"Finanzieller Kraftakt"

Stadt schwingt Vorkaufshammer! Magistrat beschließt Gummi-Erwerb

Das ehemalige Goodyear-Areal zählt zu den größten innerstädtischen Entwicklungsflächen in Fulda.
Archivfoto: O|N/ Hendrik Urbin / Christian P. Stadtfeld

23.03.2026 / FULDA - Es ist eine Entscheidung mit historischer Tragweite für die Domstadt: Der Magistrat der Stadt Fulda hat in seiner Sitzung am Montag beschlossen, das besondere Vorkaufsrecht für das weithin bekannte Goodyear-Gelände auszuüben. Rund 16,2 Hektar mitten in der Stadt - ein Filetstück, das Fulda nun selbst in die Hand nehmen will. Parteiübergreifend, einmütig und mit dem klaren Blick auf eine Zukunft, die Arbeitsplätze sichert, Gewerbe ermöglicht und das Stadtbild prägt.



Der ursprüngliche Käufer, die W&L Logistics GmbH i.G. aus Frankfurt, hatte mit seinem Konzept die Stadt nicht überzeugen können. Daraufhin entschied sich der Magistrat, das Vorkaufsrecht wahrzunehmen - und gleichzeitig dessen sofortige Vollziehung anzuordnen. Der Erwerb ist kein Schnäppchen: Inklusive Steuern und Kaufnebenkosten rechnet die Stadt mit Kosten von rund 16,2 Millionen Euro. Die entsprechenden Mittel sind im Haushalt 2026 bereits eingestellt und vom Regierungspräsidium Kassel genehmigt worden.

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld kommentierte das Votum deutlich: "Das ist ein finanzieller und organisatorischer Kraftakt, den wir im Interesse einer zukunftsfähigen Entwicklung Fuldas zu stemmen haben." Umso wichtiger sei es, dass diese weitreichende Entscheidung nach eingehender Prüfung einmütig getroffen worden sei. Für die weitere Entwicklung seien verschiedene Szenarien absehbar, die jeweils eine komplexe juristische Komponente hätten. Die Stadt sei auf alle Szenarien vorbereitet und habe sich externen Sachverstand gesichert, so Wingenfeld.

Arbeits- und Produktionsstandort soll erhalten bleiben

Ziel der Stadt ist der langfristige Erhalt und die Weiterentwicklung der innerstädtisch gelegenen Gewerbefläche. Das Areal der ehemaligen Gummiwerke gilt aufgrund seiner schieren Größe und seiner Lage mitten in der Stadt als einzigartig - und soll auch künftig ein bedeutender Arbeits- und Produktionsstandort bleiben.

Konkret plant die Stadt, das Gelände städtebaulich neu zu ordnen und einen Bebauungsplan aufzustellen. Das Areal soll neu parzelliert werden, um kleinteilige, diversifizierte Gewerbeansiedlungen zu ermöglichen. Darüber hinaus soll das Gelände städtebaulich insgesamt aufgewertet, bestehende Baulandreserven genutzt und die Nutzung von Außenbereichsflächen vermieden werden. Ein weiteres erklärtes Ziel: die Schaffung einer signifikanten Anzahl adäquater Arbeitsplätze - vergleichbar mit der früheren Nutzung durch Goodyear. Auch die Erschließung des Areals und seine Anbindung an bestehende Infrastruktur sollen verbessert werden.

Öffentliches Interesse überwiegt

Aus Sicht der Stadt überwiegen die Belange des Allgemeinwohls die privatwirtschaftlichen Interessen der ursprünglichen Kaufvertragsparteien. Die rechtliche Grundlage war bereits geschaffen: Im Juli 2025 trat eine Vorkaufssatzung für das Gelände in Kraft, im Februar 2026 ermächtigte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat zur Ausübung des Vorkaufsrechts - und beschloss ergänzend eine städtebauliche Planung für das Areal der ehemaligen Gummiwerke.

Nicht Teil des Vorkaufs ist ein rund 8.000 Quadratmeter großes Grundstück - der bisherige Firmenparkplatz -, das die Stadt direkt von Goodyear erwerben möchte. (mmb) +++

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