Tradition weicht der Realität

Tegut-Aus: Zwischen Fassungslosigkeit, Enttäuschung und Existenzsorgen

Die Nachricht traf am Mittwochmorgen viele Menschen in Osthessen - Kundinnen und Kunden ebenso wie die Mitarbeitenden: Die Migros Zürich verkauft große Teile der Supermarktkette Tegut an Edeka.
Collage: O|N

12.03.2026 / REGION - Die Nachricht traf am Mittwochmorgen viele Menschen in Osthessen - Kundinnen und Kunden ebenso wie die Mitarbeitenden: Die Migros Zürich verkauft große Teile der Supermarktkette Tegut an Edeka. Der traditionsreiche Markenname soll nicht weitergeführt werden. Betroffen sind hunderte Filialen und tausende Beschäftigte in der Region.



Als Grund nennt die Schweizer Genossenschaft hohe Verluste und ein schwieriges Marktumfeld, das das Deutschlandgeschäft für die Migros wirtschaftlich untragbar machte (OSTHESSEN|NEWS berichtete ausführlich). Die Übernahme steht unter Vorbehalt des Bundeskartellamts.

Auch wenn intern schon länger über mögliche Szenarien spekuliert wurde, sorgt der offizielle Schritt für Bestürzung. Aus Mitarbeiterkreisen heißt es, die Entscheidung sei nicht überraschend gekommen, dennoch treffe sie viele wie ein Schock. Eine langjährige Mitarbeiterin bringt es auf den Punkt: "Mir bricht das schon ein Stück das Herz."

"Niemand weiß, wie es jetzt für uns weitergeht"

Viele erfuhren am Morgen von der Entscheidung der Migros. Über das hinaus, was öffentlich kommuniziert wurde, gebe es keine schriftlichen Informationen. "Niemand weiß, wie es jetzt für uns weitergeht", sagt uns ein Beschäftigter. Noch am Montag liefen Bewerbungsgespräche, während gleichzeitig für Mittwoch zu Gesprächen eingeladen wurde - die Verunsicherung ist entsprechend groß.

Vor den Filialen zeigt sich ein vielschichtiges Stimmungsbild. Eine Kundin erzählt, sie habe die Nachricht erst just erfahren und sei "ganz traurig darüber", weil Tegut unter der Familie Gutberlet immer für besondere Qualität und ein starkes Engagement für Bioprodukte gestanden habe. Andere berichten, sie seien regelmäßige Kunden und schätzten besonders das Sortiment und die Präsenz in kleinen Orten, wo es sonst oft keine Einkaufsmöglichkeiten gebe.

Wenn man etwas Gutes wollte, ging man zu Tegut

Ein Mann reagiert zunächst fassungslos und glaubt an einen schlechten Scherz, bevor er sagt, er kaufe hier sehr gerne, die Qualität sei gut, das Angebot verlässlich. Wieder andere geben sich pragmatisch, sie seien ohnehin eher Aldi‑ oder Edeka‑Kundschaft, fühlen sich daher weniger direkt betroffen. Gleichzeitig bleibt ein Tenor hörbar: Wenn man etwas Gutes wollte, ging man zu Tegut.

Zwischen Hoffnung und Skepsis pendeln die Einschätzungen zur Zukunft. Einige verweisen darauf, dass man die Entwicklung abwarten müsse, andere befürchten, dass es nach einer Übernahme "nicht mehr dasselbe" sein werde. Besonders emotional reagiert eine frühere Mitarbeiterin, die vor über 30 Jahren bei Tegut gelernt hat. Für sie ist es ein persönlicher Einschnitt. "Die Welt verändert sich. Da machst du nichts", sagt sie - und wirkt dabei zugleich traurig und gefasst.

Alltagskultur und regionale Identität

Mit dem Verschwinden des Namens "Tegut" geht für viele Osthessinnen und Osthessen mehr verloren als nur eine Supermarkt-Kette. Es ist ein Stück Alltagskultur, regionale Identität und eine Einkaufsgewohnheit, die verlässlich war - auch in kleineren Orten. Während auf Management‑Ebene weiter verhandelt wird und die Kartellprüfung aussteht, bleibt in den Märkten vor allem das Gefühl zurück, dass eine Ära zu Ende geht. Für die Mitarbeitenden überwiegen derweil Unsicherheit und die Frage, wie es ganz konkret weitergeht. (mmb) +++

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