"Vogelsberg hat rechts-konservativ gewählt"

Mischak deutlich: CDU schließt Zusammenarbeit mit starker AfD aus

Der Vogelsberger Kreistag wurde neu gewählt. Aktuell liegen erste Trend-Ergebnisse vor.
Symbolbild: O|N / Moritz Pappert

17.03.2026 / REGION VB - Es sind bislang nur Trend-Ergebnisse - doch eins steht jetzt schon fest: In ganz Hessen hat die AfD deutlich an Stimmen zugelegt. Das ist auch im Vogelsberg der Fall. War sie bei der letzten Kommunalwahl 2021 noch bei 8,23 Prozent, liegt die Partei laut den Trend-Ergebnissen aktuell bei 22,00 Prozent und ist damit zweitstärkste Kraft im Kreis.



Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag, Holger Doktorowski, zeigt sich erfreut über die ersten Trendzahlen. "Dass die AfD derzeit bei rund 22 Prozent liegt, zeigt deutlich, dass sich immer mehr Menschen einen politischen Kurswechsel wünschen. Der Vogelsberg hat klar rechts-konservativ gewählt", sagt er im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Dies sei ein starkes Signal für die AfD und ein klarer Auftrag. "Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen." Dennoch möchte Doktorowski bis zum amtlichen Ergebnis "bodenständig" bleiben. "Wir werten diesen Trend aber schon jetzt als sehr positives Zeichen."

"Werden Mehrheiten organisieren, aber ohne AfD"

Landrat Dr. Jens Mischak von der CDU schließt auf Nachfrage von O|N eine Zusammenarbeit mit der AfD aus: "Das haben wir schon vor der Wahl gemacht und das machen wir auch hinterher. Wir werden Mehrheiten im neuen Kreistag organisieren, aber ohne die AfD", sagt er entschlossen. Dennoch sind die deutlichen Zugewinne in diesem Umfang überraschend. "Ich habe sie im Wahlkampf im Prinzip gar nicht wahrgenommen." Er denkt, dass die AfD aktuell vor allem von einer allgemeinen Unzufriedenheit profitiert, die sich über die Bundespolitik abbildet. "Da wird oft nicht zur Kommunalpolitik unterschieden." Mischak geht davon aus, dass die Persönlichkeitswahl das Ergebnis jedoch noch ein Stück nach unten korrigiert.

Die CDU kann aktuell ihr Ergebnis von der vergangenen Wahl (33,29 Prozent) gut halten. Das Minimalziel, über die 30 Prozent zu kommen, ist erreicht. Da Mischak die Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt, müssen andere Mehrheiten für eine Koalition gefunden werden. Als Erstes sollen Gespräche mit der SPD geführt werden. "Wir haben seit zehn Jahren gut zusammen. Die Ergebnisse zeigen: Ohne CDU und SPD wird es schwierig werden, eine Mehrheit zustande zu bringen, die nicht nur den kleinstmöglichen Kompromiss, sondern auch gute Politik für die nächsten Jahre machen will.

FDP verliert fast fünf Prozent

Für die FDP sind die Trend-Ergebnisse aktuell ein herber Rückschlag. Sie fallen derzeit von 6,24 (Ergebnis aus 2021) auf 1,80 Prozent. Für den Kreisvorsitzenden Stephan Ringmaier ein frustrierendes Ergebnis: "Es ist für uns enttäuschend und wir nehmen es sehr ernst. Wir hätten uns mehr Zustimmung gewünscht. Gleichzeitig sehen wir bundespolitische Einflüsse, die auch auf kommunaler Ebene eine sehr große Rolle gespielt haben." Für Ringmaier und die FDP ist der Kurs dennoch klar: "Unser Fokus bleibt aber auf der Kommunalpolitik: solide Finanzen, Digitalisierung in den Verwaltungen, wirtschaftliche Stärke und pragmatische Lösungen für unseren Kreis. Politik lebt von Vertrauen und daran werden wir weiterarbeiten."

Die Freien Wähler wollen das aktuelle Ergebnis (9,13 Prozent) noch nicht bewerten. "Wir warten das endgültige Ergebnis sowie die damit verbundene Sitzverteilung ab", heißt es vonseiten der Partei. (lu) +++

Vogelsberger Landrat Dr. Jens Mischak.
Archivfoto: O|N
Die vorläufigen Trend-Ergebnisse zur Kreiswahl im Vogelsberg.
Screenshot: Votemanager

Kommunalwahl 2026: Osthessen hat es in der Hand - weitere Artikel

↓↓ alle 40 Artikel anzeigen ↓↓

X