Aktuell kein Nachfolger in Sicht

Tegut-Aus: Leere Fläche, kein Plan - was kommt nach den Zelten?

Erst wurden die markanten Zelte abgerissen, dann sollte ein moderner Neubau entstehen - doch daraus wird vorerst nichts: Die Bauarbeiten für den neuen Tegut-Markt am Ortseingang von Petersberg ruhen.
Fotos: Moritz Bindewald

07.05.2026 / PETERSBERG - Erst wurden die markanten Zelte abgerissen, dann sollte ein moderner Neubau entstehen - doch daraus wird vorerst nichts: Die Bauarbeiten für den neuen Tegut-Markt am Ortseingang von Petersberg ruhen. Hintergrund ist der angekündigte Verkauf der Tegut-Kette durch die Schweizer Migros-Gruppe. Was aus dem prominent gelegenen Areal an der Bundesstraße wird, ist derzeit völlig offen - und die Suche nach einem Nachfolger könnte sich schwieriger gestalten als zunächst gedacht.



Migros hat angekündigt, Tegut im Rahmen umfangreicher Veräußerungspakete zu verkaufen. Als Interessenten haben sich Edeka (rund 200 Filialen), Rewe (bis zu 40 Filialen), Aldi Nord (einzelne Standorte) sowie die Smart-Store-Kette Tante Enso (bis zu 36 Filialen in Hessen, Bayern und Thüringen) gemeldet.

Auf Anfrage von OSTHESSEN|NEWS teilt Migros mit: "Wie Sie wissen, sind wir mit verschiedenen Marktteilnehmern in Verhandlungen zu umfangreichen Veräußerungspaketen. Zum Teil sind diese auch bereits unterschrieben. Sämtliche Transaktionen sind nach Anmeldung durch die Käufer durch das Bundeskartellamt zu prüfen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, weshalb wir auch zu einzelnen Standorten und Käufern keine konkreten Aussagen treffen werden. Wir bitten dafür um Verständnis."

Werner-Gruppe: "Eine gute Lösung für alle Parteien"

Grundstückseigentümer und Bauherr ist die Werner-Gruppe aus Fulda. Auch sie hält sich bedeckt: Zur Zukunft der Fläche könne man derzeit nichts Verbindliches sagen, teilt das Unternehmen mit. Man sei jedoch bemüht, eine für alle Parteien gute Lösung zu finden.

Nach OSTHESSEN|NEWS-Informationen sind Mietvertragslaufzeiten von zehn Jahren oder länger branchenüblich - eine Übernahme des bestehenden Vertrags durch einen neuen Betreiber gilt daher als realistischer Weg.

Kaum Interessenten trotz attraktiver Lage

Und genau hier liegt das Problem: Wer käme überhaupt als Nachfolger in Frage? Ein Blick auf die Wettbewerbssituation vor Ort zeigt, wie eng der Kreis realistischer Kandidaten ist.

Der geplante Neubau sah nach früheren Angaben von Tegut eine Verkaufsfläche von rund 2.000 Quadratmetern vor - eine Vergrößerung gegenüber dem alten Markt mit rund 1.300 Quadratmetern. Das entspricht einem klassischen Supermarktformat. Und genau dieses Format ist am Petersberger Ortseingang bereits mehrfach besetzt: Edeka, Rewe, Lidl, Norma und Aldi Süd betreiben allesamt Filialen in unmittelbarer Nähe - und damit scheiden gleich mehrere der bekannten Tegut-Interessenten als Nachfolger praktisch aus. Sie würden sich schlicht selbst Konkurrenz machen.

Auch die übrigen Kandidaten aus dem laufenden Verkaufsprozess passen nicht. Tante Enso zielt auf kleinere Läden zur Nahversorgung im ländlichen Raum - und ist damit für einen 2.000-Quadratmeter-Standort an einer vielbefahrenen Bundesstraße das falsche Format. Penny, die Discountertochter von Rewe, betreibt bereits eine Filiale im benachbarten Dipperz. Denn's Biomarkt ist zwar in Fulda vertreten, betreibt aber typischerweise deutlich kleinere Märkte zwischen 400 und 1.200 Quadratmetern.

Kommen Netto oder Hit?

Bleiben im Wesentlichen zwei Kandidaten, die weder direkt vor Ort vertreten sind noch vom Flächenformat her ausscheiden: der Discounter Netto (allerdings in Petersberg bereits mit einer nur etwa drei Kilometer entfernten Filiale präsent), oder ein Regions-Exot wie der Vollsortimenter "Hit". Beide sind bislang nicht als Interessenten im Tegut-Verkaufsprozess aufgetreten. Petersberg ist dabei kein Einzelfall: Auch zwei geplante Tegut-Märkte im Münchner Neubaugebiet Freiham befinden sich im Rohbau - ob sie noch fertiggestellt werden, ist laut Branchenbeobachtern offen.

Denkbar wäre auch, dass ein bereits vor Ort ansässiger Händler seinen bestehenden Markt aufgibt und in den attraktiveren Neubau umzieht - doch auch das würde die Nutzungsfrage am bisherigen Standort nur verschieben, nicht lösen.

Petersbergs Bürgermeisterin Claudia Brandes bringt es auf den Punkt: Die Gemeinde habe erhebliche Ressourcen in ein Bauleitplanverfahren investiert, das genau auf diesen Standort ausgerichtet war. Das Bild der ruhenden Baustelle an einer der meistbefahrenen Straßen sei "weder im Sinne der Gemeinde noch der Bürgerinnen und Bürger."

Gemeinde hofft auf zeitnahe Lösung

Die Rechtslage schränkt die Optionen zusätzlich ein: Auf einem Teil des Grundstücks ist laut Bebauungsplan ausschließlich großflächiger Einzelhandel zulässig. Wer das ändern möchte, muss die Gemeinde einbeziehen und ein neues Bauleitplanverfahren anstoßen.

Brandes gibt sich dennoch zuversichtlich: "Ein Standort in direkter Nähe zur Bundesstraße und Autobahnauffahrt ist immer eine attraktive Lage. Wir sind zuversichtlich, dass die Lage des Areals auch für neue Interessenten attraktiv ist, und setzen darauf, dass die weiteren Entwicklungen zeitnah Klarheit bringen werden."

Bis dahin bleibt die Baustelle am Ortseingang von Petersberg bestehen - und eine Lösung dürfte komplizierter sein, als die gute Lage vermuten lässt. (Moritz Bindewald) +++

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