Ein Rückblick
75 Jahre Festspiele - und fast zwei Jahrhunderte Theater
Archivfoto: O|N/Moritz Rös
23.07.2026 / BAD HERSFELD -
Die aktuell laufende Festspielsaison ist eine ganz besondere. Wie jeder Theaterfreund mittlerweile mitbekommen haben dürfte, feiern die Bad Hersfelder Festspiele ihr 75. Jubiläum. In dieser Zeit ist viel passiert. Zahlreiche aufgeführte Stücke durch bislang 18 Intendanten – inklusive Elke Hesse – begeisterten seit 1951 das Publikum. Doch die Geschichte der Festspiele reicht eigentlich noch weiter zurück.
OSTHESSEN|NEWS wirft einen Blick in die Vergangenheit des Theaters in der Hersfelder Stiftsruine. Von ersten Gehversuchen hin zu den ersten offiziellen Festspielen bis zur Moderne.
Die Geschichte reicht zurück bis 1761
Wir schreiben das Jahr 1761 und befinden uns im Dezember. Nach einem heftigen Wintergewitter schlug im Dach der Bad Hersfelder Stadtkirche ein Blitz ein und nach einem Brand wurde der ursprüngliche Dachreiter zerstört. Dieser wurde übrigens bis heute nie wieder in seinen Originalzustand versetzt. Was das mit den Festspielen zu tun hat? Viel!Konrad Duden und der Traum von Festspielen
Die sogenannten Laienspiele hatten inzwischen über 100 Jahre Tradition, ehe 1896 der Direktor des Hersfelder Gymnasiums, Konrad Duden, die Idee für Volksfestspiele hatte. Diese wurde zwar nie umgesetzt – doch sie hatte zur Folge, dass 1902 der Festspielverein Hersfeld gegründet wurde. Dieser brachte bis Ende der 1930er-Jahre zahlreiche Stücke in die Stiftsruine, die oftmals regionalen Bezug hatten.Johannes Klein machte Bad Hersfeld zur Festspielstadt
Dann schlug die große Stunde des erfahrenen Theatermannes Johannes Klein. Er unterbreitete 1950 dem "Hersfelder-Festspiel-Ausschuss" den Vorschlag, nach dem Vorbild der Mysterienspiele von Salzburg eigene Festspiele in der Stiftsruine zu veranstalten. Der Ausgang dieses Vorschlags dürfte bekannt sein.Von Hollywood nach Bad Hersfeld
Nach Klein wurde William Dieterle Intendant, der zuvor als Regisseur in Hollywood tätig war. 1960 wurde Dieterle sogar mit einem Stern auf dem berühmten Walk of Fame in Hollywood ausgezeichnet, 1938 erhielt er zudem eine Oskar-Nominierung in der Kategorie "Beste Regie" für seinen Film "Das Leben des Emile Zola". Und: Im Jahr 1966 verabschiedete sich ein uralter Brauch aus der Stiftsruine. Ab da trat Ulrich Erfurth seine Intendanz an und ordnete an, dass zukünftig beim Verlassen der Stiftsruine Beifall gespendet wird. Bis hierhin war es üblich, dass die Zuschauer nicht lachten oder applaudierten.Traditionsbruch im Jahr 2009
Seit 1952 war es Tradition, dass der amtierende Bundespräsident die Schirmherrschaft der Bad Hersfelder Festspiele übernahm und diese auch besuchte. So eröffnete beispielsweise im Jahr 1958 Willy Brandt das Hersfelder Theater, 2009 war es Horst Köhler. Es sollte das letzte Jahr gewesen sein, in dem diese Tradition aufrechterhalten wurde.Keine leichten Jahre für die Festspiele, da schon im Jahr 2014 die Entlassung des vorherigen Intendanten Holk Freytag für Diskussionen sorgte. Der Vorwurf. Freytag habe bei der Vorlage des Spielplans für 2015 den Haushaltsbeschluss der Stadtverordneten missachtet. Er sollte in besagter Festspielzeit 400.000 Euro einsparen.
Corona und ein neuerlicher Aufschwung
Nach den eher turbulenten Zeiten sollte Joern Hinkel ab 2018 das Ruder für die Festspiele herumreißen. Doch auch er hatte es nicht einfach. 2020 wurden die Festspiele aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt, ein Jahr später zählten die Festspiele nur rund 42.000 Zuschauer. Doch er riss das Ruder auf beeindruckende Art und Weise herum. Als sich Hinkel 2025 verabschiedete, wies er starke Zahlen in seiner Abschlusssaison vor – mit über 100.000 Besuchern.Seit diesem Jahr ist erneut Elke Hesse an der Reihe, die erfolgreiche Geschichte der Bad Hersfelder Festspiele fortzuführen. In der Hoffnung, dass diese viele weitere erfolgreiche Spielzeiten und Jubiläen feiern dürfen. (Kevin Hildebrand) +++