Kurz vor der Kommunalwahl

"Heimat mit Zukunft": Krug und Ziegler werben für starke SPD im Vogelsberg

Patrick Krug und Maximilian Ziegler werben bei O|N für eine starke SPD im Vogelsberg
Fotos: Laura Struppe

14.03.2026 / REGION VB - Der SPD-Spitzenkandidat im Vogelsbergkreis und Vizelandrat Patrick Krug ist gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Maximilian Ziegler derzeit viel im Vogelsberg unterwegs. Zusammen werben sie für eine starke SPD in ihrer Heimat. Welche Themen für die Partei in Zukunft wichtig werden und welche Herausforderungen auf die Region zukommen, darüber haben die beiden Politiker mit OSTHESSEN|NEWS gesprochen.

Wie läuft bei Ihnen der Wahlkampf bisher?


Krug: "Gut. Wir sind ja nicht erst seit den letzten fünf oder sechs Wochen unterwegs, sondern im Prinzip schon seit zwei Jahren gemeinsam durch die Städte und Gemeinden gereist und haben viele Ortsgespräche geführt. Dabei geht es vor allem ums Zuhören und darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihre Themen vor Ort aufzunehmen. Ich nehme eine positive Stimmung wahr und ein großes Interesse an kommunalen Themen."

Ziegler: "Ich habe ein gutes Gefühl. Wir haben früh angefangen und haben im Vogelsberg in der SPD ein gutes, junges Team. Wir arbeiten gut zusammen und der Wahlkampf macht Spaß. Ich würde sagen, wir haben für uns das Maximum herausgeholt und können insgesamt zufrieden sein."

Ihr Motto ist Heimat mit Zukunft, welche Zukunft hat denn der Vogelsberg?

Krug: "Hoffentlich eine gute. "Heimat mit Zukunft" ist die Idee, mit der wir zur Kreistagswahl antreten und die auch viele Stadt- und Gemeindeverbände übernommen haben. Dahinter steht für uns die Vorstellung einer Region, die lebendig, gerecht und voller Chancen ist. Eine Region, in der man jung sein und alt werden kann und in der man gerne lebt. Unser Landkreis hat ein großes Potenzial – nicht nur wegen der einzigartigen Naturlandschaft und der vielen Freiräume, sondern auch wegen seiner Lage in der Mitte Deutschlands und Europas sowie der guten Verkehrsanbindung. Natürlich sind wir nicht die einzige Region, die solche Voraussetzungen hat. Entscheidend ist am Ende, aus diesem Potenzial auch etwas zu machen."

Ziegler: "Es geht vor allem darum, ein positives Bild zu zeichnen. Wir wollen zeigen, dass der Vogelsberg Zukunft hat. Gleichzeitig gibt es aber auch Dinge, die wir verbessern müssen. Wir liegen zwischen mehreren Oberzentren und müssen deshalb sicherstellen, dass alles vorhanden ist, was Menschen für ihren Alltag brauchen – etwa gute Betreuung, funktionierende Schulen, eine gute ärztliche Versorgung und Pflegeangebote. Wenn das gewährleistet ist, kann der Kreis sehr gut funktionieren."

Bei den Themen, die Sie gerade angesprochen haben, wie gut ergänzen sie sich denn auf Landes- und einmal auf Kreisebene?

Ziegler: "Ich finde das sehr gut. Wir haben unterschiedliche Profile. Patrick hat durch seine Dezernate einen starken Schwerpunkt im sozialen Bereich, etwa mit der kommunalen Vermittlungsagentur. Ich arbeite im Landtag stärker an Themen wie Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft. Insgesamt sind wir ein funktionierendes Duo, weil wir unterschiedliche Schwerpunkte haben und uns gut ergänzen. Der gemeinsame Wahlkampf macht Spaß und ich glaube, das merkt man auch."

Krug: "Das kann ich nur zurückgeben. Ich glaube, man merkt auch nach außen, dass das gut funktioniert. Es hilft natürlich sehr, jemanden wie Maximilian in der Landtagsfraktion zu haben, der Themen aus dem Kreis nach Wiesbaden tragen kann. Wenn wir über Herausforderungen vor Ort sprechen, ist es wichtig, diese auch in Gesetzgebungsprozesse einzubringen. Maximilian vertritt die Interessen des Vogelsbergs dort sehr engagiert. Eine gute Anbindung nach Wiesbaden ist für unseren Landkreis enorm wichtig."

Im Vogelsbergkreis gibt es einen CDU-Landrat, trotzdem gilt die Region eher als SPD-geprägt. Gleichzeitig läuft vieles sehr geräuschlos. Wie kommt das?

Krug: "Das hat auch früher schon gut funktioniert – damals mit Manfred Görig als SPD-Landrat und Jens Mischak als CDU-Vizelandrat, heute andersherum mit Jens Mischak als Landrat und mir als Vize. Die Zusammenarbeit zwischen CDU und SPD im Vogelsberg ist traditionell sehr sachorientiert. Wir kümmern uns gemeinsam um die Herausforderungen vor Ort. Wenn wir unterschiedliche Auffassungen haben, diskutieren wir das intern und finden am Ende einen Kompromiss, den wir gemeinsam vertreten."

Das ist auf Landesebene ähnlich mit Boris Rhein als Ministerpräsident. Sehen Sie Parallelen?

Ziegler: "Ich finde es wichtig, sich an der Sache zu orientieren. Wenn politische Konflikte unnötig auf eine persönliche Ebene gezogen werden, entstehen Reibungsverluste. Davon hat am Ende niemand etwas. Die Menschen merken sehr genau, wenn Parteien konstruktiv zusammenarbeiten. Gerade Parteien, die in den Kommunen verwurzelt sind, können Probleme gut nach oben spiegeln. Daraus entstehen oft bessere Kompromisse."

Auf Bundesebene werden Konflikte deutlich öffentlicher ausgetragen. Schadet das der SPD auch im kommunalen Wahlkampf?

Krug: "Ich würde sagen: Es hilft uns zumindest nicht. Es ist kein Geheimnis, dass wir in diesem Wahlkampf keinen Rückenwind aus Berlin spüren. Ich würde mir wünschen, dass manche Dinge schneller umgesetzt werden und dass der Fokus stärker auf den Menschen liegt, die jeden Tag arbeiten, sich an Regeln halten und trotzdem keine großen Reichtümer anhäufen. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass je näher der Wahltag rückt, desto mehr interessieren sich die Menschen wieder für kommunale Themen."

Die Landtagswahl Baden-Württemberg hat jetzt auch nicht der SPD geholfen. Wie blicken Sie denn nach Baden-Württemberg, beziehungsweise auch zu dem Trend? Es stehen ja noch ein paar Landtagswahlen an.

Ziegler: "Man hat in Baden-Württemberg gut gesehen, dass es ein Baden-Württemberg-spezifisches Ergebnis ist. Es gibt ja bei Wahlen eine Standardabweichung, nach oben oder unten, in der was stattfinden kann. Ich glaube, dass wir im Wahlkampf sehr unter die Räder gekommen sind, zwischen Cem Özdemir als Person und zwischen Manuel Hagel als Person. In Rheinland-Pfalz ist es zum Beispiel wieder anders. Da ist am Ende Alexander Schweitzer auf einer Aufholjagd, zumindest was die Umfragen betrifft, und hat gute Chancen, das Ministerpräsidentenamt zu verteidigen. Also wir sehen, dass Wahlkämpfe sich personalisieren."

Ist es nicht auch etwas, was einen dann vielleicht auch persönlich ärgert, wenn man sich hier, wenn man durch die Kommunen reist, sich Sprichwörtlich den Arsch aufreißt für die Menschen, für die Heimat und dann eigentlich nur die Wahlergebnisse runter gedrückt werden durch die Bundesebene?

Ziegler: "Man könnte das so sehen. Mich spornt das aber eigentlich noch mehr an, weil natürlich dann dadurch klar wird, dass wir noch mehr Arbeit leisten müssen, um das eben aufzufangen und das ist auch die Herausforderung."

Krug: "Was die Motivation angeht, sieht man ja auch, dass wir vor Ort, egal wie die Verhältnisse sonst wo sind, auch wirklich konkret Dinge umsetzen können. Nehmen wir den Neubau des Kreiskrankenhauses in Alsfeld, wo wir jahrelang für gekämpft haben und wo es uns dann gemeinsam mit unserem Koalitionspartner, der CDU, aber auch anderen in der Kreispolitik gelungen ist, ausreichend Fördergelder nach Alsfeld zu holen. Und das ist ein echter Erfolg, der auch motiviert. Wenn man dann sieht, dass Dinge klappen und dass man auch Sachen vor Ort umsetzen kann und damit sehr konkret den Alltag von Menschen besser machen kann, dann ist das Motivation genug und auch was, womit man Menschen überzeugen kann."

Für was steht denn die SPD im Vogelsbergkreis?

Krug: "Heimat mit Zukunft zu verbinden. Zum einen für die Zukunft des ländlichen Raums, dafür, die Dinge zu bewahren, aber auch in die Moderne zu führen. Es geht vor allen Dingen darum, den Vogelsberg als Lebens-, als Wohn-, als Arbeitsort weiterzuentwickeln. Es geht darum, Infrastruktur nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter voranzubringen. Wir sehen den Vogelsbergkreis als eine starke Bildungsregion, um auch attraktiv für junge Familien zu sein. Auch mit Arbeitsplätzen, die in den Vogelsberg kommen. Ich glaube, was unser Landkreis mit prägt, ist Ehrenamt und Zusammenhalt. Das sind die vielen kleinen Dörfer, wo Menschen noch nach links und rechts gucken und nicht nur stur vor sich hin leben, wo man sich um den Nachbar kümmert, um den Arbeitskollegen kümmert und wo man sich einbringt vor Ort. Das ist Aufgabe von Politik, das ein Stück weit mit zu unterstützen."

Und bei Ihnen, Herr Ziegler, wie würden Sie den Vogelsberg im Landtag schmackhaft machen, dass man sich für den Vogelsberg einsetzen sollte?

Ziegler: "Bei uns ist es so, dass sich Menschen noch umeinander kümmern, also dass es sozialen Zusammenhalt gibt. Wir sind sehr attraktiv, was Natur betrifft, aber wir haben auch eine starke Wirtschaft. Und wenn wir es hinbekommen, die Versorgung so zu erhalten und auszubauen, dass Menschen gut und gerne dort leben, dann haben wir als Vogelsberg auch auf jeden Fall eine positive Zukunft."

Unabhängig von politischen Themen, was bedeutet denn der Vogelsberg persönlich für Sie beide?

Krug:"Für mich bedeutet er Heimat – im besten Sinne. Ich bin im Vogelsberg geboren, in Lauterbach, dann in Schwarz aufgewachsen und lebe heute in Alsfeld. Meine Familie und meine Freunde sind hier. Es ist der Ort, an dem ich mich zu Hause fühle, wo man sich kennt und verstanden wird. Deshalb liegt mir auch besonders am Herzen, wie sich diese Region entwickelt."

Ziegler: "Im Vogelsberg ist alles, was mir wichtig ist: meine Familie, meine Freunde und mein Umfeld. Ich war lange für Studium und Arbeit unterwegs – in ganz Deutschland und auch im Ausland. Aber ich habe mich bewusst entschieden zurückzukommen. Der Vogelsberger ist pragmatisch, direkt und verlässlich. Das schätze ich sehr."

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für den Vogelsberg in den kommenden Jahren?

Krug: "Zwei Themen stehen im Mittelpunkt: die finanzielle Situation der Kommunen und der demografische Wandel. Der Landkreis und die 19 Städte und Gemeinden müssen künftig noch stärker Prioritäten setzen. Gleichzeitig wird unsere Bevölkerung älter. Das stellt sowohl die medizinische Versorgung als auch den Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen."

Ziegler: "Der demografische Wandel ist tatsächlich die größte Herausforderung. Gleichzeitig gibt es aber auch Chancen – etwa durch neue wirtschaftliche Entwicklungen und Transformationsprozesse. Wichtig ist, dass wir jeden Menschen bestmöglich fördern, damit uns auf diesem Weg niemand verloren geht."

Jetzt gehören Sie beide eher zu einer jüngeren Generation Politiker. Wie bringen Sie da noch mal andere Themen ein oder blicken noch mal anders auf die Themen, die Sie bewegen?

Krug: Ja, ich glaube, das ist schon ein anderer Blick, wenn man das auch noch nicht so viele Jahre macht. Und ich glaube auch, dass jede Generation wahrscheinlich andere Herangehensweisen hat - auch für bestimmte Sachen wie Digitalisierung und andere Themen. Am Ende macht es auch die Mischung von neuen und erfahrenen Kandidaten. Es ist gut, dass wir auch Junge haben, die neue Ideen reinbringen und ein Stück weit auch einen neuen Schwung reinbringen. Das merkt man unserem Wahlkampf im Vergleich auch zum letzten Kommunalwahlkampf 2021 an, dass er deutlich agiler ist. Am Ende macht es die Mischung."

Ziegler: "Ich denke aber schon, dass jüngere Leute generell offener sind. Es ist schon gut, dass wir eine junge Truppe sind, weil man ein Stück weit flexibeler ist."

Welche Gefahr geht von der AfD aus?

Krug: "Ich neheme die AfD in diesem Wahlkampf nicht wahr. Es geht der AfD nicht um Vogelsberger Themen. Das erleben wir auch im Kreistag. Trotzdem ist mir bewusst, dass es ein Potenzial für die AfD gibt. Für uns ist klar, es gibt keinerlei Zusammenarbeit mit der AfD, weil wir grundsätzlich andere Überzeugungen haben.

Ziegler: "Ich sehe auf Landesebene, dass die AfD immer wieder krude Vorstellungen hat. Wenn man das den Wählern der AfD zeigen würde, dann würden sie auch andere Ergebnisse einfahren. In Grebenhain hatten wir vor acht Jahren schon Ergebnisse für die AfD über 20 Prozent. Das sind Dinge, die man nicht abtun darf. Wir müssen im Dialog sein und mehr mit den Menschen reden."

Wie Blicken Sie auf die Kommnualwahl am Sonntag?

Krug: "Ich bin optimistisch. Wir werden bis zum Wahltag weiter intensiv Wahlkampf machen. Unser Ziel ist es, wieder so stark zu werden, dass wir Verantwortung übernehmen können."

Ziegler:"Ich teile diesen Optimismus. Ich war viel an Haustüren unterwegs und habe viel positives Feedback bekommen. Jetzt gilt es, bis zum Schluss alles zu geben." (Moritz Pappert) +++

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