Proteststimmung als Grund

Martin Jahn (CWE): "Die StaVo in Fulda wird zum kunterbunten Zirkus"

Martin Jahn, Fraktionsvorsitzender der CWE
Fotos: Maurice Schumacher

27.03.2026 / FULDA - Die Volksparteien haben bei der Kommunalwahl einiges an Verlusten hinnehmen müssen. Doch nicht nur die. Auch kleine Parteien und Bürgerlisten hat es getroffen - wie die CWE. Von zwei Sitzen (Martin Jahn und Elke Diegelmann plus Stadtrat Rainer Kohlstruck) kommt die Bürgerliste nun auf nur noch einen Sitz. Im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch erklärt Fraktionsvorsitzender Martin Jahn, woran es gelegen haben könnte.


In der aktuellen Stadtverordnetenversammlung bildete die CDU zusammen mit der FDP und CWE eine Koalition. Nach der Kommunalwahl ist das nun so nicht mehr möglich - die FDP und CWE haben zu wenig Sitze. Und auch die CDU hat nun drei Sitze weniger.

"Wir hätten uns das Ergebnis anders gewünscht. Beim letzten Mal hatten wir 2,9 Prozent, davor 6,6 Prozent und jetzt 1,8 Prozent. Aber jetzt waren die Voraussetzungen auch anders", macht Jahn klar. Er meint damit, dass nun deutlich mehr Gruppierungen angetreten sind und dadurch Stimmen für die CWE verloren gingen. "Wir dachten aber im Vorfeld, dass wir dieses Jahr eher zulegen werden", zeigt sich Jahn enttäuscht. Er betont aber auch: "Die CWE hat schon immer um ihre Prozente gekämpft."

"Die Themen sind nicht richtig durchgedrungen"

Die Arbeit für die Stadt Fulda in der Koalition sei zwar erfolgreich und positiv gewesen, die Wähler hätten dies aber nicht gewürdigt. "Die Themen, die wir gerne vermittelt hätten, sind nicht richtig durchgedrungen." Laut Martin Jahn liege das besonders an der Stimmung im Land. "Die Menschen haben aus Protest gewählt", ist er sich sicher. Dabei hat die Koalition laut Jahn einiges in Fulda vorangebracht: solide Haushalte, das Klinikum weiter in städtischer Hand, neue Schulen und Kindergärten und Investitionen in Kultur. Gedankt hat der Wähler das nicht.

Während kommunalpolitische Themen bei den Wählern kaum im Fokus standen, waren diese laut Jahn eher wegen der hohen Spritpreise und der Lebenshaltungskosten frustriert. "Viele unterscheiden leider nicht zwischen Bundestagswahlkampf und Kommunalwahlkampf", so der CWE-Politiker. Die Frustration führe viele Wähler dann zur AfD. Dass die AfD dafür so stark war, liege aber nicht an der Stadtpolitik, sondern sei ein strukturelles Problem.

Dennoch ist sich Jahn sicher, dass die CWE kaum Wähler an die AfD, sondern eher an die Freien Wähler verloren habe. Die kamen in Fulda auf 2,1 Prozent - und ziehen damit in die Stadtverordnetenversammlung ein. "Damit haben wir jetzt einen kunterbunten Zirkus im Parlament", so Jahn. "In der Stadt ist es immer schwerer als im Landkreis wegen der vielen Parteien."

Und wie geht es für die CWE mit nur einem Sitz nun weiter? "Es laufen Gespräche und wir schauen mal, was die nächsten Wochen so bringen. Für Personalfragen ist es jetzt noch zu früh. Aber es gibt immer Möglichkeiten der Gestaltung", macht es Martin Jahn abschließend spannend. Wichtig ist ihm: "Eine Koalition mit AfD und Linke ist für uns ausgeschlossen." Auf Dauer werde es aber schwer, kontinuierlich stabile Mehrheiten zu finden. (Moritz Pappert) +++


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