Kritik zu "Something Rotten"
Volltreffer zum Jubiläum: "Das lustigste Musical seit 400 Jahren" begeistert
Fotos: Moritz Rös
28.06.2026 / BAD HERSFELD -
Es gibt Premieren, die "einfach nur" gefallen. Und es gibt Premieren, die das Publikum von der ersten Minute an mitreißen und den gesamten Abend in ein einziges großes Fest verwandeln. Genau das gelingt "Something Rotten!" bei seiner Erstaufführung in deutscher Sprache in der Stiftsruine. Als Musical-Eröffnung der 75. Bad Hersfelder Festspiele setzt die Produktion nicht nur ein Ausrufezeichen - sie ist die Handschrift der Jubiläumssaison.
Selten hat man das Hersfelder Publikum so erlebt. Schon mit den ersten Szenen wird gelacht, geklatscht und gejubelt. Es vergeht kaum eine Minute ohne Szenenapplaus oder schallendes Gelächter. Die Zuschauer sind vom ersten Augenblick an Teil dieses verrückten Theaterkosmos. Und genau darin liegt eine der größten Stärken des Abends: Das Stück nimmt sich nie zu ernst - und gerade deshalb steckt in ihm erstaunlich viel Wahrheit.
Eine Liebeserklärung an das Theater
Denn hinter all dem Wortwitz, den absurden Einfällen und den zahllosen Musical-Anspielungen verbirgt sich eine kluge Liebeserklärung an das Theater selbst. Es geht um Neid, Ehrgeiz, Kreativität und den Mut, neue Wege zu gehen. Dass ausgerechnet dieses Stück die erste große Musical-Neuproduktion unter Intendantin Elke Hesse eröffnet, wirkt fast symbolisch. Hesse hatte angekündigt, Tradition zu bewahren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen. Genau das gelingt mit dieser Produktion auf beeindruckende Weise. Shakespeare bleibt präsent - aber er wird augenzwinkernd auf den Kopf gestellt. Das Ergebnis ist modern, mutig und unglaublich unterhaltsam. Tempo, Timing und ganz viel Spielfreude
Regisseur Matthias Davids beweist einmal mehr sein außergewöhnliches Gespür für Tempo und Timing. Nahezu jede Pointe sitzt, jede Szene greift nahtlos in die nächste. Dabei verliert die Inszenierung nie ihren Rhythmus. Die über zweistündige Aufführung vergeht wie im Flug. Immer wieder entdeckt das Publikum neue Gags, kleine Anspielungen und raffinierte Details. Viele Lacher kommen überraschend, manche entwickeln sich erst auf den zweiten Blick. Genau das macht den besonderen Reiz dieses Musicals aus.Auch musikalisch ist der Abend ein Hochgenuss. Christoph Wohlleben und sein Orchester liefern einen satten, kraftvollen Sound, während Kim Duddys Choreografien die Bühne nahezu explodieren lassen. Die Stiftsruine wird zur riesigen Musicalbühne, auf der jeder Zentimeter genutzt wird. Und sogar Stepptanz gibt es! Andrew D. Edwards' Bühnenbild und die fantasievollen Kostüme von Adam Nee schaffen dazu den perfekten Rahmen.
Ein Ensemble in Bestform
Vor allem aber lebt "Something Rotten!" von seinem großartigen Ensemble. Christopher Bolam und Benjamin Sommerfeld harmonieren als Nick und Nigel Bottom hervorragend. Die beiden Brüder könnten unterschiedlicher kaum sein - der eine voller Ehrgeiz und Verzweiflung, der andere verträumt und voller Idealismus. Gerade dieses Gegenspiel macht ihre Figuren so liebenswert. Beide überzeugen nicht nur gesanglich und tänzerisch, sondern auch mit feinem komödiantischem Gespür. Man nimmt ihnen jede Szene, jede Emotion und jede noch so absurde Situation ab. "Na, weil es Spaß macht"
Und dann ist da Gayle Tufts. Warum macht Nancy Nostradamus eigentlich all diesen Wahnsinn? Ihre herrlich einfache Antwort lautet: "Na, weil es Spaß macht." Kaum ein Satz beschreibt diesen Abend besser. Tufts stiehlt mit ihrer unverwechselbaren Bühnenpräsenz immer wieder Szenen, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Ihre Mischung aus Wortwitz, Charme und pointierter Komik ist schlicht grandios.
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