Profis bei der Arbeit (39)

Physiotherapeutinnen Miriam Benkner und Mattea Heil: "Gesundheitsschmiede"

Miriam Benkner und Mattea Heil beim Training mit ihren Patienten
Fotos: Carina Jirsch

03.08.2017 / NEUHOF - Rückenschmerzen gehören zu den verbreitetsten Volkskrankheiten in Deutschland. Auch in der kürzlich eröffneten Gesundheitsschmiede im Ärztehaus Neuhof leiden 60 bis 70 Prozent der Patienten unter Rückenproblemen. Mit geschickten Handgriffen und dem richtigen Training versuchen hier die zwei Physiotherapeutinnen Mattea Heil (27) und Miriam Benkner (28) zu helfen und ihren Patienten ein schmerzfreies, aktives und gesundes Leben zu ermöglichen.

Ob Rückenschmerzen durch langes Sitzen am Schreibtisch oder Knieprobleme nach Operationen - Probleme gibt es viele. Ein Großteil der Betroffenen sehnt sich regelmäßig den Besuch beim Physiotherapeuten herbei. Doch so einfach wie es aussieht, ist es gar nicht: Mattea Heil und Miriam Benkner haben den menschlichen Körper ganz genau studiert und wissen, wo sie drücken und massieren müssen, um ihren Patienten schnell zu helfen. "Die Gesellschaft hat sich verändert. Die Bewegungsarmut führt zu vielen Problemen", weiß Benkner und fügt an: "Ich bin immer wieder erschrocken, dass das Bewusstsein dafür nicht da ist." 

Durch regelmäßige Fortbildungen sind die zwei Neuhofer immer auf dem neusten Stand in der Medizin und versuchen ihren Patienten bestmöglich zu helfen. Ob durch eine Therapie auf der Liege, oder einem Training mit und an den Geräten - Heil und Benkner wissen ganz genau, wie sie einen schnellen Erfolg erzielen können. "Um die Ziele unserer Patienten zu festigen, bieten wir über die Therapie hinaus auch Trainingskurse an", sagt Heil. Denn Bewegung ist das A und O für ein gesundes Leben.

"Es ist ein unglaublich abwechslungsreicher Beruf. Zu unseren Patienten zählen jung und alt", sagt Heil. Da die beiden selbst sportlich aktiv sind, hat auch die Betreuung von Sportlern eine große Bedeutung. Viele junge Patienten kommen mit Meniskus- oder Kreuzbandriss in die Gesundheitsschmiede, in der sie an Stabilität und Muskelaufbau arbeiten. Die Expertinnen stehen natürlich mit Rat und Tat zur Seite und korrigieren bei der Ausführung der Übung. "Wir machen die Übungen auch gerne mit den Patienten zusammen, damit sie sich nicht alleine fühlen", sagt Benkner. Zudem legen die zwei Physiotherapeutinnen viel Wert auf ein ganzkörperliches Training: "Bei uns wird immer der ganze Patient behandelt. Nicht nur die betroffene Stelle." 

Die 28-jährige Miriam Benkner hat ihren Traumberuf durch Zufall gefunden: "Ich wollte eigentlich Medizin studieren, fand aber das Arbeiten als Physiotherapeutin schöner. Wir arbeiten direkt an und mit den Menschen, haben mehr Zeit für unsere Patienten und in der Regel sieht man auch schon nach der ersten Sitzung einen Erfolg." Auch das Feedback ist für Benkner immer wieder ein schönes Gefühl: "Wir kriegen sogar viel mehr zurück, als wir geben." Nach ihrem Abitur, startete die 28-Jährige ihre dreijährige Ausbildung an der staatlichen Berufsfachschule für Physiotherapie in Erlangen. 

„Ich wollte schon immer Physiotherapeutin werden“, sagt Heil. Und das, obwohl es für sie eine anstrengende Zeit war. Denn ihre Ausbildung an der Rhönakademie Schwarzerden musste sie selbst bzw. mit Hilfe ihrer Eltern finanzieren – und das, ohne Geld zu verdienen – da es die Ausbildung zum Physiotherapeuten nicht im klassischen dualen System gibt. „Ich habe trotzdem an meinem Berufswunsch festgehalten und meine gesamte Schullaufbahn danach ausgerichtet“, sagt die 27-jährige. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. "Mittlerweile sind Physiotherapeuten ein Mangel auf dem Markt. Für Patienten ist es schwierig Termine zu kriegen", erklärt ihre Kollegin den Bedarf an Physiotherapeuten. Und beide sind sich sicher: Grund dafür ist nicht nur die Ausbildung, sondern auch die schlechte Bezahlung: "Die macht den Beruf kaputt", sagt Benkner.

Sechs Jahre lang haben Miriam Benkner und Mattea Heil in verschiedenen großen Physiotherapiepraxen gearbeitet und Erfahrungen gesammelt. "Wir haben schon immer darüber nachgedacht, mal eine gemeinsame Praxis zu eröffnen", erzählt die 28-Jährige. Beide Physiotherapeutinnen kennen sich von Klein auf und spielen bereits seit über 20 Jahren Handball beim TV Neuhof. Das hat die Zwei zusammengeschweißt. In Gesprächen mit einem der Investoren des Ärztehauses Neuhof, wurde es dann ernst: "Wir wussten, das ist unsere Chance und die haben wir auch genutzt. Wir konnten es erst so richtig fassen, als wir die Praxis eröffnet haben." Noch immer sind die jungen Physiotherapeutinnen den Tränen nahe, wenn sie an diesen für sie sehr bedeutenden Schritt denken. Ein langersehnter Traum ging endlich in Erfüllung. 

"Nach über sechs Jahren verfügen wir über das notwendige Knowhow. Wir sind jung und motiviert", sagt Heil. Sie wollen mit ihrer Praxis in Neuhof eine Lücke schließen und den Menschen helfen. Ganz nach ihrer Philosophie wollen Heil und Benkner nicht nur an den aktuellen Beschwerden der Patienten arbeiten, sondern mit individuellen Präventivmaßnahmen dafür sorgen, dass die Patienten physisch und psychisch neue Kräfte erlangen. "Für uns ist es einfach der schönste Beruf, den es gibt." (Julissa Bär) +++

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