Die wichtigsten Stationen
Von der Gründung bis zum Verkauf an Edeka: fast 80 Jahre tegut
Foto: O|N Archiv
13.03.2026 / REGION -
Die geplante Übernahme großer Teile der Supermarktkette Tegut durch den Handelskonzern Edeka ist für die Region Fulda und ganz Osthessen ein einschneidendes Ereignis. Über Jahrzehnte hinweg gehörte das Unternehmen zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region und galt als Vorreiter in den Bereichen Lebensmittelqualität, Nachhaltigkeit und Innovation. Mit dem Verkauf durch den bisherigen Eigentümer Migros könnte nun das endgültige Aus der eigenständigen Marke Tegut drohen – mit möglichen Folgen für den Wirtschafts- und Handelsstandort Fulda.
Gegründet wurde das Unternehmen 1947 von Theo Gutberlet. Sein ursprüngliches Ziel war es, die Menschen in der Nachkriegszeit mit Lebensmitteln zu versorgen. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich daraus eine Unternehmensphilosophie, die zunehmend von Werten wie Nachhaltigkeit, Fairness und Transparenz geprägt war. Die folgende Chronik gibt einen Überblick über die rund 80-jährige Geschichte von tegut – vom aktuellen Stand ausgehend und rückblickend bis zu den Anfängen.
Tegut in Zahlen
- gegründet: 1947
- Gründer: Theo Gutberlet
- Sitz: Fulda
- zuletzt rund 300 Märkte in sechs Bundesländern, die meisten davon in Hessen
- rund 7.700 Beschäftigte
Die wichtigsten Stationen von Tegut
2026: Verkauf großer Teile an Edeka2020: Start der Teo-Märkte (aktuell gibt es 40 Standorte)
1982: Einstieg in Bio-Produkte (Pionier in Deutschland)
11. März 2026 – Verkauf an Edeka
Am 11. März 2026 wird bekannt, dass sich der Schweizer Handelskonzern Migros aus dem deutschen Markt zurückzieht und große Teile der Supermarktkette Tegut an den Handelskonzern Edeka verkauft. Trotz massiver Kosteneinsparungen hat sich das Marktumfeld in Deutschland weiter verschärft, was zu rückläufigen Umsätzen geführt hat. Unter diesen Bedingungen sei Tegut mit seiner spezifischen Positionierung und seiner vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig. Rund 200 der mehr als 300 Filialen sollen künftig in den Edeka-Verbund integriert werden. Auch das Logistikzentrum in Michelsrombach (Landkreis Fulda) sowie weitere Unternehmensteile wechseln zu Edeka. Insgesamt sind etwa 7.700 Beschäftigte betroffen. Nach Angaben von Edeka könnten dadurch mehr als 4.500 Arbeitsplätze gesichert werden. Die Genehmigung durch das Bundeskartellamt steht zu diesem Zeitpunkt noch aus. Für die Region Fulda und ganz Osthessen gilt der Verkauf als schwerer Einschnitt, da tegut über Jahrzehnte einer der wichtigsten Arbeitgeber und ein prägender Bestandteil des Wirtschaftsstandorts war. Offen ist hingegen bislang, was künftig aus den übrigen gut 100 Tegut-Supermärkten wird.
Bereits im Februar 2026 wird bekannt, dass der tegut-Markt in Hofbieber im Landkreis Fulda im August schließen soll.
2025 – Krise verschärft sich
Die wirtschaftliche Lage der Supermarktkette bleibt angespannt. Im November 2025 berichtet die Branchenzeitung Lebensmittel Zeitung, dass statt der ursprünglich geplanten 35 möglicherweise rund 50 der etwa 300 Filialen verkauft werden sollen. Der Mutterkonzern Migros äußert sich dazu nicht konkret und spricht weiterhin davon, dass das Unternehmen auf einem "Erfolgskurs" sei. Im Mai schließt die Tegut-Filiale in Petersberg nach 25 Jahren. Die teo-Märkte wurden aus tegut ausgegliedert – der Fokus soll verstärkt auf Supermärkten liegen. Betrieben wird teo nun von Smart Retail Solutions, einer Tochterfirma von Migros. 2024 – Sanierung und Stellenabbau
Der Wettbewerb mit Discountern und großen Handelsketten verschärft sich weiter. Gleichzeitig schreibt tegut bereits seit Jahren Verluste. Ein umfassendes Sanierungsprogramm soll die Wirtschaftlichkeit verbessern. Das Ziel besteht darin, die Kosten zu senken, unrentable Standorte zu schließen und in zukunftsfähige Filialen zu investieren. Im November wird bekannt, dass am Firmensitz in Fulda rund 120 Stellen abgebaut werden sollen und etwa 35 Filialen abgestoßen werden sollen. Auch Geschäftsführer und Enkel des Gründers Thomas Gutberlet verlässt das Unternehmen im November. Die Geschäftsführung wird neu aufgestellt mit Sven Kispalko, Karl-Christian Bay und Robert Schweininger.Ende Juni verlässt Jörg Blunschi, der als Chef von Migros Zürich 2012 maßgeblich für die Übernahme von tegut verantwortlich war und diesen Entschluss auch Anfang des Jahres noch verteidigt hat, das Unternehmen. Seine Position übernimmt Patrick Pörtig. Im Februar werden die ehemaligen basic-Filialen nach Renovierung unter dem Namen tegut wiedereröffnet.
2023 – Übernahme von basic und neues Logistikzentrum
Im Jahr 2023 übernimmt tegut die Bio-Supermarktkette basic AG Lebensmittelhandel mit 19 Standorten und rund 500 Mitarbeitenden. Im selben Jahr geht außerdem ein neues Logistikzentrum im Ortsteil Michelsrombach der Gemeinde Hünfeld im Landkreis Fulda in Betrieb, in dem rund 800 Beschäftigte arbeiten sollen. Gleichzeitig schließt eine tegut-Filiale in Burghaun.2022 – Beginn wirtschaftlicher Verluste
Nach Schätzungen der Schweizer Wirtschaftszeitung Handelszeitung hat tegut den Eigentümer Migros inklusive Kaufpreis und Investitionen rund 640 Millionen Euro gekostet. Zwischen 2013 und 2022 konnte das Unternehmen lediglich viermal ein positives Jahresergebnis erzielen.2020 – Einführung des teo-Konzepts
Im Jahr 2020 startet tegut ein neues Konzept: die sogenannten teo-Mini-Märkte. Dabei handelt es sich um kleine, automatisierte Läden, die teilweise rund um die Uhr geöffnet sind und ohne Personal betrieben werden. Der erste Markt eröffnet im November 2020 in der Lindenstraße 32 in Fulda. Ziel des Konzepts ist es, auch in kleineren Ortschaften und urbanen Räumen präsent zu sein.2014 bis 2019 – Modernisierung und Investitionen
In diesen Jahren modernisiert tegut zahlreiche Filialen und baut das Sortiment an Bio-Produkten sowie regionalen Lebensmitteln weiter aus. Zudem werden neue Logistikstrukturen aufgebaut. Der Logistikstandort in Fulda wird ab 2016 weiterentwickelt. Im Mai 2017 übernimmt tegut die Herzberger Bäckerei vollständig.2013 – Verkauf an Migros
Im Januar 2013 verkauft die Eigentümerfamilie Gutberlet das Unternehmen tegut an den Schweizer Handelskonzern Migros, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Zu dem Verkauf gehören rund 280 tegut-Märkte in Hessen, Nordbayern, Thüringen sowie in Göttingen und Mainz.Die Unternehmenszentrale bleibt weiterhin in Fulda. Die Geschäftsleitung unter Thomas Gutberlet und mehr als 5.000 Mitarbeitende bleiben weiterhin in Fulda tätig. Migros verfolgt das Ziel, über tegut stärker in den deutschen Markt zu expandieren.2012 – Ankündigung eines neuen Eigentümers
Am 11. Oktober 2012 wird bekannt, dass tegut zum Schweizer Unternehmen Migros expandiert. Das Unternehmen erklärt, dass weiteres Wachstum mit neuen Märkten nur mit einem starken Partner möglich sei. Die Zustimmung des Bundeskartellamtes steht zu diesem Zeitpunkt noch aus.2000er Jahre – Ausbau und Generationswechsel
Im Jahr 2002 betreibt tegut 308 Märkte mit rund 7.000 Mitarbeitenden. 2004 wird in Fulda das Einkaufszentrum Kaiserwiesen mit einem 3.600 Quadratmeter großen Verbrauchermarkt eröffnet. 2008 zählt das Unternehmen 305 Märkte mit 6.247 Beschäftigten. Im Jahr 2009 übernimmt Thomas Gutberlet, der Enkel des Gründers, die Geschäftsleitung von seinem Vater Wolfgang Gutberlet.1990er Jahre – Expansion in mehrere Bundesländer
In den 1990er Jahren baut tegut sein Filialnetz deutlich aus und ist zunehmend in Hessen, Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg vertreten. 1996 wird die Herzberger Bäckerei gegründet. 1997 gibt es bereits 356 tegut-Märkte in Deutschland mit 8.099 Mitarbeitenden. 1998 wird der Markenname der Filialen auf "tegut… gute Lebensmittel" umgestellt. 1999 führt das Unternehmen seine Eigenmarke "tegut… Märkte mit dem Reinheitsversprechen" ein.Bereits ab 1982 führt tegut als einer der ersten deutschen Lebensmittelhändler Bio-Produkte im Sortiment. Bis 1988 wächst das Unternehmen auf 141 Märkte mit rund 3.200 Mitarbeitenden.
1973 übernimmt Wolfgang Gutberlet, der Sohn des Firmengründers, die Unternehmensführung und prägt die Entwicklung der Supermarktkette maßgeblich.
1958 – tegut erhält seinen ersten Obstlaster.
1955 – Umbenennung zu tegut
Wegen einer Namensähnlichkeit mit einer anderen Firma wird das Unternehmen von "Thegu" in "tegut" umbenannt. In dieser Zeit beginnt auch der Aufbau eines regionalen Lebensmittelgroßhandels in Osthessen.
1947 – Gründung des Unternehmens in Fulda
Im November 1947 gründet Theo Gutberlet das Unternehmen in Fulda. Ausgangspunkt sind zwei kleine Tante-Emma-Läden. Mit bescheidenem Startkapital – unter anderem gebrauchten Nägeln, Taschen aus Wehrmachtsbeständen und selbst genähten Hemden aus Fallschirmseide – legt er den Grundstein für eine Supermarktkette, die über Jahrzehnte die Region prägen sollte.Der ursprüngliche Firmenname lautet "Thegu" und setzt sich aus den Anfangsbuchstaben des Gründers zusammen. Zu Beginn betreibt das Unternehmen zwei Märkte und beschäftigt zwei Mitarbeiter. Ziel von Theo Gutberlet ist es zunächst, die Menschen nach den schwierigen Nachkriegsjahren mit Lebensmitteln zu versorgen. Später prägen zusätzlich Werte wie Nachhaltigkeit, Fairness und Transparenz die Unternehmensphilosophie. (Svenja Humme) +++
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