Festspiele zeichnen den Sommer aus

Zufälliges Casting - jetzt spielt Andrès Mendez vier Rollen im gleichen Stück

In diesem Jahr gibt es ein Stück, das Erwachsene mit Nostalgie und Kinder mit viel Spaß erfüllt: Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren. Das Publikum zeigt sich bei allen Auftritten begeistert - und mittendrin Andrès Mendez, der im Stück gleich in vier verschiedene Rollen schlüpft!
Archivfoto: O|N/Moritz Rös/André Söllner/Erich Gutberlet

29.07.2026 / BAD HERSFELD - Wenn der Sommer einzieht, erwacht in der Stadt Bad Hersfeld etwas ganz Besonderes: Die beliebten Festspiele an der Stiftsruine sind in vollem Gange. Vor dieser beeindruckenden Bühne werden Geschichten lebendig, locken verschiedenste Emotionen aus den Zuschauern und lassen alles andere stillstehen. In diesem Jahr gibt es ein Stück, das Erwachsene mit Nostalgie und Kinder mit viel Spaß erfüllt: Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren. Das Publikum zeigt sich bei allen Auftritten begeistert - und mittendrin Andrès Mendez, der im Stück gleich in vier verschiedene Rollen schlüpft!



Mit verschiedenen Lehren als Drucker und als Koch kam Mendez "relativ spät" zum Schauspiel. Doch dieser - für ihn späte - Einstieg hat seiner Karriere definitiv nicht geschadet. Sein Vater war als Künstler in der Musikbranche tätig, so zog es auch ihn erst zur Musik, bevor er schließlich den Schritt wagte und mit 26 sein Schauspielstudium startete. Parallel spielte er zu dieser Zeit bereits am Frankfurter Theater. Später zog es ihn eher zufällig nach Bad Hersfeld - und jetzt ist er mitten in seiner siebten Festspiel-Saison.

Im exklusiven OSTHESSEN|NEWS-Gespräch gab der 44-Jährige Einblicke in seinen Weg zu den Festspielen, in die Vielfalt seiner vier (!) Rollen in Pippi Langstrumpf, offenbarte seine Gefühlswelt und verriet einiges über kommende Projekte.

"Ein Sommer ohne Hersfeld ist kein Sommer"

Tatsächlich war sein Weg zu den Festspielen "reiner Zufall". Gegenüber O|N sagte er: "Kommilitonen hatten ein Casting bei 'Das tapfere Schneiderlein' - damals unter Intendant Dieter Wedel. Ich bin mitgefahren und habe spontan vorgesprochen. Da habe ich dann die Rolle 'General Olaf' bekommen. Zu der Zeit haben wir noch in einem Zelt gespielt." In dieser Rolle überzeugte er den damaligen Intendanten so sehr, dass dieser den 44-Jährigen im Folgejahr als Schauspieler in der Stiftsruine wollte. Auch der Nachfolger-Intendant Jöern Hinkel war begeistert von Mendez' Leistung und besetzte ihn 2018 in den Rollen von Peter, Frees und Catling in "Shakespeare in Love".

Es ist klar: Er ist ein Teil der Festspiele - und die Festspiele sind ein Teil von ihm. Im Gespräch hob er hervor: "Es ist immer wie eine Art 'Homecoming'. Ein Sommer ohne Hersfeld ist kein Sommer." So habe er bereits mit Intendantin Elke Hesse gesprochen und auch für die nächste Saison "sieht es gut aus". Seine Rückkehr zu den Festspielen 2027 ist also durchaus eine Möglichkeit.

Vier Rollen in einem Stück - eine einzigartige Erfahrung

Besonders spannend sind seine unterschiedlichen Rollen in diesem Jahr - alle im gleichen Stück. Für "Pippi Langstrumpf" schlüpft er in folgende Rollen: den starken Alfons, Donner-Karlsson, den Polizisten Klang und Pippis Papa Kapitän Langstrumpf. Was das Ganze so faszinierend macht: Dass es sich dabei um denselben Schauspieler handelt, fällt kaum jemandem auf. "Die Kostüm- und Maskenabteilungen haben sehr gute Arbeit geleistet, auch den Zuschauern ist das nicht unbedingt aufgefallen", sagte er. So schlüpft er für die Rolle des Kapitäns in einen sogenannten Fat-Suit, was bei den sommerlichen Temperaturen oft eine Herausforderung darstellt. "Für die Festspiele und das begeisterte Publikum stehen wir das alle aber durch", lachte der 44-Jährige.

So ist klar: Sowohl auf Seiten der Schauspieler als auch auf Seiten der Zuschauer steht der Spaß im Fokus. Das Stück, das Zuschauer in jeglicher Altersklasse anzieht, sorgt für viele Lacher, Mitfiebern und ganz viel Spaß. Dabei ist nicht entscheidend, dass eine Person mehrere Rollen spielt, sondern das Gefühl, was dabei erzeugt wird: Nostalgie und viel Vergnügen.

Doch wie ist es für den Künstler, diese verschiedenen Figuren zu verkörpern? "Der starke Alfons hat wenig Text, er schreit und pöbelt überwiegend. Das macht die Rolle sehr cool. Auch die Rolle des Polizisten ist unglaublich unterhaltsam. Mit Nils Benedikt Höddinghaus als Kling zusammenzuspielen, ist wirklich lustig." Doch besonders großen Spaß hat er als Verbrecher und als liebender Papa - es könnte also kaum widersprüchlicher sein. "Donner-Karlsson und Blom erinnern mich sehr an die beiden Verbrecher aus 'Kevin - Allein zu Haus'. Mit Markus Weiß die dusseligen Kriminellen zu spielen, ist wirklich witzig", so Mendez gegenüber O|N.

Bei der Figur des Vaters denkt er oft an seine eigene Tochter. "In Kapitän Langstrumpf erkenne ich einige Züge von mir selbst. Er ist fürsorglich und denkt auf seinen Reisen oft an Pippi. Auch ich bin oft von meinem Zuhause bei München weg und vermisse meine zehnjährige Tochter." Trotz dessen, dass Mendez unterwegs ist, denkt er oft an seine Familie - und auch Bad Hersfeld ist wie ein zweites Zuhause. "Ich liebe die Festspiele. Alle hier sind wie eine zweite Familie. Wir kennen uns sehr gut und die Arbeit ist mir immer eine große Freude", machte Mendez fröhlich klar.

Mit dem linken Fuß zuerst auf die Bühne - "dann flutscht's"

Zwar hat der talentierte Schauspieler kein Problem mit dem Lampenfieber, aber einen anderen, kleinen Tick: "Ich gehe immer zuerst mit dem linken Bein auf die Bühne, dann flutscht's. Mit rechts spüre ich immer, dass etwas anders ist", sagte er lachend im Gespräch mit O|N. "Auf der Bühne habe ich einfach Spaß. Es läuft alles von allein. Dafür proben wir und unterstützen einander." Außerdem verriet er: "Wenn etwas schiefgeht, weiß das Publikum oft nicht davon oder mag es sogar - die Perfektion liegt in der Unperfektion."

Auch neben und nach den Festspielen bleibt Mendez seiner Leidenschaft treu. So übernimmt er in den Spielpausen einige Synchron-Jobs für Filme, Serien und Werbung.

Während des Gesprächs wurde immer wieder klar, warum Pippi Langstrumpf für Mendez mehr ist als nur ein Sommerstück. Für ihn ist das Ensemble "sehr harmonisch, verbunden miteinander". Mit Kollegen wie Laura Dittmann und Uriel Jung verbringt er auch abseits der Bühne Zeit - etwas, weshalb man sich, wie er sagt, "glücklich schätzen" könne, weil es "nicht der Standard" sei. Gleichzeitig sei Pippi ein Stück, das Kinder begeistert und Erwachsene in ihre Kindheit zurückversetzt.

Für die Zukunft hat Mendez einen klaren Wunsch: dass die Festspiele "noch mehr Boost bekommen" - und dass man sich "dann auch wieder auf der Bühne wiedersehen" wird. (Mia Schmitt) +++

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