Stadt bleibt handlungsfähig

Goodyear-Areal im Fokus: Vorkaufsrecht und Millionen-Spielraum gesichert

Mit dem möglichen Vorkaufsrecht will sich die Stadt Fulda Einfluss auf die Entwicklung des Areals sichern.
Foto: Marvin Myketin

03.02.2026 / FULDA - Eine Entscheidung von großer Tragweite! Diese ist am Montagabend in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung gefallen. Hinter verschlossenen Türen wurden die Weichen für die Zukunft des ehemaligen Goodyear-Areals gestellt - eines der größten innerstädtischen Entwicklungsgebiete. Mit einem Beschluss, der der Stadt weitreichende Handlungsfreiheit sichert, reagiert das Parlament auf die aktuellen Entwicklungen rund um das Gelände und mögliche Investoren.


Ziel ist es, sich alle Optionen offenzuhalten und den Einfluss der Stadt auf die künftige Nutzung zu sichern. Konkret hat die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat ermächtigt, bei Bedarf vom Vorkaufsrecht der Stadt für das frühere Goodyear-Areal Gebrauch zu machen - ohne dass dafür ein weiterer Beschluss des Gremiums erforderlich ist. Die Entscheidung fiel im nichtöffentlichen Teil der Sitzung und wurde mit breiter Mehrheit getragen. Bereits im Vorfeld hatten sich mehrere Fraktionen offen dafür gezeigt, diesen Schritt zu gehen. Zusätzlich erhielt der Magistrat die Zustimmung, eine GmbH in kommunaler Trägerschaft zu gründen, über die der Erwerb des rund 17 Hektar großen Areals abgewickelt werden könnte.

Änderung im Haushalt - Hartmann: "Es hat sich einiges verändert"

Vor der Entscheidung hinter verschlossenen Türen fand das Thema auch im öffentlichen Teil der Sitzung seinen formalen Niederschlag. Dort stand ein Beschluss auf der Tagesordnung, der in dieser Form Seltenheitswert hat: eine Ergänzung der Haushaltssatzung für das Jahr 2026. Hintergrund ist das mögliche Vorkaufsrecht der Stadt Fulda für das ehemalige Goodyear-Areal. Die Entscheidung darüber hat finanzielle Auswirkungen in Millionenhöhe - und wurde fraktionsübergreifend als Weichenstellung für die Zukunft der Stadt verstanden.

Der Haushalt für 2026 war bereits im Dezember 2025 beschlossen und dem Regierungspräsidium Kassel zur Genehmigung vorgelegt worden. Eine nachträgliche Änderung sei deshalb eigentlich nicht vorgesehen, machte Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann (CDU) deutlich: "Aufgrund der aktuellen Entwicklung bezüglich des Goodyear-Areals und des Vorkaufsrechtes hat sich aber einiges verändert."

18 Millionen Euro im Haushalt hinterlegt

Hans-Dieter Alt (CDU), Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, sprach von einem Beschluss mit Einmaligkeit. "Wenn erforderlich und gewollt, soll die Stadt Fulda ein Vorkaufsrecht für das Goodyear-Areal ausüben können." Mit Grundstückserwerben dieser Größenordnung habe man ursprünglich nicht gerechnet. Dennoch sei es wichtig, handlungsfähig zu bleiben.

Konkret geht es um finanzielle Auswirkungen: Für einen möglichen Erwerb des Goodyear-Areals werden im Haushalt bis zu 18 Millionen Euro hinterlegt. Ausschussvorsitzender Hans-Dieter Alt (CDU) machte deutlich, dass die Ausübung des Vorkaufsrechts bedeuten würde, dass die Stadt Fulda 18 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant für Investitionen einstellen müsste. Diese Summe müsste vollständig über Kredite finanziert werden, wodurch sich die Kreditaufnahme der Stadt von derzeit 49 auf 67 Millionen Euro erhöhen würde.

Stadtverordnetenversammlung ist sich einig

Die politische Unterstützung für den Beschluss war breit. Ernst Sporer (Grüne) erklärte: "Wir werden für die Ausübung des Vorkaufsrechts stimmen." Es sei "das erste Mal, dass wir Grünen einem Haushalt zustimmen - ein absolutes Novum". Ausschlaggebend sei die Zukunft der Stadt gewesen.


Auch CDU-Fraktionschefin Patricia Fehrmann sprach von einer "sehr wichtigen und zukunftsorientierten Entscheidung". Ziel müsse es sein, das Areal so zu entwickeln, "dass Arbeitsplätze entstehen". Jonathan Wulff (SPD) betonte, seine Fraktion trage die Ergänzung mit, obwohl sie den Haushalt insgesamt abgelehnt habe. "Wir gehen ein Risiko ein - doch wir halten dieses Risiko für erforderlich. Wir haben keine andere Möglichkeit, als diesen Weg zu gehen."

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) erinnerte an die langen Gespräche mit Goodyear. Die im Sommer 2025 erlassene Vorkaufssatzung sei "die Basis dafür, dass wir in dieser Weise entscheiden können". Wichtig sei, dass die Stadt handlungsfähig bleibe und über die Zukunft des Areals selbst entscheiden könne. "Zielsetzung sollte sein, dass dort neue Arbeitsplätze entstehen", so der Oberbürgermeister.


Trotz unterschiedlicher Akzente - etwa von Ute Riebold (Die Partei) oder Michael Grosch (FDP) - fiel das Votum am Ende eindeutig aus. Die Stadtverordneten stimmten einstimmig für den Haushaltssatzungsergänzungsbeschluss. Margarete Hartmann brachte es nach der Abstimmung auf den Punkt: "Wir haben die Weichen gestellt." (Constantin von Butler) +++

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