Das Ende einer Ära

Wolfgang Gutberlet blickt zurück: Nach 80 Jahren verschwindet der Name Tegut

Wolfgang Gutberlet blickt auf die fast 80-jährige Geschichte des Familienunternehmens zurück.
Grafik: O|N

12.03.2026 / REGION - Die Nachricht trifft Osthessen wie ein Paukenschlag: Die traditionsreiche Supermarktkette Tegut steht vor dem Ende. Nach Jahrzehnten als fester Bestandteil der regionalen Handelslandschaft wird der Name künftig nicht mehr weitergeführt. Die Genossenschaft Migros Zürich zieht sich aus Deutschland zurück und verkauft einen großen Teil des Unternehmens an Edeka. Für viele Menschen in der Region bedeutet das weit mehr als nur eine wirtschaftliche Entscheidung - es ist das Ende einer besonderen Unternehmensgeschichte.



Auch Wolfgang Gutberlet, Sohn des Tegut-Gründers Theo Gutberlet, blickt mit persönlichen Worten gegenüber OSTHESSEN|NEWS auf die lange Entwicklung des Unternehmens zurück.

Ende einer fast 80-jährigen Unternehmensgeschichte

"Nach fast 80 Jahren endet die Geschichte von Tegut. Sie entstand nach dem Krieg aus der Not eines schwer verwundeten Familienvaters (1947) mit einem Sinn für die Nöte der Menschen. Am Anfang ging es darum, die Menschen überhaupt mit Essen zu versorgen, später, auch ums "wie", mit Blick auf Gesundheit und Schönheit, um diesen bei zunehmendem Wohlstand eine wachsende Bedeutung zu geben", so der Gründer-Sohn.

Was einst als kleine Initiative nach dem Zweiten Weltkrieg begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer bekannten Lebensmittelkette mit starkem Bezug zur Region Fulda und Osthessen. Tegut galt lange als Unternehmen mit eigenen Ideen, besonderem Anspruch an Lebensmittel und einer klaren Haltung zu Qualität und Nachhaltigkeit.

Mut zu neuen Ideen

Wolfgang Gutberlet war selbst viele Jahre Teil dieser Entwicklung und prägte die Ausrichtung des Unternehmens maßgeblich. "42 Jahre war ich tätig und mit dem Unternehmen verbunden, 36 Jahre davon in leitender Verantwortung. Tegut hat daran gearbeitet, es gut zu machen, und deshalb gewagt, immer wieder Neues aufzugreifen, und ist deshalb gewachsen."

Doch im Laufe der Jahre veränderten sich die Marktbedingungen im deutschen Lebensmittelhandel deutlich. Konkurrenzdruck, steigende Kosten und strukturelle Veränderungen setzten dem Unternehmen zunehmend zu. Auch diese Entwicklung spricht Gutberlet offen an.

"Im neuen Jahrtausend wurde der Drang zum Wachsen zu stark. Wenn man manchem Wert verleihen kann, ist es gut zu wachsen, wenn zu sehr der eigene Wert im Vordergrund steht, macht man leichter Fehler. Nichts wäre möglich gewesen ohne die gute und treue Mitwirkung vieler Menschen im Unternehmen und auch vieler Menschen außerhalb des Unternehmens, den Lieferanten und besonders den Kunden."

Verkauf an Edeka beendet Tegut-Geschichte

Heute widmet sich Gutberlet neuen Projekten abseits des Handelsgeschäfts. "Mich hat mein Streben 2009, mit 65 Jahren, eine neue Initiative ergreifen lassen, das "LindenGut" in Dipperz, wo ich im Kleinen die Frage nach guten, gesundenden Lebensmitteln und Lebensweisen voranzubringen versuche."

Mit dem Verkauf an Edeka endet damit eine Unternehmensgeschichte, die in Osthessen über Generationen hinweg eng mit der Region verbunden war. Der Name Tegut verschwindet - die Erinnerungen an ein besonderes Kapitel regionaler Wirtschaftsgeschichte bleiben. (Constantin von Butler) +++

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