Kritik aus dem Stadtparlament

Schneechaos in Osthessen: Chaotische Schulschließungen und späte Infos

Viele Kinder waren bereits auf dem Schulweg, als die Entscheidung zur Schließung kam.
Archivfoto: O|N / Hendrik Urbin

04.02.2026 / FULDA - Die jüngsten Schnee- und Glatteistage haben in Fulda nicht nur für rutschige Straßen, sondern auch für reichlich Verunsicherung bei Familien gesorgt. In der Stadtverordnetenversammlung am Montag brachte die SPD/Volt-Rathausfraktion das Thema witterungsbedingter Schulschließungen auf die Tagesordnung. Aus Sicht der Fraktion offenbarte das Vorgehen erhebliche organisatorische und kommunikative Schwächen.



Konkret ging es um mehrere Tage, an denen Schulen kurzfristig geschlossen wurden. Besonders problematisch: Am Montag, 26. Januar, erfolgte die Information über die Schulschließungen teils erst nach dem regulären Unterrichtsbeginn. Zu diesem Zeitpunkt hatten viele Schüler den Schulweg bereits angetreten oder befanden sich schon auf dem Schulgelände. Am darauffolgenden Tag blieben die Schulen erneut geschlossen - obwohl die Witterungs- und Verkehrsverhältnisse vielerorts deutlich entspannter waren als zuvor.

Sicherheitsziel verfehlt

"Diese Abfolge hat bei vielen Familien für große Verunsicherung gesorgt", erklärte Philipp Garrisson von der SPD/Volt-Rathausfraktion. Wenn Informationen erst dann kämen, "wenn Kinder bereits unterwegs sind", werde das eigentliche Sicherheitsziel verfehlt. Gleichzeitig stünden Eltern plötzlich vor "kurzfristig kaum lösbaren organisatorischen Herausforderungen".

Nach Auffassung der Fraktion wirft der Ablauf grundsätzliche Fragen auf. Garrisson sprach von dem Eindruck, "dass Risikobewertung, Entscheidungswege und Kommunikation zwischen Stadtverwaltung, Schulträgern, Schulen und Verkehrsunternehmen nicht ausreichend koordiniert waren". Gerade in Ausnahmesituationen brauche es "klare Zuständigkeiten, feste Abläufe und vor allem frühzeitige Informationen".

"Nachvollziehbar, verhältnismäßig und transparent"

Dabei betonte die SPD/Volt-Fraktion ausdrücklich, dass es nicht um eine generelle Kritik an Sicherheitsentscheidungen gehe. "Niemand verlangt, bei tatsächlicher Gefahr den Schulbetrieb um jeden Preis aufrechtzuerhalten", stellte Garrisson klar. Entscheidungen müssten jedoch "nachvollziehbar, verhältnismäßig und transparent sein - und vor allem rechtzeitig kommuniziert werden".

In der "Aktuellen Stunde" wollte die Fraktion daher vom Magistrat wissen, wie das Vorgehen bewertet wird und welche Konsequenzen für künftige Wetterlagen gezogen werden. Ziel sei eine verlässlichere und besser abgestimmte Entscheidungs- und Kommunikationspraxis.

Bürgermeister Wehner: Strukturen sind klar

Bürgermeister Dag Wehner (CDU) verwies in seiner Antwort auf bestehende Strukturen. Zwischen Schulträgern und dem staatlichen Schulamt gebe es "einen genauen Ablaufplan", der das Vorgehen detailliert regle. Auf Grundlage der vorliegenden Daten werde "in der Regel am Vorabend eine Entscheidung für den kommenden Tag getroffen". Allerdings könne die Wettervorhersage "für den nächsten Tag anders ausfallen als vorhergesagt".

Zudem machte Wehner deutlich, dass Entscheidungen der Schulträger die Verantwortung der Eltern nicht aufheben. Diese müssten weiterhin selbst beurteilen, "ob der Schulweg für ihr Kind zumutbar ist". Die Entscheidungshoheit liege letztlich bei den Schulleitungen. Eine nachträgliche Bewertung lasse zwar "oft auch andere Entscheidungen zu", doch müssten diese immer "mit den Parametern zum jeweiligen Zeitpunkt" getroffen werden. Die Unsicherheiten der Wetterprognosen, so Wehner, "begleiten uns bei diesen Verfahren". (Constantin von Butler) +++

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