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"Wir können das nicht verstehen"

Kein Edeka am Niedertor: Einzelhändler sind besorgt um ihre Zukunft

Die Einzelhändler, die wie der Tegut-Markt am Niedertor ansässig sind, bangen um ihre Zukunft
Fotos: Philipp Gerhard

23.10.2026 / HÜNFELD - In der Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld (Landkreis Fulda) gibt es schon seit Jahrzehnten zwei Tegut-Märkte. Einer davon befindet sich bis zum 30. Oktober im Haune-Center in der Josefstraße und einer in der Straße "Niedertor". Während die Ladenfläche in der Josefstraße von Edeka übernommen wird, hat das Kartellamt die Übernahme des Marktes am Niedertor abgelehnt. Das Problem: Die weiteren Einzelhandelsgeschäfte in der Immobilie wären Stand von der Schließung ebenfalls betroffen. Eine Petition soll nun helfen.



Fast 1.000 Menschen haben sich mit einer Unterschrift bereits dafür engagiert, dass die Einzelhandelsgeschäfte am Niedertor erhalten bleiben. Nicht nur Kiosk-Betreiberin Simone Bräuer macht sich große Sorgen darüber, wie es in Zukunft weitergehen soll, auch die Metzgerei Quanz, der Schreibwarenladen und die Postfiliale bangen.

Schon vor dem Eingang steht ein Schild, das dazu aufruft, die Petition zu unterschreiben, die im Kiosk, beim Bäcker, im Schreibwarenladen und bei der Post ausliegt. Besonders setzt den Einzelhändlern, die teilweise genauso lang in der Immobilie ansässig sind wie der Tegut-Markt, die Ungewissheit zu. "Das ist schrecklich, eine Katastrophe", formuliert es Daniela Lenz von Hünfelds letztem Schreibwarengeschäft "Inspiration World".

Einzelhändler brauchen den Supermarkt

Etwas, das die Einzelhändler nicht verstehen können, ist, dass Edeka den Markt nicht übernehmen kann, weil das Kartellamt hier eine Absage erteilt hat. Liegt es daran, dass in der Josefstraße bereits ein Edeka entsteht? Für Simone Bräuer, Kioskbesitzerin seit 20 Jahren, ist das kein Grund: "Seit 25 Jahren gab es zwei Tegut-Märkte in Hünfeld - wieso nicht auch zwei Edeka-Filialen?" Die Immobilie ist groß und allein könnten die Einzelhändler nicht die Miete zahlen und müssten gehen. Die Geschäfte profitieren vor allem von denjenigen, die ohnehin schon ihren Wocheneinkauf erledigen und auf dem selben Weg Pakete wegbringen, Wurst, Zeitung oder auch Schreibwaren sowie kleine Geschenke kaufen.

Zudem gehen viele Senioren am Niedertor einkaufen, da sich viele Mediana-Pflegewohnungen direkt daneben befinden. Auch Kunden aus den umliegenden Ortsteilen gehen hier einkaufen und haben wenig Verständnis für die Entscheidung des Kartellamtes. "Wir reden uns hier sehr oft den Mund fusselig", erklärt eine Verkäuferin der Fleischerei Quanz - eine Antwort hat sie aber wie ihre Kolleginnen aus den anderen Geschäften ebenfalls nicht. Als vor einer ganzen Weile der Markt einmal umgebaut wurde, kam so gut wie niemand in die anderen Läden, wie Daniela Lenz berichtete.

Magistrat der Stadt ist wohl um Lösung bemüht

Rückhalt gibt es von der Hünfelder CDU-Fraktion, auch die Stadt selbst zeigt sich derzeit bemüht, eine Lösung zu finden, um die Nahversorgung im Nordend der Konrad-Zuse-Stadt zu finden. "Eine hoffentlich große Beteiligung an der Unterschriftenaktion zeigt, wie wichtig der Standort für viele Menschen ist. Eine wohnortnahe Lebensmittelversorgung ist gerade für ältere Menschen, Familien und Bürgerinnen und Bürger ohne eigenes Fahrzeug von besonderer Bedeutung", betont der CDU-Fraktionsvorsitzende Steffen Diegmüller.

Die Fraktion unterstützt laut einer Pressemitteilung ausdrücklich die Bemühungen des Magistrats, in Gesprächen mit Marktbetreibern und den Eigentümern der Liegenschaft für die freiwerdende Marktfläche am Niedertor einen geeigneten Nachfolger zu gewinnen. Dabei müsse aber klar sein, dass laufende Gespräche und Verhandlungen nicht permanent öffentlich begleitet werden könnten. Zumindest die CDU zeigt sich also zuversichtlich, dass eine Lösung für die Zukunft der Marktfläche gefunden werden kann.

Aktuell heißt es allerdings noch: quälende Unsicherheit für die Betreiber der Einzelhandelsgeschäfte. "Das so eine Entscheidung von anderen getroffen wird, macht einen schon ohnmächtig", sagt Simone Bräuer abschließend. (Philipp Gerhard) +++

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