Machtverhältnisse neu gemischt

Politisches Beben im Kreis: SPD verliert, CDU legt zu, AfD deutlich stärker

Die Kreistagswahl bringt deutliche Verschiebungen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.
Archivfoto: O|N / Christian Schmitt

19.03.2026 / REGION HEF-ROF - Die Stimmen sind ausgezählt - und das Ergebnis der Kreistagswahl sorgt für Verschiebungen in der politischen Landschaft. Während die SPD zwar stärkste Kraft bleibt, aber deutlich verliert, rückt die CDU dicht auf. Gleichzeitig gelingt der AfD ein massiver Zugewinn, der das Kräfteverhältnis im Kreistag grundlegend verändert. Klar ist: Die politische Zukunft im Landkreis Hersfeld-Rotenburg könnte deutlich komplizierter werden.



Mit 29,41 Prozent sichert sich die SPD zwar erneut den ersten Platz im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, doch im Vergleich zur letzten Wahl ist das ein deutlicher Rückschritt. 2021 lag die SPD noch bei 37,2 Prozent - ein Minus von fast acht Prozentpunkten.

Auch bei der Sitzverteilung zeigt sich das: Die SPD kommt künftig auf 18 Sitze im Kreistag und bleibt damit stärkste Kraft - allerdings nur noch knapp vor der Konkurrenz. Stimmenstärkster SPD-Kandidat ist Landrat Torsten Warnecke mit 24.293 Stimmen, gefolgt von Dirk Noll (22.355) und Daniel Iliev (22.210).

CDU legt zu und rückt dicht heran

Die CDU kann ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl deutlich verbessern. Mit 28,37 Prozent liegt sie nur noch knapp hinter der SPD und stellt künftig 17 Sitze im Kreistag. Damit ist die CDU der große Gewinner unter den etablierten Parteien und rückt in direkte Schlagdistanz zur SPD.

Stärkster CDU-Kandidat ist Andre Stenda mit 19.559 Stimmen, gefolgt von Timo Lübeck (18.846) und Christian Grunwald (18.084).

AfD mit massivem Zugewinn - drittstärkste Kraft

Für das größte politische Ausrufezeichen sorgt die AfD. Die Partei steigert sich von 8,3 Prozent bei der letzten Wahl auf jetzt 20,27 Prozent - mehr als eine Verdopplung. Mit 12 Sitzen wird die AfD zur klar drittstärksten Kraft im Kreistag und dürfte künftig eine deutlich größere Rolle spielen.

Auffällig: Die AfD-Kandidaten erzielen teilweise die höchsten Einzelstimmen im gesamten Feld. Gerhard Schenk (30.567 Stimmen) liegt sogar an der Spitze, dicht gefolgt von Peter Fricke (29.550) und Birgit Eydt (29.536).

Kleinere Parteien stabil - FDP verliert weiter

Die Freien Wähler kommen auf 7,96 Prozent und sichern sich fünf Sitze im Kreistag. Auch die Grünen erreichen mit 7,32 Prozent ebenfalls fünf Sitze, verlieren jedoch im Vergleich zur letzten Wahl an Zustimmung. Die FDP fällt auf 3,46 Prozent zurück und stellt künftig nur noch zwei Sitze. Auch Die Linke ist mit 3,21 Prozent und ebenfalls zwei Sitzen im Kreistag vertreten.

Sitzverteilung im Überblick

Der neue Kreistag mit insgesamt 61 Sitzen verteilt sich wie folgt:

SPD: 18 Sitze (Warnecke, Torsten - 24.293 Stimmen; Noll, Dirk - 22.355 Stimmen; Iliev, Daniel - 22.210 Stimmen; Stenda, Olivia - 18.654 Stimmen; Heusner, Timo - 18.537 Stimmen; Hartdegen, Tanja - 18.063 Stimmen; Vollmar, Karsten - 17.810 Stimmen; Fehr, Manfred - 16.887 Stimmen; Kempka, Julian - 16.627 Stimmen; Hilmes, Ralf - 16.213 Stimmen; Orth, Ralf - 15.985 Stimmen; Brethauer, Andreas - 15.706 Stimmen; Wiesenberg, Petra - 15.334 Stimmen; Koch, Manfred - 15.217 Stimmen; Rost, Simone - 15.157 Stimmen; Wirth, Alexander - 14.912 Stimmen; Göbel, Noa Emilia - 14.712 Stimmen; Petzold, René - 14.708 Stimmen)

CDU: 17 Sitze (Stenda, Andre - 19.559 Stimmen; Lübeck, Timo - 18.846 Stimmen; Grunwald, Christian - 18.084 Stimmen; Börner, Andreas - 17.584 Stimmen; Kerst, Dana - 16.640 Stimmen; Höttl, Herbert - 15.850 Stimmen; Becker, Markus - 15.726 Stimmen; Glänzer, Walter - 15.696 Stimmen; Saal, Jan-Ulrich - 15.609 Stimmen; Koch, Sarah - 15.422 Stimmen; Diegel, Friedhelm - 15.348 Stimmen; Seitz, Jonas - 15.206 Stimmen; Groß, Horst - 15.194 Stimmen; Urstadt, Roland - 14.665 Stimmen; Weirich, Alexandra - 14.373 Stimmen; Schneider, Philipp - 14.300 Stimmen; Schoenemann, Silvia - 14.239 Stimmen)

AfD: 12 Sitze (Schenk, Gerhard - 30.567 Stimmen; Fricke, Peter - 29.550 Stimmen; Eydt, Birgit - 29.536 Stimmen; Gloos, Kurt - 29.508 Stimmen; Hahn, Thomas - 29.262 Stimmen; Dombrowski, Detlef - 29.175 Stimmen; Habeck, Alexander - 28.827 Stimmen; Vollmann, Ursula - 28.773 Stimmen; Stachainczyk, Andreas - 28.348 Stimmen; Eisengräber, Sandra - 20.391 Stimmen; Gernert, Harald - 20.262 Stimmen; Schmidt, Sylvia - 20.243 Stimmen)

Freie Wähler: 5 Sitze (Richter, Jürgen - 13.207 Stimmen; Modenbach, Kurt - 12.891 Stimmen; Zilch, Anja - 12.759 Stimmen; Preßmann, Harald - 12.050 Stimmen; Vierheller, Hans Georg - 11.786 Stimmen)

Grüne: 5 Sitze (Selzer, Martina - 8.700 Stimmen; Zietz, Andrea - 8.177 Stimmen; von Verschuer, Wolf-Dietrich - 7.909 Stimmen; von Baumbach, Christa - 7.898 Stimmen; Dr. Mäthrich, Ulrike - 7.560 Stimmen)

FDP: 2 Sitze (Böhle, Bernd - 3.744 Stimmen; Dr. Kirschbaum, Stefan - 3.588 Stimmen)

Die Linke: 2 Sitze (Nuhn, Jasmin - 5.295 Stimmen; Bier, Maximilian - 5.221 Stimmen)

Damit gibt es künftig keine klaren Mehrheiten mehr - Koalitionen werden schwieriger und politisch spannender.

Deutliche Verschiebungen im Vergleich zu 2021

Ein Blick zurück zeigt, wie stark sich das politische Kräfteverhältnis verändert hat. Bei der letzten Kreistagswahl lag die SPD noch deutlich vorne, die CDU mit Abstand dahinter. Die AfD spielte damals mit 8,3 Prozent nur eine Nebenrolle. Jetzt ist das Bild ein völlig anderes: Die SPD verliert massiv, die CDU legt deutlich zu und die AfD etabliert sich als feste Größe.

Mit dem aktuellen Ergebnis steht der Landkreis Hersfeld-Rotenburg vor einer neuen politischen Phase. Klassische Mehrheiten sind kaum noch möglich, Bündnisse müssen neu gedacht werden. Die SPD bleibt zwar stärkste Kraft, doch ohne Partner wird sie keine Entscheidungen durchsetzen können. Gleichzeitig ist die CDU so stark wie lange nicht mehr - und die AfD sitzt mit einem deutlich größeren Block im Kreistag als zuvor. (Constantin von Butler) +++

Kommunalwahl 2026: Osthessen hat es in der Hand - weitere Artikel

↓↓ alle 55 Artikel anzeigen ↓↓

X