstehen kann.Mehr als Theater: Ein Ort der Begegnung
Gerade in einer Zeit, in der vieles von Krisen, Sorgen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, gewinnen solche Orte an Bedeutung. Theater kann Menschen zusammenbringen, ohne dass sie derselben Meinung sein müssen. Es schafft Begegnungen, die im Alltag oft verloren gehen. Oder, wie Elke Hesse es formuliert: "Unterschiedliche Menschen kommen in der Stiftsruine für einen oder mehrere Abende zusammen, denken nach, erleben gemeinsam, lassen sich inspirieren." Die Vorfreude auf den Festspielsommer wächst
Und während dieser Kommentar geschrieben wird, steigt in Bad Hersfeld längst die Vorfreude. Am Freitag werden die 75. Bad Hersfelder Festspiele offiziell eröffnet. Schon jetzt wird in der Stadt wieder über Inszenierungen, Schauspieler, Erwartungen und Lieblingsstücke gesprochen - so, wie es in Bad Hersfeld seit Jahrzehnten zum Sommer gehört. Intendantin Elke Hesse macht dabei deutlich, welchen Stellenwert das Festival besitzt: "Gerade im Jubiläumsjahr ihres 75-jährigen Bestehens wollen wir deutlich machen, dass die Bad Hersfelder Festspiele eine Ikone bedeuten. Es handelt sich hier nicht um irgendein Festspiel, sondern um eine Benchmark in einer Reihe mit Salzburg, Bayreuth und Bregenz."
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