"Herz der Stadt getroffen"

Innenminister Poseck am Brandort: "Retter haben Schlimmeres verhindert"

Hessens Innenminister Roman Poseck vor Ort in Lauterbach - mit Landrat Jens Mischak (li.) und Bürgermeister Holger Marx (re.)
Fotos: Christian P. Stadtfeld / Marvin Myketin

03.08.2026 / LAUTERBACH - Die Vogelsberger Kreisstadt Lauterbach steht nach der verheerenden Brand-Katastrophe in der historischen Altstadt noch immer unter Schock. Fünf Häuser standen in Flammen, Feuerwehren und Retter kämpften tagelang gegen das Feuer, bei dem ein Millionen-Schaden entstanden ist. Menschen verloren dabei ihre Wohnungen, ihr Hab und Gut. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand ernsthaft verletzt wurde.



Am Mittwochabend gegen 17:10 Uhr war das Feuer am Marktplatz/Am Graben, nach derzeitigen Erkenntnissen, in einem Fachwerkhaus im ersten Obergeschoss ausgebrochen. Die Brandursache ist noch unklar – Ermittler der osthessischen Kriminalpolizei sind weiter vor Ort aktiv. Ein Problem: Teile der Gebäude sind einsturzgefährdet. Rund um den Brandort ist alles abgesperrt.

Um den mehr als 450 Einsatzkräften zu danken und sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen, reiste Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) am Sonntagnachmittag nach Lauterbach. "Das Herz der Stadt ist getroffen worden und dieser Brand hat zu einer tiefen Wunde geführt", sagte Poseck im Beisein von Bürgermeister Holger Marx und Landrat Dr. Jens Mischak (beide CDU). Der Staatsminister lobte zudem die Solidarität und den Zusammenhalt in dem rund 13.000 Einwohner-Städtchen. "Durch den Einsatz der überwiegend ehrenamtlichen Retter konnte Schlimmeres verhindert werden. Jetzt geht es darum, den historischen Kern wiederaufzubauen. Wir als Land Hessen werden Stadt und Landkreis dabei unterstützen."

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Bürgermeister Marx sucht jetzt "kleine, bezahlbare Wohnungen"

Stadtbrandinspektor Jürgen Eifert und sein erster Stellvertreter Tony Michelis haben vor der Begehung der Brandstelle ausführlich über die Einsatzhistorie im Sitzungssaal des Rathauses berichtet. "Wir hatten extrem großes Glück, dass keine Menschen im Gebäude waren", sagte Eifert. Und Michelis ergänzte: "Das war wie ein Labyrinth, denn es gab keine richtigen Pläne – bei historischen Gebäuden ist das immer eine Herausforderung." Die engen Zufahrten, die Stadtmauer, die Höhenunterschiede in den einzelnen Häusern, aber auch die verwinkelten Zugänge zu einzelnen Wohnungen hätten die Situation vor Ort massiv erschwert. Erst am Freitagmittag um 14 Uhr hieß es nach fast 48 Stunden "Dauereinsatz - ohne Schlaf" dann: Einsatzende.

31 Menschen mussten im Rahmen des Flammen-Infernos aus ihren Häusern evakuiert werden. In den betroffenen Häusern sind 23 Personen gemeldet. "Manche waren im Urlaub. Für alle, die wir gerettet haben, sind Unterkünfte in der Jugendherberge und im Hotel organisiert worden", berichtete die Feuerwehr-Einsatzleitung und sprach auch von einer städteübergreifenden Zusammenarbeit. "An Tag 1 waren 300 Einsatzkräfte vor Ort, mit 150 Atemschutzgeräten und vier Drehleitern. Wir hatten auch ausreichend Wasser, das Hydrantennetz hat gestanden. All das ist sehr positiv."

Die Feuerwehren, das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Polizei, die Kirche und Notfallseelsorge, der Landkreis mit Gefahrenabwehr und Behördenleitung, die Stadt mit Bauamt & Co. – alle haben bei diesem Großbrand an einem Strang gezogen. "Das macht mich sehr stolz. In Lauterbach stimmt die Gemeinschaft: Danke an alle Helfer und auch die Bürgerschaft. Diese Solidarität ist etwas ganz Besonderes", betonte Rathauschef Marx, der für die Betroffenen jetzt "kleine, bezahlbare Wohnungen" sucht. "Wir müssen den Menschen helfen. Parallel geht es natürlich darum, die Brandruinen zu beseitigen und unsere historische Altstadt wieder aufzubauen."

Roman Poseck dankt allen Einsatzkräften: "Auf sie ist Verlass!"

"Jeder packt mit an", kommentierte Innenminister Poseck die aktuelle Situation vor Ort. Der Schock über das Brandgeschehen sitzt im gesamten Vogelsbergkreis tief. "Auch darüber hinaus hat dieser Brand unser gesamtes Bundesland erschüttert und Mitgefühl ausgelöst. Ich denke in diesen Stunden an die Betroffenen und wünsche ihnen viel Kraft", sagte Roman Poseck, kurz nachdem er mit der Drehleiter das gesamte Ausmaß des Feuers aus der Luft gesehen hat. Für den obersten Feuerwehr-Chef im Land ist dabei wichtig: "Die Menschen in Lauterbach können sich auf die Einsatzkräfte gerade in sehr schwierigen Stunden und Situationen verlassen."

OSTHESSEN|NEWS wird die Lage in Lauterbach eng begleiten und berichten, sobald es neue Entwicklungen nach dieser schrecklichen Brand-Katastrophe gibt. (Christian P. Stadtfeld) +++

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