"Modernste Speisekammer" entsteht

250-Millionen-Projekt von Edeka: Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld vor dem Aus?

Das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach bei Hünfeld steht durch die geplante Übernahme großer Teile von Tegut künftig besonders im Fokus.
Archivfoto: O|N / Hans-Hubertus Braune

12.05.2026 / REGION - Mitten in Nordhessen wächst derzeit eines der größten Bauprojekte der vergangenen Jahre heran: In Malsfeld-Ostheim (Schwalm-Eder-Kreis) entsteht für rund 250 Millionen Euro das neue Logistikzentrum der Edeka Hessenring. Der Handelsriese aus Melsungen reagiert damit auf steigende Anforderungen, fehlende Lagerkapazitäten und die zunehmende Automatisierung in der Branche. Gleichzeitig rückt durch die geplante Übernahme großer Teile von Tegut durch Edeka auch der Standort Hünfeld-Michelsrombach (Landkreis Fulda) verstärkt in den Fokus.

Noch rollen in Ostheim vor allem Bagger und Traktoren über die riesige Baustelle. Bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2029 soll dort jedoch die "größte und modernste Speisekammer Nordhessens entstehen", betont Florian Kramm, Geschäftsführer der Edeka Hessenring, im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Mehr als vier Millionen Menschen in Hessen, Thüringen und Niedersachsen sollen künftig von dort aus mit Lebensmitteln versorgt werden. Das neue Hochregallager wird über 40.000 Palettenplätze verfügen, rund 230.000 Artikel täglich ausliefern und mehr als 200 neue Arbeitsplätze schaffen.

"Die größte Investition des Unternehmens"

Edeka Hessenring reagiert mit dem Neubau vor allem auf die Situation am bisherigen Standort in Melsungen. Dort stößt das bestehende Lager inzwischen an seine Grenzen. Das Zentrum bleibt allerdings weiterhin erhalten und wird künftig durch den neuen Standort ergänzt. In Melsungen bleiben unter anderem die Bereiche Obst und Gemüse, Feinkost, Tiefkühlprodukte und das Fleischwerk bestehen.

"Es ist wahrhaft für uns eine historische Investition", sagt Geschäftsführer Florian Kramm. "Es ist die mit Abstand größte Investition des Unternehmens für die kommenden Jahre."

Der Neubau sei notwendig geworden, weil das bisherige Lager aus dem Jahr 1968 stamme und längst an seine Kapazitätsgrenzen gekommen sei. Wachstum sei dort kaum noch möglich gewesen. "Das Lager platzt aus allen Nähten", erklärt Kramm. "Das Lager hier ist so voll, dass die Waren in den Gängen stehen müssen."

Das neue Zentrum in Malsfeld soll deshalb vor allem das sogenannte Trockensortiment übernehmen – also Produkte wie Kaffee, Nudeln oder Konserven. Durch die direkte Lage an der A7 verspreche sich das Unternehmen zudem kürzere Transportwege und effizientere Abläufe. "Wir wollen die Menschen in der Region versorgen – und wollen in der Region bleiben", betont Kramm. "Außerdem haben wir hier verkehrstechnisch eine optimale Anbindung."

Die Entscheidung fällt auf Malsfeld

Der Neubau wird zugleich deutlich stärker automatisiert sein als bisherige Lagerstrukturen. Edeka setzt dabei auf moderne Fördertechnik, Hochregallager und neue Berufsbilder. Während körperlich belastende Arbeiten reduziert werden sollen, entstehen gleichzeitig neue technische Arbeitsplätze.

"Wir haben eine ganz andere Art von Arbeitsplätzen am neuen Standort: Anlagenführer, Mechatroniker, Elektriker", sagt Kramm. "Es wird ganz viele neue Beschäftigte geben, die wir ausbilden werden."

Die Entscheidung für Malsfeld fiel dabei auch deshalb, weil der neue Standort möglichst nah am Stammsitz Melsungen liegen sollte. Für Edeka Hessenring sei die Region seit Jahrzehnten fest verankert. "Wir haben hier ein großes Team an langjährig Beschäftigten. Wir sind seit 100 Jahren in Melsungen und über 500 Familien sind bei uns beschäftigt", so Kramm.

Neben modernster Lagertechnik setzt Edeka beim Neubau auch auf Energieeffizienz. Geplant sind unter anderem eine großflächige Photovoltaikanlage sowie moderne energetische Standards. Selbst die Farbgestaltung der Halle soll an die Landschaft angepasst werden.

Zukunft des Logistikzentrums sorgt für Diskussionen

Während in Malsfeld gebaut wird, richtet sich der Blick vieler Menschen in Osthessen inzwischen aber auch nach Michelsrombach bei Hünfeld. Dort betreibt Tegut eines seiner wichtigsten Logistikzentren. Nachdem bekannt wurde, dass große Teile der Tegut-Gruppe von Edeka übernommen werden sollen, steht auch die Zukunft des Standorts plötzlich stärker denn je zur Diskussion.

Denn mit dem neuen Edeka-Logistikzentrum in Malsfeld entsteht in unmittelbarer räumlicher Nähe ein hochmoderner Standort, der große Teile der Versorgung in Osthessen künftig selbst übernehmen könnte. Gerade im Bereich des Trockensortiments wäre Edeka mit dem Neubau in Malsfeld künftig deutlich breiter aufgestellt. Deshalb stellt sich zunehmend die Frage, ob das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach in seiner bisherigen Form überhaupt noch benötigt wird – oder ob es künftig zu Veränderungen am Standort kommen könnte.

Bedeutung für die Region soll berücksichtigt werden

Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) mahnt derzeit allerdings zur Zurückhaltung. Viele Fragen seien noch offen. "Auf die Fragen kann Stand heute noch nicht geantwortet werden, da die kartellrechtlichen Fragen noch nicht geklärt sind", erklärt Tschesnok. Gleichzeitig betont er die enorme Bedeutung des Standorts für die Region. "Allein aus der Zahl der Beschäftigten wird deutlich, dass dieser Standort eine erhebliche Bedeutung für Hünfeld und die ganze Region hat."

Zudem verweist der Bürgermeister darauf, dass beide Logistikzentren völlig unterschiedlich aufgebaut seien. Während Malsfeld ausschließlich das Trockensortiment übernehme, würden in Michelsrombach auch Frischwaren wie Obst, Gemüse und andere verderbliche Produkte gelagert und kommissioniert. Entsprechend deutlich größer seien auch die Dimensionen in Hünfeld.

Auch Tegut selbst erklärt, dass das Logistikzentrum Michelsrombach Teil der geplanten Übernahme sei. "Die künftige Ausgestaltung der Logistik wird derzeit gemeinsam mit der Edeka konkretisiert", teilt das Unternehmen mit. Weiter heißt es: "Der Standort (Anm. d. Red.: Michelsrombach) und seine Bedeutung für die Region werden dabei berücksichtigt."

Wie es mit dem Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach letztlich weitergeht, ist derzeit noch völlig offen. Auch Edeka Hessenring kann sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkret zur Zukunft des Standorts äußern. Klar ist jedoch: Die Entwicklungen rund um Michelsrombach dürften in den kommenden Monaten für ganz Osthessen eine wichtige Rolle spielen. OSTHESSEN|NEWS bleibt an dem Thema dran und wird weiter ausführlich berichten. (Constantin von Butler) +++

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