Nach verheerendem Großbrand

"Die Schäden sind massiv" - So steht es um die Lauterbacher Gebäude

Der Brand ist gelöscht - doch die langwierigen Arbeiten stehen erst aus. Nach den Räumungsarbeiten soll nun der weitere Abtrag der Brandreste erfolgen.
Fotos: Moritz Pappert

20.08.2026 / LAUTERBACH - Gut drei Wochen ist der verheerende Brand in der historischen Altstadt Lauterbach (Vogelsbergkreis) her. Fünf Häuser wurden durch das Feuer auf unbestimmte Zeit unbewohnbar. Zahlreiche Bewohner mussten ihr Zuhause verlassen und auch mehrere Geschäfte sind nachhaltig vom Brand betroffen. Da stellt sich die Frage: Wie geht es vor Ort nun weiter?



Die rechtliche Situation ist so, dass die Gebäude in die Eigenverantwortung der Eigentümer zurückgegeben wurden. Darauf kann es eine Stadtverwaltung aber nicht beruhen lassen. Die Stadt versteht sich seit Stunde "Eins" als Vermittler. "Wir haben das Interesse, alle Brandgeschädigten, egal ob Eigentümer, Ladenbesitzer oder Mieter, bestmöglich zu unterstützen. Darüber hinaus versuchen wir auch, die Abstimmungen zwischen den Eigentümern, Versicherern, Gutachtern und Regulierern und den beteiligten Behörden zu moderieren", so Lauterbachs Bürgermeister Holger Marx gegenüber OSTHESSEN|NEWS.

Beginn des Wiederaufbaus noch nicht vorhersehbar

Erst zwei Tage nach dem Ausbruch des Feuers konnten die Rückbauarbeiten beginnen. Seither wurden umfangreiche Sicherungsarbeiten vorgenommen und die Läden und Wohnungen vollständig geräumt. "Nach Freigabe der Versicherer, die hoffentlich diese Woche noch erfolgen wird, soll nun über einen fest installierten Kran der weitere Abtrag der Brandreste erfolgen", erzählt Jörg Saller, Bauamtsleiter der Stadt Lauterbach. Auch der Brandursachenermittler steht noch vor dem Abschluss seiner Arbeiten.



Die Unterbringung der Bewohner hatte von Beginn an höchste Priorität. Ende der Woche soll die vorläufige Unterbringung in der Jugendherberge auslaufen. "Bis zur kommenden Woche sollten alle Mieter, bis auf eine Einzelperson, ein neues Mietverhältnis abgeschlossen haben können. Für eine Person wird also weiterhin in der Kernstadt möglichst zentrumsnah eine Wohnung gesucht", so Jörg Saller weiter. Besonders hebt der Bauamtsleiter die Hilfsangebote und eingerichteten Spendenkonten hervor: "Die Soforthilfen sind bereits in der Ausschüttung. Ein Spendenrat wurde eingerichtet, der die weiteren Hilfsleistungen koordiniert."

Wie schnell die zerstörten Gebäude wieder hergerichtet werden können, ist eine komplexe Frage. Am Gesprächstisch sitzen Eigentümer, Versicherer, Sachverständige, Regulierer, Bauaufsicht und Denkmalschutz, die das Thema gemeinsam verhandeln müssen. "Wir hoffen, dass die Aufbauarbeiten im Frühjahr des kommenden Jahres beginnen können. Das Ziel ist es, dass sich die Arbeiten nicht über Jahre hinziehen und der Marktplatz danach wieder geöffnet werden kann", so der Lauterbacher Bauamtsleiter.

Keine Ausweichfiliale für Optiker Neusehland

Besonders betroffen sind die Filialen des Optikers Neusehland sowie vom Sanitätshaus Fendel. Beide Geschäfte mussten in Folge des Brandes schließen. Während das Sanitätshaus bereits eine Übergangslösung finden konnte, ist die Zukunft der Optiker-Filiale noch offen. Eine Wiedereröffnung ist derzeit noch nicht absehbar, wie Ulrike Martschin von der Vertriebsleitung im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS erzählt.

"Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, um schnellstmöglich wieder in Lauterbach vor Ort für unsere Kunden da zu sein, um kurze Wege zu ermöglichen. Was den Wiederaufbau des Hauses betrifft, so ist das Sache des Eigentümers", sagt die Vertriebsleiterin.

Eine Ausweichfiliale gibt es derzeit nicht. Stattdessen versucht das Gießener Unternehmen, die Kapazitäten der umliegenden Filialen zu erweitern, um den Ausfall der Lauterbacher Filiale zu kompensieren. "Aktuell sind unsere Lauterbacher Mitarbeiter in den umliegenden Niederlassungen für unsere Kunden da und bieten dort weiterhin Services, Nachjustierungen und Neuversorgungen für Brille, Kontaktlinse und Hörgeräte an", wie Ulrike Martschin weiter mitteilt.

Sanitätshaus Fendel findet neue Filiale

Auch für das Sanitätshaus Fendel war der Großbrand verheerend. "Die Schäden durch das Löschwasser sind in der gesamten Ladenfläche sehr massiv. Mittlerweile sind sogar die Rigipsplatten von der Decke gefallen", wie Geschäftsleiter und Inhaber Florian Schulz im Gespräch mit O|N erzählt. "Wir hatten hier noch Tassen stehen, selbst die sind vollgelaufen mit Wasser", fügt er noch hinzu.

Der entstandene Sachschaden soll in einem hohen fünfstelligen Bereich liegen. Neben dem Inventar wie Tresen, Rückwänden oder einer Schleifmaschine haben auch die dortigen Waren erheblichen Schaden genommen und seien nicht mehr nutzbar. "Wir bieten medizinische Produkte an, bei denen die uneingeschränkte Funktionsfähigkeit und Hygiene essenziell sind. Bei den entstandenen Wasserschäden können wir die Waren aus der Lauterbacher Filiale nicht mehr anbieten."

Glücklicherweise hat das Sanitätshaus bereits schnell eine Ausweichmöglichkeit gefunden, auch dank der Zusammenarbeit mit dem Eichhof-Krankenhaus. Seit dem 03. August hat das Sanitätshaus Fendel vorübergehend dort Räume bezogen. "Das Krankenhaus hier in Lauterbach kennt natürlich jeder. Die Kunden müssen natürlich einen größeren Weg zurücklegen, aber sie sind aufgrund der Situation sehr verständnisvoll", sagt der Geschäftsleiter.

Eine dauerhafte Lösung liegt jedoch bereits parat. Seitens der Stadt habe es mehrere Angebote gegeben. Letztendlich habe man sich aber mit der Hausverwaltung Zettl geeinigt, dem Vermieter der alten Filiale. "Uns wurden fußläufig erreichbar in der Hausnummer 32 neue Räumlichkeiten angeboten, die wir jetzt dauerhaft beziehen möchten. Die Wiedereröffnung der alten Filiale hätte zu lange gedauert, weswegen wir uns für den dauerhaften Umzug entschieden haben", wie Florian Schulz erzählt. Als ambitioniertes Ziel plant das Sanitätshaus, im Januar 2027 das neue Geschäft zu eröffnen.

Herausforderung Denkmalschutz

Eine besondere Herausforderung ist der Umstand, dass durch den Brand denkmalgeschützte Gebäude zerstört wurden. Der Wiederaufbau gestaltet sich so komplexer und setzt besondere Hürden. Auch Jörg Saller sieht die besondere Herausforderung, bezeichnet die Umstände jedoch nicht als schwierig. "Inwieweit sich ein wünschenswerter denkmalgerechter Wiederaufbau finanzieren lässt, ist hierbei eine noch ungeklärte Frage. Die beim Wiederaufbau einzuhaltenden bau- und brandschutzrechtlichen Vorgaben werden die Planer vor Herausforderungen stellen, die aber lösbar sein sollten", so der Stadtbaurat. (kru) +++

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